Polen weitet Epstein-Ermittlungen auf Frankreich und Schweden aus
Polnische Staatsanwaltschaft bittet zwei weitere europäische Länder um Unterstützung bei Menschenhandels-Untersuchungen.

Polen hat seine Ermittlungen im Zusammenhang mit dem verstorbenen US-Finanzier Jeffrey Epstein auf weitere europäische Länder ausgeweitet. Die polnische Generalstaatsanwaltschaft will laut einer mit der Sache vertrauten Quelle gegenüber Reuters Frankreich und Schweden um Rechtshilfe ersuchen. Grundlage sind Dokumente aus den Epstein-Akten, die einen begründeten Verdacht auf Menschenhandel auf polnischem Staatsgebiet begründen.
Die Staatsanwaltschaft hat offiziell eine Untersuchung wegen Menschenhandels eingeleitet, der zwischen 2009 und August 2019 in Polen und anderen Ländern stattgefunden haben soll. Den Ermittlern zufolge wurden Frauen und Mädchen unter falschen Vorspiegelungen für angebliche Arbeitsstellen im Ausland angeworben, dann außer Landes gebracht und zur sexuellen Ausbeutung an Dritte übergeben. Bereits im Februar hatte Ministerpräsident Donald Tusk angekündigt, mögliche Verbindungen zwischen Epstein und dem russischen Geheimdienst untersuchen zu wollen.
Schlüsselfigur Daniel Siad im Fokus der Ermittler
Von Reuters eingesehene Akten rücken einen Mann namens Daniel Siad in den Mittelpunkt der Ermittlungen. Er soll Epstein regelmäßig über seine Reisen durch Polen, die Slowakei und die Tschechische Republik informiert haben, bei denen er nach Models suchte. Zudem arbeitete er demnach mit Jean-Luc Brunel zusammen, einem langjährigen Vertrauten Epsteins und Hauptverdächtigen, der 2022 in einem französischen Gefängnis verstorben ist.
Siad wurde polnischen Medienberichten zufolge in Algerien geboren und zog im Alter von 23 Jahren nach Schweden. Die schwedische Zeitung Expressen zitierte ihn im Februar mit der Aussage, er habe nie ein Verbrechen begangen und sei zur Kooperation mit Ermittlern bereit. Reuters erhielt auf Anfragen über Telefon und E-Mail bislang keine Antwort von ihm.
Der Fall steht im Zusammenhang mit der Veröffentlichung von Millionen interner Dokumente durch das US-Justizministerium. Diese Akten belegen die weitreichenden Verbindungen des 2019 verstorbenen Epstein zu prominenten Persönlichkeiten aus Politik, Finanzen, Wissenschaft und Wirtschaft – auch nach seinem Schuldeingeständnis wegen Prostitutionsvorwürfen im Jahr 2008. Die europaweiten Ermittlungen dürften in den kommenden Monaten weitere Erkenntnisse liefern.
