Deutsche Bank sieht geringeres Politikrisiko als Stütze für den Euro
Die Deutsche Bank sieht im nachlassenden Politikrisiko eine Stütze für den Euro, der Fokus liegt auf der US-Schuldenobergrenze.

Die Deutsche Bank sieht in der Kombination aus einer demokratischen Mehrheit im US-Kongress und der Bereitschaft von Präsident Trump zur Zusammenarbeit mit der Opposition einen Faktor, der die Risikoaufschläge senken dürfte. Nach Einschätzung des Instituts wirkt diese Konstellation zugleich als Dämpfer für extreme politische Ergebnisse. Für deutsche Anleger ist das relevant, weil politische Unsicherheit in den USA traditionell unmittelbar auf den Dollar und damit auf das Währungspaar EUR/USD durchschlägt.
Die Analysten verweisen auf zwei Äußerungen des Präsidenten aus den vergangenen 48 Stunden. Trump habe erklärt, ein Angriff auf den Iran stehe nicht bevor, und zugleich eingeräumt, dass der Iran-Krieg einen Teil des Wahlergebnisses beeinflusst habe. Da sich die Ölflüsse durch den Nahen Osten erheblich erholt hätten, preise der Markt derzeit ein hohes, unmittelbar drohendes Risiko einer erneuten Eskalation und von Unterbrechungen der Energieversorgung ein.
Als größte verbleibende Quelle innenpolitischer Unsicherheit in den USA identifiziert die Deutsche Bank die Schuldenobergrenze. Das Limit werde voraussichtlich im zweiten Quartal des kommenden Jahres bindend, so die Einschätzung der Bank. Damit rückt ein Termin in den Fokus, der weit über die reine Fiskalpolitik hinaus Wirkung auf die Finanzmärkte entfalten kann.
Die Republikaner wollen die Schuldenobergrenze über das Versöhnungsverfahren anheben
Berichten zufolge beabsichtigen die Republikaner, eine Erhöhung der Schuldenobergrenze im Laufe der kommenden Wochen über das Versöhnungsverfahren (Reconciliation) zu verabschieden. Gelingt dies, würde eine weitere Unsicherheitsquelle in der Fiskalpolitik entfallen. Die Deutsche Bank argumentiert, dass dadurch verhindert würde, dass Themen wie künstliche Intelligenz (KI) und andere Politikbereiche in langwierige Verhandlungen mit einem demokratisch kontrollierten Kongress eingebunden werden.
Unklarheiten bezüglich des Ausbaus der KI-Infrastruktur dürften jedoch unabhängig davon bestehen bleiben. Die Bank trennt damit zwei Ebenen: die fiskalpolitische Blockadegefahr rund um die Schuldenobergrenze einerseits und die strukturelle Unsicherheit über den weiteren Ausbau der KI-Infrastruktur andererseits. Nur die erste Ebene lässt sich nach Einschätzung der Analysten durch eine Einigung im Kongress kurzfristig entschärfen.
Bereits am 30.09.2026 hielt die Deutsche Bank an ihrer Euro-Prognose von 1,17 fest
Die aktuelle Einschätzung reiht sich in eine Serie von Berichten ein, über die aktien.news bereits berichtet hat. Bereits am 30.09.2026 meldete aktien.news, dass die Deutsche Bank an ihrer Euro-Prognose von 1,17 für das Jahresende festhält. Damals notierte EUR/USD nahe dem unteren Ende des diesjährigen Bandes von 1,13 bis 1,20. Als ersten Faktor, der einer weiteren Stärkung des Dollars entgegenwirke, nannte die Bank ein robustes globales Wachstum, das durch Investitionen in künstliche Intelligenz und strategische Autonomie getrieben werde.
Am 09.07.2026 berichtete aktien.news über eine Analyse der Deutschen Bank, wonach der US-Dollar zunehmend riskanter werde. Geopolitische Verwerfungen und der Boom bei Technologieaktien veränderten die Struktur der amerikanischen Defizitfinanzierung grundlegend. Die Devisenstrategen sprachen von einer „wichtigen langfristigen Rotation" bei der Art und Weise, wie die USA ihr Haushaltsdefizit finanzieren. Der Dollar werde dadurch „riskanter und stärker an die Entwicklung von KI gekoppelt".
