Japans Taiyo Oil kauft Rohöl aus russischem Sachalin-2-Projekt
Angesichts unterbrochener Golflieferungen durch den Iran-Krieg sichert Japan alternative Ölquellen – auch aus Russland.

Die japanische Raffinerie Taiyo Oil wird in der kommenden Woche eine Ladung Rohöl aus dem russischen Projekt Sachalin-2 erhalten. Das Unternehmen bestätigte am Samstag per E-Mail, dass die Lieferung am 4. Mai in der Präfektur Ehime im Westen Japans eintreffen soll. Hintergrund ist die angespannte Versorgungslage, die durch den US-israelischen Krieg mit dem Iran entstanden ist.
Der Konflikt hat die Ölimporte aus der Golfregion – Japans wichtigster Ölquelle vor Ausbruch des Nahostkonflikts Ende Februar – weitgehend unterbrochen. Japan sucht daher aktiv nach alternativen Bezugsquellen. Neben Sachalin-2 hat das Land unter anderem auch Lieferungen aus den USA sowie aus Regionen gesichert, die die weitgehend geschlossene Straße von Hormus umgehen.
Hintergrund: Japans Abkehr von russischem Öl
Japan hatte die Ölkäufe aus Russland nach dem Einmarsch Moskaus in die Ukraine im Jahr 2022 weitgehend eingestellt. Bereits im vergangenen Jahr kaufte Taiyo Oil jedoch auf Ersuchen der japanischen Regierung erstmals seit mehr als zwei Jahren wieder Rohöl der Sorte Sakhalin Blend aus Russland. Die aktuelle Lieferung setzt diese Linie fort.
Für den Kauf ist eine US-Ausnahmeregelung relevant, die Ölverkäufe aus dem Projekt Sachalin-2 noch bis zum 18. Juni erlaubt. Das Projekt produziert hauptsächlich Flüssigerdgas (LNG), fördert aber auch Rohöl. Taiyo Oil lehnte eine Stellungnahme zu möglichen künftigen Käufen aus dem Sachalin-2-Projekt ab.
Die japanische Tageszeitung Mainichi berichtete zuerst über den Vorgang und berief sich dabei auf das japanische Ministerium für Wirtschaft, Handel und Industrie. Das Ministerium selbst war außerhalb der Geschäftszeiten nicht für eine Stellungnahme erreichbar.
Gazprom, Mitsui und Mitsubishi als Projektbeteiligte
Das Öl- und Gasprojekt Sachalin-2 liegt im russischen Fernen Osten und wird vom russischen Staatskonzern Gazprom als Mehrheitsaktionär kontrolliert. Daneben sind die japanischen Handelshäuser Mitsui und Mitsubishi als Minderheitsaktionäre beteiligt. Für Japan hat das Projekt damit nicht nur energiepolitische, sondern auch wirtschaftliche Bedeutung.
Die Entwicklung verdeutlicht das Dilemma, in dem sich Japan befindet: Als rohstoffarmes Land ist es in hohem Maße auf Energieimporte angewiesen. Der Nahostkonflikt zwingt Tokio dazu, pragmatische Entscheidungen zu treffen – auch wenn diese politisch heikel sind. Die Frage, ob und in welchem Umfang Japan künftig wieder russisches Öl bezieht, dürfte die Energiepolitik des Landes in den kommenden Wochen weiter beschäftigen.
