OpenAI weitet ChatGPT-Werbegeschäft auf 26 zusätzliche Länder aus
OpenAI erschließt 26 neue Märkte für Werbung in ChatGPT und erhöht die Gesamtzahl auf 89 Länder.

OpenAI treibt den Ausbau seines Werbegeschäfts auf der KI-Plattform ChatGPT weiter voran. Wie das Unternehmen am Mittwoch bekannt gab, wird die Werbeschaltung auf 26 zusätzliche Länder ausgeweitet, womit die Gesamtzahl der Märkte auf 89 steigt. Der Schritt erfolgt vor dem Hintergrund der Bemühungen des Unternehmens, die Einnahmen im Vorfeld eines möglichen Börsengangs signifikant zu steigern.
Bereits im August hatte OpenAI gemeldet, dass das Werbegeschäft eine annualisierte Umsatzrate von einer Milliarde US-Dollar erreicht habe. Seit dem Start der Testphase in den USA Anfang des Jahres haben laut Unternehmensangaben bereits mehr als 100.000 Werbetreibende Kampagnen auf der Plattform geschaltet. Damit hat das junge Geschäftsfeld in kurzer Zeit eine Größenordnung erreicht, die für die Finanzierung der kostenlosen Nutzerstufe relevant ist.
Für Werbetreibende in den neuen Märkten stehen zwei Zugangswege zur Verfügung: die Buchung über Technologiepartner oder die Nutzung des Self-Service-Portals „Ads Manager“ auf der OpenAI-Plattform. Anzeigen werden dabei ausschließlich in den „Free“- und „Go“-Tarifen von ChatGPT ausgespielt. Nutzer der kostenpflichtigen Abonnements „Plus“, „Pro“ und „Enterprise“ bleiben von Werbung verschont.
Die Details der Expansion
Der regionale Schwerpunkt der aktuellen Ausweitung liegt in Lateinamerika. Das Unternehmen nennt 14 weitere lateinamerikanische Staaten, darunter Argentinien, Chile, Kolumbien und Peru. Zuvor waren in der Region bereits Mexiko und Brasilien mit Werbemöglichkeiten ausgestattet worden. Damit wächst die Zahl der lateinamerikanischen Märkte im OpenAI-Werbenetzwerk deutlich und deckt nun einen großen Teil der bevölkerungsreichen Staaten des Kontinents ab.
Über Lateinamerika hinaus wird das Angebot auf Märkte in Europa, dem Nahen Osten, Afrika und Asien ausgeweitet. Als Beispiele nennt OpenAI Nigeria, Südafrika, Serbien, die Ukraine, Kambodscha, Bangladesch und Pakistan. Die Auswahl zeigt, dass das Unternehmen nicht nur auf klassische Werbemärkte mit hoher Kaufkraft setzt, sondern auch Regionen erschließt, in denen ChatGPT stark genutzt wird, das Werbeangebot bislang aber nicht verfügbar war.
Mit der geografischen Reichweite wächst auch die Zahl der möglichen Werbeplätze. Entscheidend bleibt jedoch die strukturelle Einschränkung: Werbung erreicht nur die Nutzer der kostenlosen beziehungsweise günstigen Tarife. Die bezahlenden Abonnenten bleiben werbefrei — ein Modell, das OpenAI bereits seit dem Start des Werbegeschäfts verfolgt und das die Attraktivität der kostenpflichtigen Tarife sichern soll.
Ergänzend zur geografischen Expansion hatte OpenAI bereits im September neue KI-gestützte Werkzeuge für Werbetreibende eingeführt. Zudem testet das Unternehmen derzeit den Einsatz von geschäftlich gesponserten KI-Agenten bei ausgewählten US-Werbepartnern, um die Effektivität der Werbeplattform weiter zu erhöhen. Beide Maßnahmen zielen darauf ab, Werbetreibenden mehr Möglichkeiten zur Ansprache und zur Messung ihrer Kampagnen zu geben.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 21.01.2026 berichtete aktien.news, dass OpenAI die Einführung von Werbeanzeigen auf ChatGPT vorbereitete. Laut einem Bericht von The Information könnte das Werbeformat bereits im Februar 2025 starten. Das Unternehmen habe damit begonnen, einer ausgewählten Gruppe von Werbetreibenden erste Testanzeigen im Chatbot anzubieten. Die Anzeigen sollten nach Impressionen und nicht nach Klicks abgerechnet werden. OpenAI plante zunächst, die Werbeausgaben zu begrenzen und den Zugang schrittweise zu erweitern.