Am 21.09.2026 berichtete aktien.news, dass die Deutsche Bank einen anhaltenden Rückgang des US-Dollar gegenüber dem chinesischen Yuan erwartet und dem japanischen Yen eine fortgesetzte Outperformance zutraut. Trotz erheblicher Schwankungen bei Rohstoffen und Zinssätzen seien die Devisenmärkte nach Einschätzung der Bank vergleichsweise ruhig geblieben.
Ergänzend sei erwähnt: Am 03.10.2026 meldete aktien.news, dass die Bank of America für den Euro bis zum Jahresende 1,15 erwartet und für das Ende des Jahres 2027 einen Stand von 1,20. Die US-Großbank verwies dabei auf solide US-Makrodaten mit einer Arbeitslosenquote von rund 4 Prozent und einem Wachstum von etwa 2 Prozent.
Für deutsche Anleger rückt das Währungsrisiko im Dollar-Engagement in den Fokus
Für deutsche Privatanleger ist die Einschätzung vor allem für ungesicherte Dollar-Investments relevant. Wer etwa in US-Aktien oder Dollar-Anleihen investiert ist, ohne die Währung abzusichern, spürt jede Bewegung des EUR/USD direkt in der Rendite. Sinkt der Dollar, schmälert das in Euro gerechnet den Ertrag; steigt er, wirkt der Währungseffekt wie ein zusätzlicher Gewinn.
Die Deutsche Bank stuft die politischen Entwicklungen als unterstützend für eine weitere Stabilisierung des EUR/USD-Kurses ein. Ein niedrigeres Risiko für Energiepreise und globale Politik sowie geringere Risikoaufschläge sollten den Dollar insgesamt schwächen. Umgekehrt betrachtet die Bank ein Scheitern an der Verabschiedung einer Schuldenobergrenzen-Erhöhung in diesem Jahr als weiteren negativen Faktor für den Dollar. Beide Szenarien deuten in dieselbe Richtung – mit unterschiedlicher Intensität.
Ein Scheitern der Schuldenobergrenzen-Erhöhung würde den Dollar zusätzlich belasten
Der entscheidende Termin bleibt das zweite Quartal des kommenden Jahres, in dem die Schuldenobergrenze nach Einschätzung der Bank bindend wird. Ob die Republikaner die Erhöhung wie geplant in den kommenden Wochen über das Versöhnungsverfahren verabschieden, dürfte daher zum zentralen Gradmesser für die weitere Dollar-Entwicklung werden. Die Deutsche Bank hat beide Szenarien benannt: Eine Einigung entfernt eine Unsicherheitsquelle, ein Scheitern in diesem Jahr wirkt zusätzlich belastend auf den Greenback.
Offen bleibt nach Einschätzung der Analysten die Frage, wie sich der Ausbau der KI-Infrastruktur entwickelt. Diese Unklarheit besteht unabhängig vom Ausgang der Schuldenobergrenzen-Debatte fort und dürfte die Märkte weiter begleiten.
Diese vier Fachbegriffe sollten Anleger kennen
- Schuldenobergrenze: Eine gesetzlich festgelegte Obergrenze für die Gesamtverschuldung des US-Bundesstaates, die der Kongress anheben muss, damit der Staat weiter Kredite aufnehmen kann.
- Versöhnungsverfahren: Ein besonderes Verfahren im US-Kongress, mit dem Fiskalvorhaben mit einfacher Mehrheit im Senat verabschiedet werden können.
- Risikoaufschlag: Ein Zuschlag auf Zinssatz oder Kurs, den Anleger für die Übernahme zusätzlicher Risiken verlangen.
- EUR/USD: Das Währungspaar, das angibt, wie viele US-Dollar ein Euro kostet.
