Grönland weist US-Druck zurück – Dänemark warnt vor neuer Weltordnung
Premierminister Nielsen bekräftigt Unabhängigkeit der Arktis-Insel trotz Trump-Ambitionen. Europäische Verbündete werden mobilisiert.

Der grönländische Premierminister Jens-Frederik Nielsen hat am Mittwoch in Paris eine klare Absage an ausländische Einflussnahme erteilt. Bei einem gemeinsamen Auftritt mit der dänischen Regierungschefin warnte Dänemark zugleich, die bisherige Weltordnung stehe vor dem Ende. Die Statements erfolgen vor dem Hintergrund anhaltender Bestrebungen von US-Präsident Donald Trump, Kontrolle über die strategisch wichtige Arktis-Insel zu erlangen.
Nielsen betonte, Grönland stimme zwar zu, dass mehr Überwachung und Sicherheit in der Arktis notwendig seien – insbesondere "aufgrund der aktuellen Vorgehensweise Russlands". Gleichzeitig machte er jedoch unmissverständlich deutlich, dass das selbstverwaltete dänische Territorium keinem ausländischen Druck nachgeben werde. Die Äußerungen zielen offensichtlich darauf ab, eine geschlossene europäische Front gegenüber den USA zu demonstrieren.
Trump hatte in der vergangenen Woche überraschend erklärt, er habe einen Rahmen für ein zukünftiges Abkommen bezüglich Grönland gesichert. Konkrete Details nannte der US-Präsident nicht, kündigte aber weitere Gespräche an. Bereits seit Jahren zeigt Trump Interesse an der Kontrolle über die rohstoffreiche Insel, die strategisch zwischen Nordamerika und Europa liegt.
Grönländer lehnen US-Kontrolle ab
Meinungsumfragen zeichnen ein klares Bild: Die Bevölkerung Grönlands lehnt eine US-Kontrolle überwältigend ab. Gleichzeitig spricht sich eine starke Mehrheit für die Unabhängigkeit von Dänemark aus. Diese Stimmungslage unterstreicht die Komplexität der Situation, in der sich Nielsen und die dänische Premierministerin Mette Frederiksen befinden.
Die beiden Regierungschefs hatten bereits am Dienstag Gespräche mit Bundeskanzler Friedrich Merz in Berlin geführt. Im Laufe des Mittwochs stand ein Treffen mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron im Élysée-Palast auf dem Programm. Die diplomatische Offensive zeigt, wie ernst Kopenhagen und Nuuk die Lage einschätzen.
Strategische Bedeutung der Arktis wächst
Die Arktis gewinnt zunehmend an geopolitischer Bedeutung. Klimawandel und schmelzendes Eis eröffnen neue Schifffahrtsrouten und erleichtern den Zugang zu Bodenschätzen. Grönland verfügt über bedeutende Vorkommen an Seltenen Erden und anderen strategisch wichtigen Rohstoffen. Zudem liegt die Insel an einer künftig wichtigen Seeroute zwischen Atlantik und Pazifik.
Russlands verstärkte militärische Präsenz in der Region und Chinas wachsendes Interesse an arktischen Ressourcen verschärfen den Wettbewerb. Für die NATO und die USA hat Grönland daher erhebliche sicherheitspolitische Relevanz. Die USA unterhalten auf der Insel bereits die Thule Air Base, einen wichtigen Militärstützpunkt.
Die Warnung Dänemarks vor dem Ende der bekannten Weltordnung deutet darauf hin, dass Kopenhagen die Trump-Initiative als grundsätzliche Infragestellung etablierter Bündnisstrukturen betrachtet. Die kommenden Wochen dürften zeigen, ob die europäische Solidarität mit Dänemark und Grönland Bestand hat.
