Powell und Bessent warnen Bankchefs vor Anthropic-KI-Cyberrisiken
Fed-Chef und US-Finanzminister beriefen Sondertreffen mit führenden Bankenchefs ein, um über Cyberrisiken durch Anthropics neues KI-Modell zu beraten.

Federal-Reserve-Chef Jerome Powell und US-Finanzminister Scott Bessent haben sich diese Woche in Washington D.C. mit den CEOs führender US-Banken getroffen. Thema des Sondertreffens war das neue KI-Modell „Claude Mythos Preview" des Unternehmens Anthropic und die damit verbundenen potenziellen Cyberrisiken. Dies bestätigte der US-Sender CNBC am Freitag unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen.
Die Bankenchefs befanden sich bereits in Washington für eine reguläre Vorstandssitzung des Financial Services Forum, als am Dienstag kurzfristig ein Sondertreffen im Finanzministerium einberufen wurde. Die Teilnehmer erhielten die Einladung dazu während eines gemeinsamen Abendessens zu Beginn der Woche, wie eine der anonymen Quellen berichtete.
Hochrangige Bankenchefs am Tisch
Zu den anwesenden Bankchefs zählten laut Bloomberg Brian Moynihan von der Bank of America, Jane Fraser von der Citigroup, Goldman-Sachs-CEO David Solomon, Ted Pick von Morgan Stanley sowie Wells-Fargo-Chef Charlie Scharf. JPMorgan-Chef Jamie Dimon war der einzige Großbankenchef, der nicht an dem Treffen teilnehmen konnte. Die Federal Reserve lehnte gegenüber CNBC eine Stellungnahme ab, das Finanzministerium und Anthropic reagierten nicht auf Kommentaranfragen.
Anthropic hatte Anfang dieser Woche das neue KI-Modell Claude Mythos Preview in begrenztem Umfang eingeführt. Die Sorge: Hacker könnten die fortgeschrittenen Fähigkeiten des Modells für Cyberangriffe ausnutzen. Ende des vergangenen Monats waren bereits die Aktien von Cybersicherheitsunternehmen eingebrochen, nachdem das Magazin Fortune einen Entwurf eines Anthropic-Blogbeitrags entdeckt hatte, der die weitreichenden Cyber-Fähigkeiten und möglichen Risiken des Modells offenlegte.
Projekt Glasswing und prominente Partner
Zur Einführung von Claude Mythos Preview lancierte Anthropic gleichzeitig eine Cybersicherheitsinitiative namens „Project Glasswing". JPMorgan Chase gehörte zu den ersten Partnern dieses Projekts. Weitere beteiligte Unternehmen sind Apple, Google, <a class="tvreplink" target="_blank" href="https://de.tradingview.com/symbols/Nasdaq%3AMSFT">Microsoft und Nvidia – allesamt Schwergewichte der globalen Technologiebranche.
Ein Anthropic-Sprecher erklärte gegenüber CNBC, das Unternehmen befinde sich in „laufenden Gesprächen" mit der US-Regierung. Dazu zählen die Cybersecurity and Infrastructure Security Agency (CISA) sowie das Center for AI Standards and Innovation, um die Cyber-Fähigkeiten von Claude Mythos Preview gemeinsam zu bewerten.
Vorwürfe und rechtliche Auseinandersetzungen
Die Bedenken rund um Anthropic sind nicht neu. Im November vergangenen Jahres gab das Unternehmen bekannt, dass eine chinesische Gruppe das KI-Modell Claude genutzt habe, um Hackerangriffe auf Regierungs- und Unternehmensziele zu automatisieren. Hacker haben demnach bereits in der Vergangenheit Anthropic-Modelle für KI-gestützte Angriffe eingesetzt.
Zusätzlich befindet sich Anthropic derzeit in einem Rechtsstreit mit dem US-Verteidigungsministerium. Dieses hatte das KI-Labor als Risiko für die Lieferkette der nationalen Sicherheit eingestuft. Ein Bundesberufungsgericht lehnte diese Woche den Antrag von Anthropic ab, die Aufnahme in die entsprechende schwarze Liste vorläufig zu blockieren. Das Unternehmen steht damit gleich auf mehreren Fronten unter Druck – regulatorisch, rechtlich und sicherheitspolitisch.
