ANZEIGE

Ölpreis knackt 100-Dollar-Marke: DAX behauptet sich trotzdem

• 3 Min
Ölpreis knackt 100-Dollar-Marke: DAX behauptet sich trotzdem

Jefferies-Ökonom Mohit Kumar brachte es auf den Punkt: "Wir befinden uns gerade in einer Ein-Faktor-Welt, in der die Ölpreise die Zinsen beeinflussen und die Zinsen der Haupttreiber für alle Anlageklassen sind." Genau das bekamen die Anleger heute hautnah zu spüren – und dennoch hielten sich die deutschen Aktienmärkte bemerkenswert gut.

Der DAX schloss mit einem minimalen Minus von 0,1 Prozent bei 25.374 Punkten. Dabei hatte der Leitindex die meiste Zeit sogar im Plus gelegen. Am vergangenen Freitag hatte er noch 0,6 Prozent zugelegt und damit eine dreiwöchige Verlustserie beendet. Der heutige Rücksetzer fällt angesichts der geopolitischen Belastungen vergleichsweise moderat aus.

Auslöser für die Anspannung an den Märkten war ein Wochenend-Paukenschlag aus Washington: US-Präsident Donald Trump lehnte am Samstag einen iranischen Vorschlag zur Öffnung der Straße von Hormuz ab – einer der wichtigsten Öltransportrouten weltweit. Die Reaktion an den Rohstoffmärkten ließ nicht lange auf sich warten: Der Preis für Nordseeöl der Sorte Brent kletterte umgehend wieder über die psychologisch wichtige Marke von 100 Dollar je Barrel.

Dennoch setzen viele Anleger auf eine diplomatische Lösung. Trump hatte signalisiert, er rechne in den nächsten Tagen mit weiteren Gesprächen zwischen Washington und Teheran. Diese Hoffnung dämpfte den Verkaufsdruck spürbar.

An der Wall Street eröffneten die amerikanischen Märkte verhalten. Der Dow Jones gab zunächst 0,3 Prozent ab, während die Technologiewerte an der Nasdaq ein halbes Prozent verloren.

Einen klaren Gegenpol setzte Nvidia: Die Aktie des Chipherstellers legte gegen den Trend deutlich zu. Grund ist die Ankündigung eines massiven Aktienrückkaufprogramms im Volumen von 150 Milliarden Dollar – das größte in der Geschichte der Unternehmensfinanzierung, das sogar Apples Rekordprogramm aus dem Jahr 2024 übertrifft. Der boomende Markt für Künstliche Intelligenz spült reichlich Kapital in die Kassen des Konzerns und ermöglicht es Nvidia, gleichzeitig kräftig zu investieren und Geld an die Aktionäre zurückzuführen.

Auch SpaceX sorgte für positive Schlagzeilen: Die Starship-Rakete hat nach Unternehmensangaben erstmals den Erdorbit erreicht – trotz eines Triebwerksproblems während des Flugs. Das unbemannte Raumfahrzeug soll künftig Starlink-Satelliten und im Auftrag der NASA auch Mondmissionen befördern. Die Entwicklung des Systems hat fast ein Jahrzehnt gedauert und mehr als 15 Milliarden Dollar verschlungen. SpaceX-Gründer Elon Musk hatte diesen Meilenstein ursprünglich bereits für 2022 vorhergesagt. Die Aktie reagierte im frühen US-Handel mit Kursgewinnen.

Im heimischen Markt gab die BASF-Aktie nach. Der Chemiekonzern hat den kleineren Wettbewerber Evonik ins Visier genommen und soll rund 22,15 Euro je Evonik-Aktie geboten haben. Evonik hat das Angebot offenbar als zu niedrig zurückgewiesen. Experten sehen in dem möglichen Deal den Beginn einer umfassenden Neugestaltung der europäischen Chemiebranche.

Positive Ausreißer im deutschen Markt waren Südzucker und Redcare Pharmacy. Der Zuckerhersteller aus dem SDAX sprang um bis zu acht Prozent nach oben, nachdem ein deutliches Gewinnplus im abgelaufenen Quartal zu einer Anhebung der Jahresprognose geführt hatte. Davon profitiert auch die Konzerntochter CropEnergies dank hoher Ethanolpreise. Redcare Pharmacy hob ebenfalls die Umsatzprognose an: Dank des anhaltenden E-Rezept-Booms soll der Umsatz 2026 nun um 16 bis 18 Prozent steigen. Allein in Deutschland werden Umsätze mit verschreibungspflichtigen Medikamenten von 730 bis 760 Millionen Euro erwartet.

Erfreuliche Nachrichten kamen zudem aus der deutschen Start-up-Szene: Seit Jahresbeginn sind laut dem Start-up-Monitor des deutschen Start-up-Verbands mehr als 3.000 neue Unternehmen gegründet worden – so viele wie noch nie. Die Zahl der deutschen Einhörner, also Start-ups mit einer Bewertung von über einer Milliarde Euro, erreichte mit 39 einen neuen Rekordwert. Wachstumstreiber sind neben dem Rüstungssektor vor allem KI-Technologien: Für 53 Prozent der befragten Start-ups steht KI im Mittelpunkt des Geschäftsmodells, 2024 waren es erst 39 Prozent.

MarktberichtDAXBörseMärkteTagesschau

Meistgelesene News

  1. Mercedes-Benz: Neue Regeln für mobiles Arbeiten stehen kurz bevor
  2. Volvo Cars kämpft mit EX60-Produktionsziel und Batterieplänen
  3. Beschlagnahmte Iran-Öltanker segeln langsam in Richtung USA
  4. Ölpreise fallen: Asien importiert Höchstmenge Rohöl seit Iran-Krieg
  5. Ölpreis stabilisiert sich: USA und Iran prüfen gestaffelten Hormus-Deal

Disclaimer