Produktion bricht ein – Industrie in der Krise
Auftragsmangel, teure Energie und schwache Nachfrage belasten die deutsche Wirtschaft deutlich

Die deutsche Wirtschaft hat im August einen deutlichen Rückschlag erlitten. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes sank die Gesamtproduktion von Industrie, Bau und Energieversorgern um 4,3 Prozent im Vergleich zum Vormonat. Es ist der stärkste Einbruch seit Beginn des Ukraine-Kriegs im März 2022. Ökonomen hatten lediglich mit einem Minus von einem Prozent gerechnet, nachdem im Juli noch ein Plus von 1,3 Prozent verzeichnet worden war. Besonders betroffen war die Industrie, die ihre Produktion um 5,6 Prozent reduzierte.
Ein wesentlicher Grund für den Rückgang lag in der Automobilbranche, die mit einem Minus von 18,5 Prozent den größten Anteil an der Entwicklung hatte. Laut Destatis fiel der Rückgang vor allem in die Zeit der Werksferien und Produktionsumstellungen. Commerzbank-Chefökonom Jörg Krämer erklärte, abgesehen von diesen Sondereffekten bewege sich die Industrieproduktion seit einem Jahr seitwärts, nachdem sie zuvor sechs Jahre lang im Trend gefallen war. Eine rasche Erholung sei wegen der schwachen Nachfrage derzeit nicht zu erwarten.
Die schwache Auftragslage belastet die Unternehmen zusätzlich. Im August gingen die Bestellungen im Verarbeitenden Gewerbe bereits den vierten Monat in Folge zurück, diesmal um 0,8 Prozent. Auch aus dem Ausland kommen weniger Impulse. Nach Einschätzung des Bundeswirtschaftsministeriums bleibt die konjunkturelle Entwicklung im dritten Quartal insgesamt schwach. Nach einem leichten Wachstum von 0,3 Prozent zu Jahresbeginn war die Wirtschaft im Frühjahr wieder um denselben Wert geschrumpft. Seitdem stagniert die größte Volkswirtschaft Europas weitgehend.
Analysten sprechen von einem deutlichen Dämpfer für die Konjunktur. Jens-Oliver Niklasch von der LBBW warnte, die Zahlen erhöhten die Wahrscheinlichkeit eines erneuten Rückgangs der Wirtschaftsleistung im dritten Quartal. Die Deutsche Industrie- und Handelskammer bezeichnete den Rückgang als Weckruf. Gerade die industriellen Kernbranchen brechen weg, während hohe Energiepreise, Arbeitskosten, Steuern und Bürokratie den Standort zusätzlich belasten.
Trotz der aktuellen Schwäche zeigt sich die Bundesregierung verhalten optimistisch. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche rechnet in ihrer neuen Prognose für 2025 mit einem leichten Wachstum von 0,2 Prozent und für 2026 mit einem Plus von 1,3 Prozent. Ab 2027 könnte das Bruttoinlandsprodukt um 1,4 Prozent steigen. Hauptgrund für den erwarteten Aufschwung seien höhere staatliche Investitionen in Infrastruktur und Verteidigung. Auch der Bundesverband deutscher Banken erwartet, dass die schuldenfinanzierten Ausgaben der Koalition im kommenden Jahr den größten Beitrag zum Wirtschaftswachstum leisten werden.
