OpenAI senkt Umsatzsignal: Annualisierter Umsatz nähert sich 50 Milliarden Dollar
OpenAI teilt Investoren mit, dass der annualisierte Umsatz im September knapp 50 Milliarden Dollar betrug – deutlich weniger als zuvor signalisiert.

OpenAI hat Investoren mitgeteilt, dass sein annualisierter Umsatz im September bei knapp 50 Milliarden US-Dollar lag. Das entspricht einem Rückgang gegenüber den früheren Signalen des Unternehmens. Eine mit den Umständen vertraute Person bestätigte diese Zahl am Donnerstag gegenüber Reuters. Zuvor hatten Reuters und andere Medien berichtet, dass OpenAI Investoren auf einer separaten Veranstaltung angedeutet hatte, die Umsatzlaufgeschwindigkeit für den Vormonat nähere sich 70 Milliarden US-Dollar.
Die Diskrepanz zwischen den beiden Werten sei hauptsächlich auf den Versuch zurückzuführen, einen direkten Vergleich mit den Zahlen des Wettbewerbers Anthropic herzustellen. Das sagte die Person unter der Bedingung der Anonymität. OpenAI selbst reagierte nicht auf eine Anfrage zur Stellungnahme. Der neueste Umsatzwert wurde zuerst von der Financial Times berichtet. Die Nachricht fällt in eine Phase, in der sich sowohl OpenAI als auch Anthropic auf einen Börsengang vorbereiten.
Die Details
Der Unterschied zwischen den beiden kommunizierten Zahlen hat einen konkreten Grund in der Rechnungslegung. Im Gegensatz zu Anthropic berücksichtigt OpenAI keine Einnahmen aus Verkäufen über Cloud-Partner wie Amazons AWS oder die Cloud-Division von Alphabet, Google Cloud. Anthropic hingegen zahlt seinen Cloud-Partnern etwa 16 Prozent jedes durch sie erwirtschafteten Dollars. Laut einer Analyse von Reuters im vergangenen Jahr machte dieser Anteil die Hälfte des Umsatzes aus. Wer die beiden Unternehmen vergleichen will, muss diese strukturelle Differenz also berücksichtigen.
Die absoluten Zahlen zeigen, wie rasant beide Unternehmen wachsen. OpenAI startete dieses Jahr mit einem annualisierten Umsatz von 20 Milliarden US-Dollar – verglichen mit 6 Milliarden US-Dollar im Jahr 2024. Im zweiten Quartal wurde der quartalsweise Umsatz von OpenAI zum ersten Mal von Anthropic übertroffen. OpenAI meldete 6,7 Milliarden US-Dollar, Anthropic 11,5 Milliarden US-Dollar. Der annualisierte Umsatz von Anthropic überschritt im Juli 65 Milliarden US-Dollar und soll bis Ende des Jahres 100 Milliarden US-Dollar erreichen, wie Quellen zuvor Reuters mitteilten.
Analysten betrachten die annualisierte Umsatzlaufgeschwindigkeit als eine manchmal irreführende Vertriebskennzahl. Sie besteht oft darin, den Umsatz eines einzelnen Monats mit zwölf zu multiplizieren. Dennoch hat sie sich bei schnell wachsenden Startups im Silicon Valley als beliebte Kennzahl etabliert. Der Bericht stammt von den Reuters-Journalisten Jaspreet Singh und Krystal Hu aus London, datiert auf den 8. Oktober.
Hintergrund: Was bisher geschah
Die aktuelle Meldung ist Teil einer längeren Entwicklung, die aktien.news bereits mehrfach begleitet hat. Bereits am 15.08.2026 berichtete aktien.news, dass OpenAI auf Basis der aktuellen Performance eine annualisierte Umsatz-Run-Rate von mehr als 40 Milliarden US-Dollar erzielt. Bloomberg berichtete damals unter Berufung auf anonyme, mit der Angelegenheit vertraute Personen. Damit würde das Unternehmen seinen annualisierten Umsatz gegenüber Ende 2025 in etwa verdoppeln. Die starke Umsatzentwicklung untermauerte damals die Pläne von OpenAI für ein Börsendebüt an der Wall Street.
Am 19.09.2026 berichtete aktien.news über die Skepsis der Investoren vor dem Anthropic-Börsengang. Demnach stiegen die annualisierten Umsätze von Anthropic im Juli auf 65 Milliarden US-Dollar. Unterstützer des Unternehmens prognostizierten damals, dass sie bis Jahresende 120 Milliarden US-Dollar übersteigen würden, was Anthropic zum am schnellsten wachsenden Unternehmen aller Zeiten machen würde. Derzeit werde das Unternehmen auf 965 Milliarden US-Dollar bewertet. Konkurrenz durch OpenAI, preissensible Kunden und grundsätzliche Fragen zur Zukunft der Künstlichen Intelligenz überschatteten den geplanten IPO.
