Bahn verbucht Milliarden-Verlust im ersten Halbjahr
Hoffnung auf Rückzahlungen des Bundes und Schenkers Gewinn stabilisiert

Die Deutsche Bahn hat im ersten Halbjahr 2024 einen erheblichen Verlust von über einer Milliarde Euro verzeichnet. Laut Konzernunterlagen, die Reuters am Mittwoch vorlagen, beträgt das Minus einschließlich der Zinszahlungen des hoch verschuldeten Unternehmens 1,2 Milliarden Euro. Im operativen Geschäft (Ebit) allein beläuft sich der Verlust auf 680 Millionen Euro. Zum Vergleich: Im gleichen Zeitraum des Vorjahres hatte die Bahn noch einen Gewinn von 331 Millionen Euro erzielt.
Ein wesentlicher Teil des Verlustes entfällt auf das sanierungsbedürftige Schienennetz, in das Milliardenbeträge investiert werden müssen. Die Deutsche Bahn ist hier in Vorleistung gegangen, da der Bund die Hauptlast der Netz-Investitionen tragen soll. Daher rechnet das Unternehmen in diesem Jahr mit erheblichen Rückzahlungen vom Bund. Die Bahn selbst hat sich zu diesen Zahlen nicht geäußert und verweist auf eine anstehende Pressekonferenz am Donnerstag.
Neben dem Schienennetz befinden sich auch fast alle anderen Geschäftsfelder der Deutschen Bahn in Deutschland tief in den roten Zahlen. Der Fernverkehr mit ICE und IC verzeichnete einen Verlust von 230 Millionen Euro, während die Güterbahn einen Verlust von 260 Millionen Euro hinnehmen musste. Diese Verluste spiegeln sich auch in den rückläufigen Erlösen wider. Im Gesamtkonzern wurden Einnahmen von 22,3 Milliarden Euro verbucht, im ersten Halbjahr 2023 waren es noch fast 25 Milliarden Euro.
Einziger Lichtblick in der Bilanz ist die internationale Spedition Schenker, die derzeit zum Verkauf steht. Schenker konnte einen Betriebsgewinn von gut 500 Millionen Euro erzielen, was allerdings ebenfalls einen Rückgang um 100 Millionen Euro im Vergleich zum Vorjahreszeitraum bedeutet. Trotzdem hat das Unternehmen die Aussicht, sein Jahresziel von gut einer Milliarde Euro zu erreichen.
Bahnchef Richard Lutz hatte nach dem Betriebsverlust von fast einer Milliarde Euro im Jahr 2023 für das Gesamtjahr 2024 einen Betriebsgewinn von einer Milliarde Euro angekündigt. Dieses Ziel scheint jedoch nur mit den erwarteten Rückzahlungen des Bundes erreichbar zu sein.
