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Powell bleibt bei der Fed: Warsh erbt schwieriges Erbe

Jerome Powell bricht mit 75-jährigem Präzedenzfall und bleibt nach Amtsübergabe – Zinssenkungen vorerst vom Tisch.

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Powell bleibt bei der Fed: Warsh erbt schwieriges Erbe

Jerome Powell hat angekündigt, nach der Übergabe des Fed-Vorsitzes an Kevin Warsh im nächsten Monat nicht aus der US-Notenbank auszuscheiden. Stattdessen will er als Mitglied im Gouverneursrat der Federal Reserve verbleiben. Damit bricht Powell mit einem Präzedenzfall, der seit 75 Jahren Bestand hatte: Alle seine Vorgänger verließen die Zentralbank, sobald ihr Nachfolger das Amt übernahm.

Dieser ungewöhnliche Schritt unterstreicht, wie stark die Druckkampagne der Trump-Administration die Fed in bislang unbekanntes Terrain gedrängt hat. Die Entscheidung Powells, im Hintergrund präsent zu bleiben, dürfte die institutionelle Dynamik innerhalb der Notenbank erheblich beeinflussen – und Warsh von Beginn an vor besondere Herausforderungen stellen.

Warsh kündigt tiefgreifende Reformen an

Kevin Warsh hatte bei seiner Bestätigungsanhörung im US-Senat in der vergangenen Woche bereits deutliche Signale für einen Kurswechsel gesetzt. Er erklärte vor den Abgeordneten, dass die Federal Reserve eine grundlegende Umgestaltung benötige. Konkret sprach er von „chaotischeren Sitzungen" und einem „ordentlichen Familienstreit" – eine bemerkenswerte Ankündigung für eine Institution, die bisher vor allem für Disziplin und Konsens bekannt war.

Warsh könnte all das und noch mehr bekommen – allerdings unter Bedingungen, die er sich wohl kaum so vorgestellt hat. Denn nicht nur die Anwesenheit seines Vorgängers im Gouverneursrat stellt eine Besonderheit dar. Auch die aktuelle geldpolitische Linie der Fed dürfte Warsh unmittelbar nach Amtsantritt beschäftigen.

Keine Zinssenkungen in Sicht

Gleichzeitig mit Powells Ankündigung sprachen drei seiner Fed-Kollegen eine unmissverständliche Warnung aus: Sie seien keineswegs bereit, die Zinsen in naher Zukunft zu senken. Diese Signale aus dem Inneren der Notenbank stellen eine weitere Herausforderung für den designierten Fed-Chef dar, der unter dem Druck der Trump-Administration antritt.

Für deutsche und europäische Anleger ist die Entwicklung bei der US-Notenbank von erheblicher Bedeutung. Die Zinspolitik der Fed beeinflusst maßgeblich die globalen Kapitalmärkte, den Wechselkurs des US-Dollars sowie die Refinanzierungsbedingungen weltweit. Bleibt die Fed bei ihrer restriktiven Haltung, dürfte der Druck auf risikobehaftete Anlagen anhalten.

Die Situation, in die Warsh hineintritt, ist damit außergewöhnlich komplex: Er übernimmt eine Institution, deren bisheriger Chef weiterhin präsent bleibt, deren Mitglieder Zinssenkungen ablehnen – und die er gleichzeitig grundlegend reformieren will. Ob seine Vision von „chaotischeren Sitzungen" unter diesen Vorzeichen zur Stärke oder zur Schwäche wird, bleibt abzuwarten.

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