Ebenfalls am 21.01.2026 meldete aktien.news, dass OpenAI für die mehrwöchige Pilotphase von den teilnehmenden Unternehmen Ausgabenverpflichtungen von jeweils unter einer Million US-Dollar verlangte. Die Abrechnung erfolgte demnach nach einem neuen Modell: Statt wie üblich pro Klick zu bezahlen, wurden die Werbetreibenden auf Basis der Anzeigenansichten zur Kasse gebeten. Nach Informationen von The Information hatte das Unternehmen zu diesem Zeitpunkt bereits Dutzende Werbetreibende für die Testphase gewonnen.
Am 16.09.2026 berichtete aktien.news, dass Sam Altman, Chief Executive von OpenAI, die Kombination aus Werbung und künstlicher Intelligenz einst als „einzigartig beunruhigend“ bezeichnet hatte. Nun baue sein Unternehmen mit atemberaubender Geschwindigkeit ein weitreichendes Werbegeschäft auf. Der Vorreiter im Bereich der generativen KI versucht damit, einen stabilen Umsatzstrom zu etablieren, der die kostenlose ChatGPT-Stufe finanziert und dazu beiträgt, die in die Höhe schießenden Rechenkosten vor dem geplanten Börsengang auszugleichen. Als Meilenstein teilte das Unternehmen seinerzeit mit, dass es auf Kurs sei, jährlich wiederkehrende Werbeeinnahmen in Höhe von einer Milliarde US-Dollar zu erreichen — jene Marke, die im August offiziell bestätigt wurde.
Was das für Anleger bedeutet
OpenAI ist derzeit nicht börsennotiert, ein möglicher Börsengang wird in der Unternehmenskommunikation aber ausdrücklich als Bezugspunkt genannt. Das Werbegeschäft ist damit ein zentraler Baustein der Umsatzstory, die das Unternehmen vor einem IPO präsentieren will. Die aktuelle Ausweitung auf 89 Märkte und mehr als 100.000 Werbetreibende liefert dafür konkrete Wachstumszahlen.
Für deutsche Privatanleger ist relevant, dass Werbeeinnahmen bei KI-Plattformen ein vergleichsweise junges Geschäftsmodell sind. Die Mechanik — Abrechnung nach Anzeigenansichten, Zugang über Partner oder Self-Service-Portal, Werbefreiheit für zahlende Abonnenten — bestimmt, wie skalierbar dieses Modell ist und wie stark es von der Zahl kostenloser Nutzer abhängt. Wer in Unternehmen investiert, die selbst KI-Werbeplätze anbieten oder Werbebudgets in solche Kanäle verschieben, sollte diese Entwicklung daher einordnen. Eine Kauf- oder Verkaufsempfehlung lässt sich daraus nicht ableiten.
Ausblick
Für die kommenden Monate nennt das Unternehmen drei konkrete Ansatzpunkte: die weitere Verbreitung der Werbeschaltung über die nun 89 Märkte hinweg, die im September eingeführten KI-gestützten Werkzeuge für Werbetreibende sowie den laufenden Test geschäftlich gesponserter KI-Agenten bei ausgewählten US-Werbepartnern. Ergebnisse dieses Tests und Angaben dazu, ob weitere Länder oder zusätzliche Tarifmodelle folgen, stehen noch aus.
Kurz erklärt
- Annualisierte Umsatzrate: Kennzahl, die den aktuellen Umsatz eines Zeitraums auf ein ganzes Jahr hochrechnet, um das Wachstumstempo eines jungen Geschäftsfelds zu zeigen.
- Ads Manager: Self-Service-Portal, über das Werbetreibende Anzeigen eigenständig buchen und verwalten können.
- Impression: einzelne Anzeigenansicht, auf deren Basis bei OpenAI die Abrechnung erfolgt statt auf Basis von Klicks.
- KI-Agent: softwaregesteuerter Assistent, der Aufgaben eigenständig ausführt und hier als gesponserter Werbekanal getestet wird.
