Porsche kämpft mit Gewinnrückgang und Kostensenkungen
Management reagiert auf Lieferprobleme und Preiskampf in China.

Der Stuttgarter Autobauer Porsche hat im ersten Halbjahr einen Gewinnrückgang verzeichnet. Wie der Dax-Konzern am Mittwoch mitteilte, gab das Betriebsergebnis gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 20 Prozent nach und fiel auf 3,08 Milliarden Euro. Auch der Umsatz sank leicht auf 19,46 Milliarden Euro. Dennoch lief das zweite Quartal insgesamt besser für Porsche als das erste und als von einigen Analysten erwartet. „Wir sind in herausfordernden Zeiten finanziell robust aufgestellt und hochprofitabel“, sagte Finanzchef Lutz Meschke. Durch die „Strategie des wertorientierten Absatzes“ sei man in der Lage, „Schwankungen in einzelnen Märkten weitgehend abzufangen“.
Erst am Dienstag hatte das Porsche-Management seinen Ausblick für 2024 nach unten korrigiert. Als Grund gab das Unternehmen Lieferprobleme infolge einer Überschwemmung bei einem Sublieferanten in der Schweiz an. Porsche kalkuliert für das laufende Geschäftsjahr nur noch mit einer Marge von 14 bis 15 Prozent. Langfristig sollen es aber 20 Prozent und mehr sein. Um dort hinzukommen und die nächsten Jahresziele zu erreichen, kündigten Meschke und Porsche-Chef Oliver Blume am Mittwoch in einer Telefonkonferenz mit Journalisten ein Sparprogramm für den Sportwagenbauer an, das die aktuelle Strategie stütze. „Wir werden unsere Kostenstruktur deutlich senken“, sagte Meschke, ohne zu spezifizieren, wie hoch die anvisierten Einsparungen sind.
Dafür werde man einerseits Forschungs- und Entwicklungskosten senken und andererseits Vertriebsstrukturen an eine Stückzahl von 250.000 bis 300.000 Fahrzeuge im Jahr anpassen. 2023 hatte Porsche 320.000 Sportwagen verkauft. Für den Dax-Konzern war es bislang eine Woche der Widrigkeiten: Am Montag hatte Porsche mitgeteilt, dass man aufgrund der schwachen Nachfrage in Europa und Amerika seine Elektrostrategie neu ausrichte. Nach der Gewinnwarnung aus der Nacht war die Aktie am Dienstag zwischenzeitlich um bis zu sieben Prozent gefallen, was den bislang größten Tagesverlust seit dem Börsengang im Herbst 2022 markierte. Am Mittwoch erholten sich die Porsche-Aktien wieder etwas. Insgesamt hat das Papier seit dem IPO aber ein knappes Sechstel an Wert verloren.
Für Porsche ist es das zweite Quartal in Folge, in dem der Sportwagenbauer bei seinen wichtigsten Kennzahlen im Vergleich zum Vorjahr schlechter dasteht. Nach den ersten sechs Monaten hat sich die Rendite zwar wieder etwas erholt und steht aktuell bei 15,7 Prozent, wie der Konzern am Mittwoch mitteilte. Dennoch ist das Management um Blume mit dem Halbjahresergebnis noch immer ein gutes Stück von der erhofften Rendite und damit dem Ziel entfernt, zu Luxusautoherstellern wie Ferrari aufzuschließen. „Ferrari spielt, was Exklusivität, Execution und Profitabilität angeht, in einer komplett anderen Liga“, erklärt UBS-Analyst Patrick Hummel dem Handelsblatt. „Porsche schuldet dem Markt eher den Beweis, dass es eine Bewertungsprämie gegenüber Mercedes und BMW verdient.“
Neben den jetzt aufgekommenen Lieferkettenproblemen lasten vor allem der Preiskampf bei Elektroautos in China und der weitere Produktfahrplan auf der Porsche-Bilanz und damit auf Blume und seiner Doppelrolle als Porsche- und VW-Konzern-Chef. Um Porsches Marge zu schützen, hatte Blume in China bewusst entschieden, bei der Rabattschlacht auf dem größten E-Auto-Markt der Welt nicht mitzumachen und das Angebot zu verringern. Diese Strategie ging nur bedingt auf. Chinesische Porsche-Händler verkauften die Luxusautos trotzdem mit erheblichen Preisnachlässen, um überhaupt Geschäft zu machen, und verlangten Entschädigungszahlungen von dem Dax-Unternehmen, wie chinesische Medien berichteten. China als weltgrößter Markt für Luxusartikel und Autos ist eigentlich eine Region, in der Porsche schon qua Selbstbeschreibung unbedingt eine Rolle spielen muss. „Wir sind 100 Prozent Sportwagen und 100 Prozent Luxus“, sagte CEO Blume einmal im Vorfeld des Börsengangs 2022. Tatsächlich hat der Absatz in China im ersten Halbjahr aber um ein Drittel nachgelassen.
Die vielen Modellwechsel in kürzester Zeit waren vom Management geplant. Der rein elektrische Macan kommt vor allem wegen Softwareproblemen zwei Jahre später als ursprünglich geplant. Das Absatzminus von 6,8 Prozent im ersten Halbjahr war deshalb nach Porsche-Angaben gewissermaßen eingepreist. „Mit der größten Produktoffensive der Porsche-Geschichte bringen wir uns im Langstreckenrennen der Transformation in die Pole-Position“, sagte Porsche-Chef Blume. Weil sich die Elektrowende weltweit jedoch sehr unterschiedlich entwickle, habe man bereits begonnen, Projekte und Produkte „auch im Hinblick auf die Verbrennertechnologie neu zu kalibrieren und zu priorisieren“, ergänzte Finanzchef Meschke.
