OpenAI greift Anthropic in Investoren-Memo scharf an
Während Anthropic im KI-Markt an Dynamik gewinnt, kritisiert OpenAI den Rivalen in einem internen Memo an Aktionäre.

OpenAI hat diese Woche ein Memo an seine Investoren verschickt, in dem der Hauptkonkurrent Anthropic scharf kritisiert wird. Das Unternehmen wirft Anthropic vor, auf einer „deutlich kleineren Kurve" zu agieren und durch mangelnde Rechenkapazitäten eingeschränkt zu sein. Das Memo liegt dem US-Sender CNBC vor und gibt seltene Einblicke in den wachsenden Konkurrenzkampf zwischen den beiden führenden KI-Unternehmen.
Konkret verweist OpenAI auf die geplante Rechenleistung beider Unternehmen: Während OpenAI bis 2030 über eine Kapazität von 30 Gigawatt verfügen will, erwartet das Unternehmen für Anthropic bis Ende 2027 lediglich etwa 7 bis 8 Gigawatt. OpenAI betonte dabei, dass der eigene Ansatz „anders" sei als die von Anthropic-CEO Dario Amodei beschriebene bewusst konservative Strategie beim Ausbau der Recheninfrastruktur.
Kumulativer Vorteil als Kernargument
OpenAI, das mit dem Start von ChatGPT Ende 2022 den Hype um generative KI auslöste, sieht sich selbst in einer starken Ausgangsposition. Das Unternehmen erklärte, man profitiere von einem sogenannten „compounding advantage" – einem kumulativen Vorteil, bei dem eine bessere Infrastruktur und leistungsfähigere Modelle die Kosten senken und überlegene Produkte zu höheren Umsätzen führen. Dieses Argument richtet sich offenbar gezielt an Investoren, die langfristige Wachstumsperspektiven bewerten wollen.
Die Besorgnis von OpenAI gegenüber Anthropic wächst, während beide Unternehmen um ihre Positionierung im sich rasant entwickelnden Markt für große Sprachmodelle und KI-Dienste kämpfen. Gemeinsam werden die beiden Unternehmen mit über einer Billion US-Dollar bewertet – eine Summe, die die enorme Erwartungshaltung der Investoren widerspiegelt. Beide bereiten sich zudem auf mögliche Börsengänge vor, potenziell noch in diesem Jahr.
Anthropic kontert mit Google-Deal und neuem Modell
Anthropic reagierte auf die Kritik nicht direkt, verwies aber auf aktuelle Entwicklungen. Anfang dieser Woche kündigte das Unternehmen ein leistungsstarkes neues Modell an, das im Rahmen einer neuen Cybersicherheitsinitiative namens „Project Glasswing" einer ausgewählten Gruppe von Unternehmen zur Verfügung gestellt wird. Anthropic feiert im Unternehmensmarkt zunehmend Erfolge und positioniert sich als ernstzunehmende Alternative zu OpenAI.
Ein Sprecher von Anthropic verwies CNBC auf eine Ankündigung im Zusammenhang mit einem Deal mit Google und Broadcom. CFO Krishna Rao erklärte dazu: „Wir gehen unsere bisher bedeutendste Verpflichtung im Bereich der Rechenleistung ein, um mit diesem beispiellosen Wachstum Schritt zu halten." Diese Aussage deutet darauf hin, dass Anthropic den Rückstand bei der Rechenkapazität aktiv adressieren will.
Hintergrund: Anthropic als OpenAI-Abspaltung
Anthropic wurde 2021 von CEO Dario Amodei gegründet – gemeinsam mit einer Gruppe von Forschern und Führungskräften, die zuvor bei OpenAI tätig waren. Das Unternehmen hat sich seitdem als einer der wichtigsten Konkurrenten im KI-Markt etabliert. Beide Unternehmen stehen dabei vor der gemeinsamen Herausforderung, Investoren von nachhaltigen Geschäftsmodellen zu überzeugen, die dem Druck finanzstarker Konkurrenten wie Google und Meta standhalten können.
Der öffentlich gewordene Inhalt des Memos zeigt, wie intensiv der Wettbewerb im KI-Sektor geworden ist. Für deutsche Anleger und Technologiebeobachter ist dieser Zweikampf besonders relevant, da beide Unternehmen zu den heißesten Börsenkandidaten des Jahres zählen und die Entwicklung des globalen KI-Markts maßgeblich mitbestimmen.
