Ölpreis im Iran-Konflikt: Teheran droht mit Angriffen auf Energieinfrastruktur
Der Iran droht erneut mit Angriffen auf Energieanlagen, während die USA ihre Seeblockade aufrechterhalten und Brent wieder über 100 Dollar steigt.

Die Sorge vor einem erneuten Anstieg der Energiekosten hält die Märkte fest im Griff. Der Iran hat erneut mit Angriffen auf die Energieinfrastruktur in der Region gedroht. Der iranische Parlamentspräsident Mohammed Bagher Ghalibaf formulierte die Haltung Teherans unmissverständlich: "In einer Region, in der wir kein Öl verkaufen können, wird niemand Öl verkaufen." Die Aussage ist eine deutliche Drohung an die Nachbarstaaten und an die USA.
Im Hintergrund steht eine US-Seeblockade gegen iranische Häfen, die seit Mitte Juli in Kraft ist. Sie hat den iranischen Ölhandel nahezu zum Erliegen gebracht. Die Aufhebung dieser Blockade ist die zentrale Forderung Teherans. Gleichzeitig legte der Iran den USA einen neuen Verhandlungsvorschlag vor – ein Signal, dass hinter den Kulissen weiter verhandelt wird.
An den Rohstoffmärkten schlägt sich die Unsicherheit unmittelbar nieder. Brent-Rohöl notierte am Freitag bei 98,96 US-Dollar je Barrel. Damit hat sich der Preis binnen 48 Stunden um rund zehn Prozent verteuert. Erstmals seit dem 24. Juli stieg Brent wieder über die Marke von 100 Dollar. Seit Jahresbeginn hat die Nordseesorte um mehr als 70 Prozent zugelegt.
Die Details
Die Kursbewegungen der vergangenen Wochen waren extrem. Am 11. September stand Brent bei 108,68 US-Dollar, WTI bei 103,45 US-Dollar. Der Wochengewinn lag bei fast 13 Prozent. Bereits am 9. September notierte Brent bei 100,71 US-Dollar, am 3. September bei 94,02 US-Dollar und am 1. September bei 92,03 US-Dollar. Zu Wochenbeginn hatte Brent bei 91,52 US-Dollar gelegen, ein Plus von zweieinhalb Prozent. Am Mittwoch kletterte der Preis zeitweise bis auf 97 Dollar. Seit Montag verteuerte sich Brent um mehr als fünf Prozent. Auf das laufende Jahr gerechnet liegen Brent und WTI jeweils 64 Prozent im Plus. Der WTI-Höchststand von 119,48 Dollar datiert aus dem Anfang März.
Ein zweiter Preistreiber kommt beim Diesel hinzu. Der US-Dieselpreis stieg erstmals über sechs Dollar pro Gallone. Der Krieg zwischen Russland und der Ukraine verknappt das Dieselangebot zusätzlich. Da Diesel den Güterverkehr und die Landwirtschaft antreibt, wirken steigende Dieselpreise unmittelbar auf breite Teile der Wirtschaft.
Auch militärisch spitzt sich die Lage weiter zu. Die USA zerstörten fünf iranische Rohöltanker, einen davon versenkten sie. Bereits am Samstag hatten die US-Streitkräfte drei iranische Öltanker angegriffen. Der Iran feuerte Raketen auf Jordanien ab, wo 20 ballistische Raketen abgefangen wurden. Kuwait war erneut Ziel iranischer Angriffe. In der Straße von Hormus wurde ein Öltanker beschossen. Die Huthi-Rebellen übernahmen die Kontrolle über den jemenitischen Hafen Mocha. Frankreich schützt das saudische Ölterminal Yanbu militärisch. Angriffe auf Pipelines und Raffinerien in arabischen Nachbarstaaten werden dem Iran zugeschrieben.
Beim Angebot gibt es gegenläufige Signale. Die OPEC senkte ihre Prognose für die Ölnachfrage im Jahr 2026. Zugleich fiel die OPEC-Förderung im August. Damit trifft eine gedämpfte Nachfrageerwartung auf ein knapperes Angebot – ein Spannungsfeld, das die Preise zusätzlich volatil macht. US-Außenminister Marco Rubio betonte mit Blick auf die militärische Lage, der Iran versuche weiterhin, Schiffe der US-Marine anzugreifen.
