Ölpreise klettern über 106 Dollar: Exporte erholen sich langsam
Die Ölpreise steigen zu Wochenbeginn deutlich, während sich die Rohölexporte aus dem Nahen Osten zwar erholen, aber weiter klar unter dem Vorkriegsniveau liegen.

Die globalen Ölpreise sind zu Beginn der Woche deutlich gestiegen. Grund ist die anhaltende Sorge vor Versorgungsengpässen infolge des seit Februar andauernden Konflikts zwischen den USA, Israel und dem Iran. Die Nordseesorte Brent kletterte auf über 106 US-Dollar pro Barrel, auch der US-Referenzwert West Texas Intermediate (WTI) legte spürbar zu.
Analysten von KCM Trade führen die Entwicklung auf die Ineffizienz von Ausweichrouten und schwierige Schiff-zu-Schiff-Transfers zurück. Diese treiben trotz leicht steigender Exportvolumina die Kosten in die Höhe. Die geopolitische Lage bleibt volatil – verschärft durch Angriffe der Huthi-Rebellen auf saudische Interessen sowie ukrainische Attacken auf russische Energieanlagen.
Exporte erholen sich – aber von niedrigem Niveau
Daten des Analysehauses Kpler zeigen dennoch eine Erholung der Rohölexporte aus dem Nahen Osten. Im September erreichten sie 16,328 Millionen Barrel pro Tag (bpd). Das ist der höchste Stand seit Kriegsbeginn, liegt jedoch weiterhin rund 3,2 Millionen bpd unter dem Februar-Niveau von 19,513 Millionen bpd.
Als Haupttreiber der Erholung gelten Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate. Saudi-Arabien steigerte seine Lieferungen auf schätzungsweise 5,4 Millionen bpd, wobei insbesondere der Hafen Ras Tanura seine Ausfuhren massiv ausweitete.
Die strategische Infrastruktur spielt dabei eine zentrale Rolle: Nach Reparaturen an der East-West-Pipeline, die das saudische Ölfeld-Herzland mit dem Roten Meer verbindet, konnte Saudi-Arabien Exporte effizienter umleiten. Dennoch bleibt die Straße von Hormus unverzichtbar. Die Exporte durch diese Engstelle erholten sich auf etwa 9,719 Millionen bpd.
Analysten weisen allerdings darauf hin, dass diese Daten Schiffe nicht erfassen, die ihre Transponder (AIS) zur Umgehung von Kontrollen ausschalten. Die tatsächlichen Liefermengen dürften daher höher liegen als offiziell ausgewiesen.
Diplomatie und Innenpolitik unter Druck
Diplomatisch stehen Vermittlungsversuche durch Katar im Fokus, die eine Wiedereröffnung der Straße von Hormus zum Ziel haben. US-Präsident Donald Trump zeigte sich optimistisch hinsichtlich eines militärischen Erfolgs, wies jedoch Berichte über angebliche Sanktionserleichterungen für den Iran entschieden zurück.
Der iranische Präsident Masoud Pezeshkian signalisierte zwar Gesprächsbereitschaft beim Atomprogramm, betonte jedoch, dass der Iran keine Nötigung akzeptiere. Ein aktueller Vorschlag für eine siebentägige Waffenruhe und die Öffnung der Meerenge wurde von Trump bisher abgelehnt.
Innenpolitisch steht die US-Regierung unter Druck. Angesichts steigender Kraftstoffpreise prüft das Weiße Haus regulatorische Erleichterungen, etwa den Verkauf von rot eingefärbtem Diesel, um die Versorgung zu stabilisieren. Die ausgeweitete Differenz zwischen Brent und WTI könnte zudem den Export von US-Rohöl weiter fördern.
Für deutsche Anleger bleibt die Lage zweischneidig: Einerseits stützen die unterbrochenen Lieferketten und die Unsicherheit an der Straße von Hormus die Preise, andererseits dämpfen die wieder anziehenden Exporte aus dem Nahen Osten die Aufwärtsdynamik. Die globale Energiepreisentwicklung setzt zugleich die Inflationsraten weiter unter Druck – ein Faktor, der auch für die Geldpolitik und die Kapitalmärkte diesseits des Atlantiks relevant bleibt.
