Ölpreise unter Druck: Brent fällt nach US-Zwischenwahlen unter 100 Dollar
Nach den US-Zwischenwahlen sinkt Brent um 8,91 Prozent auf 94,42 US-Dollar – erstmals seit dem 7. Oktober unter 100 Dollar.

Nach den US-Zwischenwahlen am 3. November 2026 sind die Ölpreise deutlich unter Druck geraten. Am Mittwoch, dem 5. November, sank der Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent zur Lieferung im Januar um 8,91 Prozent auf 94,42 US-Dollar. Damit fiel Brent erstmals seit dem 7. Oktober unter die Marke von 100 Dollar.
Der Rückgang ist dramatisch: Noch am vorangegangenen Freitag notierte Brent bei 118 Dollar. Das entspricht einem Einbruch von rund 16 Prozent innerhalb weniger Tage. Der Preisverfall markiert eine scharfe Kehrtwende in einer Phase extremer Volatilität, die durch den Konflikt zwischen den USA, Israel und dem Iran geprägt war.
Noch Ende Oktober hatten Sorgen vor einer Eskalation und Angebotsausfällen die Preise auf den höchsten Stand seit April getrieben. Auslöser waren unter anderem Drohnenangriffe auf das saudische Ölfeld Schaiba sowie auf den Flughafen Dammam, die Evakuierung von US-Diplomatenpersonal und Drohungen von Präsident Donald Trump hinsichtlich einer Verschärfung der militärischen Angriffe auf den Iran nach den Wahlen.
Das Wahlergebnis verändert den Handlungsspielraum der US-Regierung
Die aktuelle Marktentwicklung wird maßgeblich durch das Wahlergebnis in den USA beeinflusst. Da die Demokraten sowohl im Senat als auch im Repräsentantenhaus die Mehrheit errangen, erwarten Marktbeobachter einen engeren Handlungsspielraum für die Regierung Trump. Claudio Galimberti, Chefökonom bei Rystad Energy, betonte, dass die Regierung nun unter größerem Druck stehe, eine Einigung in der Hormus-Frage zu erzielen.
Galimberti verwies darauf, dass der Kongress nun in der Lage sei, Kriegsmittel zurückzuhalten oder Bestätigungsverfahren zu verzögern. US-Vizepräsident JD Vance machte den Iran-Krieg für die Wahlniederlage verantwortlich und verwies auf Forderungen, den Konflikt zu beenden. Auch der demokratische Minderheitenführer Chuck Schumer kündigte ein Ende des Krieges an.
Hoffnung auf eine diplomatische Lösung treibt die Notierungen nach unten
Am Markt keimte zudem Hoffnung auf eine diplomatische Lösung auf. Medien berichteten über Fortschritte bei Friedensbemühungen und eine mögliche Interimsvereinbarung zwischen den USA und dem Iran. Bereits Anfang der Woche hatten Gespräche zwischen dem Iran und katarischen Vermittlern für einen Preisrückgang gesorgt.
Dennoch mahnen Experten zur Vorsicht. Emily Ashford von Standard Chartered betonte, dass die Wahlniederlage der Republikaner keine Garantie für eine dauerhafte Entspannung sei. Analysten der ING wiesen darauf hin, dass die entscheidende Frage bleibe, ob der Markt weiterhin einen geopolitischen Risikoaufschlag einpreise oder ob dieser allmählich abgebaut werde.
Die Liefermengen aus dem Persischen Golf erholen sich nur teilweise
Für die weitere Preisentwicklung bleibt die geopolitische Lage in der Straße von Hormus ein kritischer Faktor. US-Energieminister Chris Wright erklärte, dass die Liefermengen aus dem Persischen Golf zuletzt wieder auf etwa 80 Prozent des Vorkriegsniveaus gestiegen waren. Vollständig normalisiert hat sich die Lage damit noch nicht.
Die Ölpreisentwicklung hatte zuvor weltweit Sorgen vor einer hartnäckigen Inflation geschürt. Diese hätte Zentralbanken wie die Fed und die EZB zu weiteren Zinserhöhungen zwingen können. Der jüngste Preisrückgang dürfte diese Sorgen zumindest vorerst mildern.
