DAX erholt sich um 1,1% – Ölpreisrückgang und Iran-Hoffnung beflügeln Märkte

Brent-Rohöl unter der psychologisch wichtigen Marke von 100 Dollar je Barrel – das war am Montag die entscheidende Nachricht für die Finanzmärkte. Der vierte Rückgang in Folge beim Ölpreis sorgte für spürbare Erleichterung an den Börsen und trieb den DAX um 1,1 Prozent auf 25.575 Punkte nach oben. Damit konnte der deutsche Leitindex einen Teil der Verluste der vergangenen drei Wochen wettmachen, in denen er vom Rekordhoch bei 26.618 Punkten deutlich zurückgefallen war.
Auslöser der Ölpreiserholung war die Hoffnung auf ein mögliches Treffen zwischen US-Präsident Donald Trump und dem iranischen Präsidenten Massud Peseschkian am Rande der UN-Generalversammlung in dieser Woche. Rohöl der Sorte Brent verbilligte sich am frühen Abend um 3,4 Prozent auf knapp unter 100 Dollar pro Barrel. "Die USA und Iran zeigen sich offenbar beide zumindest unter Bedingungen offen für Gespräche", erklärte Thomas Altmann, Portfoliomanager beim Vermögensverwalter QC Partners. Er mahnte jedoch zur Vorsicht: Es sei "deutlich zu früh" zu beurteilen, ob diese Entwicklung von Dauer sei. "Dennoch freuen sich die Börsen über den Moment."
Zusätzlich positive Signale kamen von den Analysten der US-Investmentbank JPMorgan: Die Ölexporte Saudi-Arabiens hätten sich trotz der Angriffe der Huthi-Miliz auf eine wichtige Pipeline überraschend robust entwickelt – ein weiterer Faktor, der den Ölmarkt beruhigte.
Auf der Konjunkturseite sorgte das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) für eine positive Überraschung: Die Ökonomen verdreifachten ihre Wachstumsprognose für die deutsche Wirtschaft auf 1,2 Prozent für das laufende Jahr. Als Hauptgründe nannten sie ein stärker als erwartet ausgefallenes erstes Halbjahr sowie die erstmals ganzjährige Verfügbarkeit des schuldenfinanzierten Sondertopfs zur Infrastrukturmodernisierung. Für das zweite Halbjahr 2026 erwarten die Experten allerdings eine nachlassende Dynamik. Als Risiken für die Konjunktur identifiziert das IW die anhaltenden Kriege in der Ukraine und im Nahen Osten sowie deren Auswirkungen auf die Energiepreise. Die Inflation wird für dieses Jahr auf gut 2,5 Prozent geschätzt.
Die Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin hinterließen am Gesamtmarkt kaum Spuren. Berenberg-Chefvolkswirt Holger Schmieding wies jedoch darauf hin, dass es für Bundeskanzler Merz trotz seiner Reformversprechen schwierig werden dürfte, die Unruhe in seiner Partei zu bändigen. Altmann ergänzte: "Sollten die Ergebnisse der Landtagswahlen tatsächlich bundespolitische Folgen haben, wäre auch ein Einfluss auf Aktienkurse und Zinsen wahrscheinlich."
Einen direkten Effekt hatte das Berliner Wahlergebnis auf die Immobilienbranche: Der Wahlsieg der Linken schürte Befürchtungen vor möglichen Enteignungen von Wohnungsunternehmen. Die Vonovia-Aktie gab daraufhin um 1,2 Prozent nach, auch TAG Immobilien stand unter Druck. Experten sehen allerdings hohe rechtliche, politische und finanzielle Hürden für eine tatsächliche Vergesellschaftung. Zudem bleibt rechnerisch eine Koalition aus CDU, Grünen und SPD möglich.
Technologietitel profitierten von konstruktiven Signalen im US-chinesischen Verhältnis: Ein amerikanischer Vorschlag für einen neuen Mechanismus zur Meldung von KI-Sicherheitsrisiken beflügelte Aktien mit KI-Bezug. Infineon und Siemens Energy legten deutlich zu.
Der klare Tagesgewinner war die Aktie des niedersächsischen Getränkeherstellers Berentzen, die um über 22 Prozent in die Höhe schoss. Hintergrund ist die bevorstehende Übernahme durch den amerikanischen Konkurrenten Sazerac – ein Schritt, der die Fantasie der Anleger beflügelte.
