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Rechenzentrum-Boom in Brandenburg: Wachstum gegen Bürgerwillen?

Brandenburg soll vom Schlusslicht zum Drittplatzierten bei Rechenzentren aufsteigen – doch Anwohner leisten Widerstand.

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Rechenzentrum-Boom in Brandenburg: Wachstum gegen Bürgerwillen?

In einer Sporthalle in Fredersdorf-Vogelsdorf östlich von Berlin stellt Investor Kevin Auerswald sein Projekt vor: ein Rechenzentrum auf einem zwölf Hektar großen Grundstück, direkt zwischen Autobahn und Bundesstraße, neben einer Hochspannungsleitung. Rund einhundert Anwohner sind gekommen – die meisten von ihnen skeptisch. Seine ZAE Projekt GmbH verspricht 110 neue Arbeitsplätze für die Region.

Auerswald sieht den Standort als ideal an. "Der Standort hat den Vorteil, dass wir sehr nah am Netzanknüpfungspunkt sind", erklärt er. Der direkte Stromanschluss sei der entscheidende Pluspunkt. Auch die Infrastruktur sei gut erschlossen, der Flächenzuschnitt passe. Lärm durch das Rechenzentrum werde im bestehenden Rauschen von Autobahn und Bundesstraße untergehen. Die Gemeinde hat einen Vorentwurf des Projekts bereits zu Jahresbeginn gebilligt.

Vogelsdorf ist dabei kein Einzelfall. Im gesamten Bundesland Brandenburg entstehen derzeit Rechenzentren: Die Schwarz-Gruppe baut im südlichen Lübbenau, in Nauen westlich von Berlin liegt ein Bebauungsplan für einen ganzen Campus vor, und in Frankfurt (Oder) ist ein rund 3,5 Milliarden Euro teures Hochleistungsrechenzentrum geplant.

Brandenburgs großer Sprung in der Rangliste

Der Aufholbedarf ist enorm. Derzeit kann Brandenburg lediglich sieben Rechenzentren vorweisen – ein Wert, der im deutschen Vergleich weit hinten liegt. Manche Bundesländer zählen über hundert solcher Anlagen, selbst das dicht besiedelte Berlin kommt auf mehr als 40. Laut einer Studie des Branchenverbands Bitkom soll die IT-Anschlussleistung im Land von unter 50 auf fast 900 Megawatt steigen. Das würde Brandenburg vom letzten Platz auf Rang drei der deutschen Rechenzentrums-Standorte katapultieren.

Die strukturellen Vorteile des Bundeslandes sind für Investoren attraktiv: geringe Bevölkerungsdichte, verfügbare Flächen und ein wachsendes Angebot an erneuerbaren Energien durch zahlreiche Wind- und Solarparks – ergänzt durch noch laufende Braunkohlekraftwerke. Für Anleger, die den globalen Rechenzentrum-Sektor im Blick haben, ist Brandenburg damit ein aufstrebender Standort im europäischen Wettbewerb.

Ob all diese Pläne tatsächlich umgesetzt werden, ist jedoch noch offen. Denn neben wirtschaftlichen Chancen gibt es erheblichen gesellschaftlichen Gegenwind – wie die Bürgerversammlung in Vogelsdorf eindrücklich zeigt.

Anwohner stemmen sich gegen das Projekt

Bereits vor zwei Monaten hatten 1.000 Einwohner eine Petition gegen das geplante Rechenzentrum in Vogelsdorf unterzeichnet. Ihre Sorgen sind konkret: Die geplanten Gebäude sollen 28 Meter hoch werden – mehr als dreimal so hoch wie die umliegenden Wohnhäuser mit rund acht Metern. Anwohner Ralf Haida, auch Mitglied im Naturschutzbund, bringt es auf den Punkt: "So ein Monster gehört nicht in eine Ortslage."

Weitere Kritikpunkte betreffen das Ortsbild und den Verkehr. Anwohner befürchten eine Zunahme von Liefer- und Wirtschaftsverkehr, der den alten Dorfhäusern schaden könnte. Die Stimmung auf der Veranstaltung spiegelt sich auch in einer informellen Abstimmung wider: Auf einem Flipchart vor der Sporthalle fanden sich unter "Nein" deutlich mehr Stimmen als unter "Ja" oder "?".

Der Bürgermeister positioniert sich offiziell neutral, will das Projekt aber nicht blockieren. Er verweist auf wirtschaftliche Vorteile: Der Investor würde Straßen ertüchtigen, und es gebe "hoffentlich Gewerbesteuer", wie er formuliert. Die Entscheidung über die Zukunft des Projekts dürfte damit letztlich auf politischer Ebene fallen – zwischen Wirtschaftsinteressen und dem Willen der Bevölkerung.

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