OPEC+ plant Juni-Fördererhöhung trotz überraschendem VAE-Austritt
Sieben OPEC+-Mitglieder wollen die Ölproduktion im Juni um rund 188.000 Barrel pro Tag anheben – trotz des VAE-Austritts.

Sieben OPEC+-Mitglieder halten trotz des überraschenden Austritts der Vereinigten Arabischen Emirate an ihrer geplanten Fördererhöhung für Juni fest. Wie Reuters am Samstag unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Quellen berichtete, tendiert die Koalition dazu, die Ölförderziele um rund 188.000 Barrel pro Tag (bpd) anzuheben. Die Länder kommen am Sonntag zu einem Online-Treffen zusammen, um die Entscheidung zu formalisieren.
Die geplante Steigerung entspricht weitgehend der Erhöhung des Vormonats von 206.000 bpd – bereinigt um den Anteil der VAE nach deren unerwarteter Ankündigung, die Gruppe mit Wirkung zum 1. Mai zu verlassen. Die Entscheidung signalisiert, dass die verbleibenden Mitglieder an ihrem bisherigen Kurs festhalten und ihre Angebotspolitik weiterhin koordinieren wollen.
VAE verlassen OPEC nach fast sechs Jahrzehnten
Die Vereinigten Arabischen Emirate hatten am Dienstag bekannt gegeben, dass sie die OPEC nach fast sechs Jahrzehnten Mitgliedschaft verlassen werden. Damit befreit sich Abu Dhabi von den Förderzielen, mit denen die Gruppe das globale Angebot und die Nachfrage steuert. Der Schritt kam für die Märkte überraschend, wie Reuters bereits in der Vorwoche berichtete.
Die VAE gelten als viertgrößter Produzent innerhalb der OPEC. Abu Dhabi förderte vor den Produktionskürzungen im Zusammenhang mit dem US-israelischen Krieg gegen den Iran rund 3,4 Millionen Barrel pro Tag – das entspricht etwa 3 Prozent des weltweiten Rohölangebots. Damit ist das Land der größte Produzent, der die Organisation jemals verlassen hat.
Einfluss der OPEC+ auf Ölmärkte geschwächt
Delegierte erklärten vergangene Woche, dass der Austritt den Einfluss der Produzentengruppe auf die globalen Ölmärkte schwächen werde. Dennoch wird erwartet, dass die verbleibenden Mitglieder zusammenbleiben und ihre Koordination beim Ölangebot fortsetzen. Die OPEC+ nutzt Förderziele als zentrales Instrument, um Angebot und Nachfrage auf dem Weltmarkt zu steuern und damit den Ölpreis zu beeinflussen.
Für deutsche Anleger und Verbraucher ist die Entwicklung innerhalb der OPEC+ von besonderer Bedeutung, da die Förderentscheidungen der Gruppe direkten Einfluss auf den globalen Rohölpreis und damit auf Energiekosten und Inflation haben. Ein geschwächter OPEC+-Verbund könnte mittelfristig zu einer weniger stabilen Preissteuerung am Ölmarkt führen – mit entsprechenden Auswirkungen auf Energieaktien und Kraftstoffpreise.