Noch weiter zurück liegt der Bericht vom 14.04.2026. Damals stand die Bewertung von OpenAI in Höhe von 852 Milliarden US-Dollar unter Beschuss der eigenen Investoren. Wie die Financial Times am Dienstag berichtete, äußerten Geldgeber des KI-Unternehmens ernsthafte Zweifel an der Rekordbewertung, während OpenAI seinen strategischen Fokus verschob. Konkret verlagerte OpenAI seinen Schwerpunkt auf den Markt für Unternehmenskunden und trat damit in direkten Wettbewerb mit dem Rivalen Anthropic. Dieser Strategiewechsel sorgte bei einigen Investoren für Unbehagen.
Am 09.06.2026 meldete aktien.news, dass OpenAI vertraulich einen Antrag für einen US-Börsengang eingereicht hat und damit dem Konkurrenten Anthropic folgte, der diesen Schritt nur wenige Tage zuvor bekannt gegeben hatte. Das Unternehmen machte keine Angaben zum Umfang oder zu den Bedingungen des Angebots und erklärte, dass noch kein Zeitplan festgelegt wurde. Laut Reuters strebte OpenAI bei einem möglichen Börsendebüt, das bereits im September erfolgen könnte, eine Bewertung von bis zu einer Billion US-Dollar an. In einer Mitteilung hieß es damals: „Es könnte noch eine Weile dauern, da es Dinge gibt, die wir tun wollen, die als privates Unternehmen wahrscheinlich einfacher sind."
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger ist die Meldung vor allem deshalb relevant, weil sie die Vergleichbarkeit von Kennzahlen infrage stellt. Die annualisierte Umsatzlaufgeschwindigkeit ist keine geprüfte Größe aus einem Jahresabschluss, sondern eine Hochrechnung. Wenn ein Unternehmen wie OpenAI seine Zahl von einer angedeuteten Nähe zu 70 Milliarden US-Dollar auf knapp 50 Milliarden US-Dollar korrigiert, zeigt das, wie stark solche Angaben von der gewählten Abgrenzung abhängen. Wer Cloud-Umsätze einrechnet oder nicht, verändert das Bild erheblich.
Hinzu kommt die strukturelle Besonderheit des Anthropic-Modells: Das Unternehmen zahlt seinen Cloud-Partnern etwa 16 Prozent jedes durch sie erwirtschafteten Dollars. Ein Teil des gemeldeten Umsatzes fließt also wieder ab. Ein direkter Vergleich der Bruttokennzahlen beider Unternehmen ist daher nur eingeschränkt aussagekräftig. Anleger sollten bei künftigen IPO-Dokumenten genau prüfen, welche Umsatzdefinition verwendet wird und ob Erträge aus Partnerkanälen enthalten sind.
Beide Unternehmen bereiten sich auf einen Börsengang vor. Dieser Prozess dürfte der Wall Street einen klareren Einblick in die Finanzen verschaffen – einschließlich der Frage, wie nachhaltig das schnelle Umsatzwachstum ist, das durch den Boom bei der Nachfrage nach KI-Anwendungen entstanden ist. Bis dahin bleiben Investoren auf Angaben aus zweiter Hand angewiesen. Eine Kauf- oder Verkaufsempfehlung lässt sich daraus nicht ableiten.
Ausblick
Konkrete Termine nennt die aktuelle Meldung nicht. Klar ist, dass sowohl OpenAI als auch Anthropic auf einen Börsengang zusteuern und dass dieser Schritt mehr Transparenz bringen soll. Für Anthropic gilt laut den zuvor von Reuters zitierten Quellen die Erwartung, bis Ende des Jahres einen annualisierten Umsatz von 100 Milliarden US-Dollar zu erreichen. Die im September von aktien.news zitierten Unterstützer des Unternehmens gingen sogar von mehr als 120 Milliarden US-Dollar aus. Bei OpenAI bleibt abzuwarten, wie sich die Umsatzlaufgeschwindigkeit in den kommenden Monaten entwickelt und welche Abgrenzung das Unternehmen dann kommuniziert.
Kurz erklärt
- Annualisierte Umsatzlaufgeschwindigkeit: Eine Kennzahl, bei der der Umsatz eines Monats hochgerechnet wird, um das Jahrestempo eines Unternehmens abzubilden.
- Börsengang (IPO): Der erstmalige Verkauf von Aktien eines Unternehmens an der Börse, verbunden mit umfangreichen Offenlegungspflichten.
- Cloud-Partner: Externe Anbieter von Rechenkapazität, über deren Plattformen ein KI-Unternehmen seine Produkte verkauft und dafür einen Anteil abgibt.
