OPEC+ hält Produktion stabil trotz steigender Ölexporte aus Nahost
Die OPEC+ belässt ihre Fördermengen im November unverändert, während der Nahe Osten wieder mehr Rohöl exportiert und die Sicherheitslage riskant bleibt.

Die OPEC+ hat entschieden, ihre Ölfördermengen auch für November unverändert beizubehalten. Diese Entscheidung folgt auf eine Phase, in der die Gruppe ihre Produktion sechs Monate in Folge leicht erhöht hatte, um die im Jahr 2023 vereinbarten freiwilligen Kürzungen von 1,65 Millionen Barrel pro Tag schrittweise zurückzuführen. Trotz des Verzichts auf eine weitere Anhebung bleibt die Marktlage aufgrund der anhaltenden Spannungen im Nahen Osten angespannt.
Für deutsche Anleger und Verbraucher ist das relevant, weil der Ölpreis direkt auf die Kraftstoffpreise und die Inflation in Deutschland durchschlägt. Die Entscheidung der OPEC+ fiel zu einem Zeitpunkt, an dem sich die geopolitische Lage in der Golfregion weiter zuspitzt. Zugleich gibt es widersprüchliche Signale: Zwar steigen die Exportmengen, doch die physischen Märkte signalisieren nach Einschätzung von Analysten weiterhin eine erhebliche Knappheit.
Exportmengen steigen, Knappheit bleibt
Interessanterweise zeigen Schiffsdaten des Analyseunternehmens Kpler, dass die Rohölexporte aus dem Nahen Osten Ende September teilweise wieder über das Vorkriegsniveau von 18 Millionen Barrel pro Tag (bpd) gestiegen sind. An vier Tagen der letzten Septemberwoche wurden Werte zwischen 19,5 und 22,5 Millionen bpd verzeichnet. Auch der Export von Flüssigerdgas (LNG) über die Straße von Hormus erreichte im September den höchsten Stand seit Februar.
Analysten weisen jedoch darauf hin, dass diese Erholung der Exportmengen nicht darüber hinwegtäuschen darf, dass die physischen Märkte weiterhin eine erhebliche Knappheit signalisieren. Hinzu kommt, dass viele OPEC+-Mitglieder weiterhin unterhalb ihrer offiziellen Zielvorgaben produzieren. Diese Diskrepanz zwischen gemeldeten Quoten und tatsächlicher Förderung ist ein bekanntes strukturelles Problem des Kartells.
Sicherheitsrisiken im Persischen Golf
Die geopolitische Lage bleibt hochriskant. Trotz der gestiegenen Exportmengen berichten Schifffahrtsbeobachter wie Marisks von einer Zunahme der Angriffe auf Tanker in und um die Straße von Hormus. Ein Vorfall am 1. Oktober, bei dem der Tanker „Kazimah III“ von einem unbekannten Projektil getroffen wurde, unterstreicht die Gefahr.
Experten warnen vor einer „unvorhersehbaren kinetischen Bedrohung“, da iranische Streitkräfte möglicherweise Raketen in vordefinierte „Kill-Boxen“ abfeuern, in denen Handelsschiffe durch ihre Radarsignaturen zur Zielscheibe werden könnten. Zudem meldeten die Huthi-Rebellen Angriffe auf Einrichtungen von Saudi Aramco, während die United Kingdom Maritime Trade Operations seit Anfang Oktober täglich Vorfälle in der Region registrieren.
G7-Notreserven und Preisdruck
Als Reaktion auf die Versorgungsunsicherheiten durch den Konflikt mit dem Iran haben die G7-Staaten beschlossen, 100 Millionen Barrel aus ihren Notreserven freizugeben, was den Ölpreis unter Druck setzte. Brent- und WTI-Futures verzeichneten zuletzt leichte Rückgänge. Diese Freigabe aus strategischen Reserven ist ein klassisches Mittel, um kurzfristige Angebotsschocks abzufedern und Spekulation einzudämmen.
Saudi Aramco reagierte auf den verschärften Wettbewerb und die hohen Frachtkosten mit einer deutlichen Senkung der offiziellen Verkaufspreise für „Arab Light“ nach Asien – der größte Abschlag seit Juni 2020. Für den weltgrößten Ölkonzern ist dies ein Signal, dass der Kampf um Marktanteile in Asien wieder an Härte gewinnt, ähnlich wie in früheren Preiskämpfen.
Die OPEC+ plant, die Marktentwicklung bei ihrem nächsten Treffen am 1. November erneut zu bewerten. Bis dahin dürften sowohl die Exportzahlen aus der Golfregion als auch die Sicherheitslage an der Straße von Hormus die entscheidenden Faktoren für die Ölpreisentwicklung bleiben. Für Anleger bedeutet das eine anhaltend hohe Volatilität an den Rohstoffmärkten.
