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Pistorius warnt: Wirtschaft muss sich auf Cyberangriffe vorbereiten

Verteidigungsminister fordert Unternehmen auf, Infrastruktur gegen digitale Bedrohungen zu schützen

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Verteidigungsminister Boris Pistorius zeichnet ein beunruhigendes Szenario für die deutsche Wirtschaft: Ein scheinbar normaler Tag, an dem plötzlich Krankenhäuser ohne Strom dastehen, Bahntrassen sabotiert werden und IT-Server ausfallen. Keine Panzer, keine Raketen – sondern ein Cyberangriff, der die kritische Infrastruktur lahmlegt.

Vor rund 200 Managern, Verbandsvertretern und Bundeswehrangehörigen bei einer IHK-Konferenz macht Pistorius deutlich: Moderne Kriegsführung zielt direkt auf Wirtschaft und Infrastruktur. Die Botschaft an die Unternehmen ist klar – sie tragen nicht nur Verantwortung für ihre Geschäfte, sondern auch für die Verteidigungsfähigkeit des Landes.

Seit Russlands Angriff auf die Ukraine 2022 habe sich die Weltlage fundamental verändert. Energieversorgung, Lieferketten und die Abhängigkeit von China müssten überdacht werden. "All das muss geändert werden. Und zwar besser gestern als heute", fordert der Minister unmissverständlich.

Mehr Ausgaben für IT-Sicherheit gefordert

Der Forderungskatalog ist umfangreich: Unternehmen sollen massiv in IT-Sicherheit investieren, Redundanzen aufbauen und neue Beschaffungswege etablieren. Alles müsse "resilienter" werden – ein Begriff, der für die Wirtschaft vor allem eines bedeutet: höhere Kosten.

Peter Adrian, Präsident der Deutschen Industrie- und Handelskammer, äußert keine grundsätzliche Kritik. Seine einzige Sorge: Der wieder eingeführte Wehrdienst könnte den ohnehin angespannten Arbeitsmarkt weiter belasten. Pistorius kontert mit einem Argument, das aufhorchen lässt: Junge Menschen würden bei der Bundeswehr Verantwortung, Disziplin und technische Fähigkeiten lernen – alles Qualifikationen, die auch in der Wirtschaft gefragt seien.

Deutschland habe als drittgrößte Volkswirtschaft der Welt eine Vorreiterrolle in der EU übernommen. Beim Zuwachs der Militärausgaben kann kaum ein anderes EU-Land mithalten. Doch diese Entwicklung hat ihren Preis.

Volkswirtschaftliche Kosten der Aufrüstung

Klaus-Heiner Röhl vom Institut der deutschen Wirtschaft ordnet die Entwicklung ein: "Die letzten 30 Jahre waren eine Zeit der Friedensdividende." Nach dem Kalten Krieg habe Deutschland seine Militärausgaben stärker reduziert als andere NATO-Partner. Nun werde versucht, mit dem sogenannten Sondervermögen schnell aufzuholen.

Kurzfristig bringe dies einen Konjunkturimpuls, so Röhl. Langfristig blieben jedoch vor allem die Schulden. Anders als Investitionen in Infrastruktur oder produktive Bereiche führten Ausgaben für Panzer und Kampfjets nicht zu nachhaltigen Produktivitätssteigerungen. Ein einmal produzierter Panzer sorge nicht für weitere Wertschöpfung – im Gegensatz zu einem Hafen oder einer Straße.

Hinzu kommt: Wirtschaftlich relevant sind nur Ausgaben für heimische Produktion. Deutschland bestellt jedoch viele Rüstungsgüter im Ausland, wie den US-Kampfjet F-35, dessen Komponenten fast vollständig aus den USA stammen. Für die deutsche Wirtschaft bedeutet dies: Das Geld fließt ab, statt die heimische Industrie zu stärken.

Forschung als Chance für die Wirtschaft

Einen positiven langfristigen Effekt könnte es geben, wenn Deutschland verstärkt in militärische Forschung investiert. "Man kann weitergehende wirtschaftliche Effekte aus der Technologieentwicklung erwarten, die dann in die zivile Wirtschaft herüber schwappen", erklärt Röhl. In den USA und Israel sei dieser Technologietransfer bereits Realität.

Allerdings steht Deutschland vor einem strukturellen Problem: An vielen Universitäten und Forschungseinrichtungen verhindern Zivilklauseln militärische Forschung. "Die Zivilklausel passt eigentlich nicht mehr in die Zeit", so Röhl. Eine glaubwürdige militärische Abschreckung sei auch eine Technologiefrage.

Für Anleger ergeben sich aus dieser Entwicklung klare Implikationen: Rüstungsunternehmen mit heimischer Produktion dürften von den Investitionen profitieren. Gleichzeitig müssen Unternehmen aller Branchen mit steigenden Kosten für IT-Sicherheit und Infrastruktur rechnen. Die Zeitenwende hat die deutsche Wirtschaft erreicht – mit allen Konsequenzen für Bilanzen und Investitionsentscheidungen.

CyberangriffeVerteidigungspolitikIt-SicherheitRüstungsausgabenWirtschaftliche Resilienz

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