Hintergrund: Was bisher geschah
Die aktuelle Eskalation ist kein isoliertes Ereignis. Bereits am 22.07.2026 berichtete aktien.news, dass die Ölpreise ein Sechswochenhoch erreicht hatten: Brent mit September-Fälligkeit stieg um 2,4 Prozent auf 93,17 Dollar pro Barrel, die US-Sorte WTI legte um 2,4 Prozent auf 86,32 Dollar zu – der höchste Stand seit dem 11. Juni. Damals gaben die US-Streitkräfte bekannt, am Dienstag zuvor militärisch aktiv geworden zu sein.
Am 08.07.2026 hatten die Ölpreise nach scharfen Aussagen von US-Präsident Donald Trump stark zugelegt. Brent zur Lieferung im August kletterte auf 78,50 US-Dollar, ein Anstieg von 5,85 Prozent. Trump erklärte am Rande des Nato-Gipfels, er wolle keine Einigung mit dem Iran mehr anstreben, und bezeichnete weitere Verhandlungen als Zeitverschwendung.
Bereits am 05.05.2026 hatte aktien.news über die Hormus-Krise berichtet. Brent zur Lieferung im Juli sank damals zwischenzeitlich auf 113,13 US-Dollar, nachdem der Iran Ölanlagen in den Vereinigten Arabischen Emiraten angegriffen und in Brand gesetzt hatte. Seit Kriegsbeginn Ende Februar hatte der Rohölpreis zu diesem Zeitpunkt um mehr als 40 Dollar zugelegt.
Am 16.03.2026 berichtete aktien.news, dass sich die Spannungen nach US-israelischen Angriffen auf den Iran massiv verschärft hatten. Innerhalb eines Monats stiegen die Ölpreise um mehr als 40 Prozent. Brent notierte bei rund 104,41 US-Dollar, WTI bei 99,25 US-Dollar – der höchste Stand seit 2022. Durch die Straße von Hormus flossen vor Kriegsbeginn rund 20 Prozent des weltweiten Ölangebots.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger ist der Ölpreis ein wichtiger Kostenfaktor, der weit über die Energiewirtschaft hinausreicht. Ein hoher Ölpreis verstärkt den Inflationsdruck, weil Transport, Produktion und Heizen teurer werden. Das belastet konsumnahe Unternehmen ebenso wie den Handel und kann die Geldpolitik der Notenbanken beeinflussen.
Direkt vom Ölpreis betroffen sind Energieaktien, Ölkonzerne und Rohstofffonds. Wer in diesen Bereichen investiert ist, profitiert tendenziell von steigenden Preisen, trägt aber auch das Risiko schneller Rückschläge, wenn sich die Lage entspannt. Unternehmen mit hohem Energiebedarf – etwa aus Chemie, Logistik oder Luftfahrt – leiden dagegen unter steigenden Kosten. Anleger sollten daher prüfen, wie stark ihr Depot von der Ölpreisentwicklung abhängt.
Eine zentrale Rolle spielt die Straße von Hormus, durch die ein großer Teil des weltweiten Ölangebots transportiert wird. Solange die Durchfahrt unsicher ist, bleibt ein Risikoaufschlag im Preis enthalten. Sollte sich die Lage beruhigen und die Durchfahrt wieder möglich werden, könnte dieser Aufschlag ganz oder teilweise verschwinden. Umgekehrt würde eine weitere Eskalation den Druck nach oben erhöhen.
Ausblick
Für die kommenden Wochen gibt es mehrere konkrete Anhaltspunkte. Die Straße von Hormus könnte nach sieben Tagen wieder öffnen. US-Präsident Donald Trump drohte bei der UN-Generalversammlung mit schweren Angriffen und erklärte, der Krieg ende nach den Zwischenwahlen im November. Zugleich wird nicht ausgeschlossen, dass die Feindseligkeiten Monate andauern.
Zur Preisentwicklung erwartet Haris Khurshid von Karobaar Capital: "Brent dürfte sich wahrscheinlich um 100 bis 110 Dollar halten, solange sich die Lage nicht grundlegend ändert." Ein Preis von 120 Dollar wird als möglich erachtet. Neben Karobaar Capital beobachten auch IG, TD Securities und BOK Financial Securities die Entwicklung genau.
Kurz erklärt
- Brent: Leitsorte für Rohöl aus der Nordsee und wichtigster Referenzpreis für den Weltmarkt.
- WTI: US-amerikanische Rohölsorte, die als Referenz für den amerikanischen Ölmarkt dient.
- Straße von Hormus: Meerenge, durch die ein erheblicher Teil des weltweiten Öltransports verläuft.