Bereits im Sommer sorgten Angriffspausen für fallende Ölpreise
Bereits am 27.07.2026 berichtete aktien.news, dass der Ölpreis einen massiven Einbruch erlitten hatte. Die weltweite Referenzsorte Brent sank zeitweise um mehr als 9 Prozent auf unter 88 Dollar pro Barrel. Auslöser war die Hoffnung auf eine diplomatische Lösung im Konflikt zwischen den USA und dem Iran, nachdem der US-Botschafter bei den Vereinten Nationen erklärt hatte, die Angriffe auf den Iran würden die zweite Nacht in Folge eingestellt.
Am 29.07.2026 meldete aktien.news einen weiteren Absturz der Ölpreise auf den niedrigsten Stand seit dem 17. Juli. Brent-Rohöl-Futures verloren 8,42 US-Dollar oder 8,7 Prozent und schlossen bei 88,36 Dollar pro Barrel. Die US-Rohölsorte West Texas Intermediate (WTI) sank um 6,70 Dollar oder 7,5 Prozent auf 82,61 Dollar pro Barrel.
Ebenfalls am 27.07.2026 berichtete aktien.news, dass Brent um 5,58 Prozent auf 91,38 Dollar gefallen war und WTI sich um 5,46 Prozent auf 84,43 Dollar verbilligte. Hintergrund war das vorläufige Ende der US-Angriffsserie auf den Iran nach 13 aufeinanderfolgenden Nächten. Bereits am 16.06.2026 hatte aktien.news gemeldet, dass Brent um 0,5 Prozent auf 82,75 US-Dollar und WTI um 0,3 Prozent auf 80,54 US-Dollar gefallen waren, nachdem Trump ein Interimsabkommen mit dem Iran angekündigt hatte.
Die Ölpreisentwicklung ist für deutsche Privatanleger an mehreren Stellen relevant
Für deutsche Privatanleger ist die Entwicklung an mehreren Stellen von Bedeutung. Sinkende Ölpreise können den Inflationsdruck verringern, was wiederum den Spielraum der EZB bei der Zinspolitik beeinflusst. Der Quelltext nennt ausdrücklich die Fed und die EZB als Zentralbanken, die bei hartnäckiger Inflation zu weiteren Zinserhöhungen gezwungen sein könnten.
Zugleich bleibt die Lage fragil. Die Experten von Standard Chartered und ING weisen darauf hin, dass die Entspannung nicht garantiert ist und der geopolitische Risikoaufschlag weiterhin ein zentraler Faktor bleibt. Anleger sollten daher die weitere Entwicklung in der Straße von Hormus und die politischen Signale aus Washington aufmerksam verfolgen.
Die weitere Preisentwicklung hängt an Hormus und der US-Politik
Der Ausblick bleibt von zwei Faktoren bestimmt. Zum einen von der Frage, ob sich die Hoffnung auf eine Interimsvereinbarung zwischen den USA und dem Iran bestätigt. Zum anderen von der Frage, ob der Markt den geopolitischen Risikoaufschlag weiter abbaut oder beibehält.
US-Energieminister Chris Wright verwies darauf, dass die Liefermengen aus dem Persischen Golf zuletzt wieder auf etwa 80 Prozent des Vorkriegsniveaus gestiegen waren. Die Straße von Hormus bleibt damit ein kritischer Faktor für die weitere Preisentwicklung. Konkrete Termine für eine endgültige Einigung nennt der Quelltext nicht.
Drei Fachbegriffe erklären die Hintergründe des Ölpreisrückgangs
- Brent: Brent ist eine Nordseesorte und gilt als weltweite Referenzsorte für den Ölpreis.
- WTI: West Texas Intermediate ist die wichtigste US-amerikanische Rohölsorte und ein weiterer Referenzpreis.
- Risikoaufschlag: Ein Risikoaufschlag ist ein Preisbestandteil, der Unsicherheiten wie geopolitische Konflikte abbildet.
