Nvidia: Warum Anleger 2026 nicht auf einen Aktiensplit warten sollten
Der Chiphersteller hat keinen Split angekündigt – und der wahre Wert der Nvidia-Aktie hängt ohnehin nicht vom Kurs ab.

Nvidia wird mit hoher Wahrscheinlichkeit im Jahr 2026 keinen Aktiensplit durchführen. Der führende Chip-Hersteller hat einen solchen Schritt bislang nicht angekündigt – und selbst nach dem jüngsten Allzeithoch sieht The Motley Fool keinen Anlass für eine Aufteilung der Aktie. Wer mit einem Investment in Nvidia (NVDA) auf einen Split wartet, dürfte daher sehr lange warten und dabei ein erstklassiges Unternehmen verpassen.
Der Blick auf den Kurs macht die Argumentation deutlich. Nvidia schloss am 6. Oktober bei 239 US-Dollar. Als das Unternehmen im Jahr 2024 seinen bislang letzten Aktiensplit durchführte – eine Aufteilung im Verhältnis 10 zu 1 –, notierte die Aktie bei etwa 1.200 US-Dollar. Bereits 2021 hatte Nvidia eine Aktie im Verhältnis 4 zu 1 geteilt, damals lag der Kurs bei rund 750 US-Dollar.
Hinzu kommt die schiere Größe des Konzerns. Die Marktkapitalisierung von Nvidia beträgt aktuell 5,8 Billionen US-Dollar. Müsste das Unternehmen dreimal so groß werden, um in die Größenordnung früherer Split-Kurse zu gelangen, läge seine Marktkapitalisierung bei mehr als 17 Billionen US-Dollar. Aus Sicht von The Motley Fool wird Nvidia den Rest des Jahrzehnts keinen weiteren Aktiensplit benötigen.
Die Details
Aktiensplits sind in erster Linie ein Instrument, um eine Aktie für Privatanleger erschwinglicher zu machen. Genau das ist bei Nvidia derzeit nicht erforderlich: Der Kurs müsste ungefähr drei- bis fünffach höher liegen, um sich in derselben Spanne zu bewegen wie während der früheren Splits. Ein Split verändert zudem nicht den Wert einer Position. Wenn ein Unternehmen bei 500 US-Dollar notiert und einen 5-für-1-Split durchführt, wird aus jeder 500-US-Dollar-Aktie fünf neue Aktien zu je 100 US-Dollar – der Eigentumsanteil der Anleger bleibt unverändert.
Deutlich relevanter für die Bewertung ist das operative Geschäft. