Philippinen: BIP-Wachstum fällt auf Fünfjahrestief – Zinssenkungen erwartet
Wirtschaft wächst nur noch 3,0 Prozent im vierten Quartal, Korruptionsskandal belastet Investitionen und Staatsausgaben massiv.

Die philippinische Wirtschaft ist im vierten Quartal 2024 so langsam gewachsen wie seit fast fünf Jahren nicht mehr. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) legte im Jahresvergleich lediglich um 3,0 Prozent zu – der schwächste Wert seit dem ersten Quartal 2021. Analysten hatten im Median mit 4,0 Prozent gerechnet.
Für das Gesamtjahr 2024 ergibt sich damit ein Wachstum von 4,4 Prozent. Dieser Wert verfehlt die Zielspanne der philippinischen Regierung von 5,5 bis 6,5 Prozent deutlich. Die Enttäuschung ist umso größer, als die Philippinen in den vergangenen Jahren als eine der dynamischsten Volkswirtschaften Südostasiens galten.
Als Hauptgrund für die Konjunkturschwäche gilt ein Korruptionsskandal im Zusammenhang mit Infrastrukturprojekten. Dieser behinderte die öffentlichen Ausgaben erheblich und beschädigte sowohl das Verbraucher- als auch das Investorenvertrauen nachhaltig.
Alle Wirtschaftssektoren verlieren an Dynamik
Die Aufschlüsselung der BIP-Daten zeigt eine breite Abschwächung: Der private Konsum, traditionell die Stütze der philippinischen Wirtschaft, wuchs im vierten Quartal nur noch um 3,8 Prozent nach 4,1 Prozent im Vorquartal. Die Staatsausgaben verlangsamten sich deutlich auf 3,7 Prozent nach zuvor 5,8 Prozent.
Besonders dramatisch entwickelten sich die Bruttoanlageinvestitionen. Diese schrumpften um 10,9 Prozent – eine massive Verschlechterung gegenüber dem Rückgang von 2,8 Prozent im dritten Quartal. Der Einbruch bei den Investitionen signalisiert erhebliche Unsicherheit bei Unternehmen und belastet die Wachstumsaussichten.
Zentralbank steht vor weiteren Zinssenkungen
Die schwachen Wirtschaftsdaten erhöhen den Druck auf die Bangko Sentral ng Pilipinas (BSP), ihre Geldpolitik weiter zu lockern. BSP-Gouverneur Eli Remolona hatte bereits im Vorfeld erklärt, dass ein schwächer als erwartetes BIP die Entscheidung bei der geldpolitischen Sitzung am 19. Februar beeinflussen werde.
Die philippinische Zentralbank hat ihren Leitzins im aktuellen Lockerungszyklus bereits um insgesamt 200 Basispunkte auf 4,5 Prozent gesenkt – ein Dreijahrestief. Remolona deutete allerdings an, dass dieser Zinssenkungszyklus sich seinem Ende nähert. Anleger erwarten nun gespannt, ob die BSP angesichts der schwachen Konjunkturdaten dennoch weitere Schritte unternimmt.
Für deutsche Investoren, die in südostasiatischen Schwellenländern engagiert sind, könnten weitere Zinssenkungen auf den Philippinen sowohl Chancen als auch Risiken bergen. Einerseits könnten niedrigere Zinsen die Wirtschaft stimulieren, andererseits belasten die strukturellen Probleme und der Korruptionsskandal das Vertrauen nachhaltig.
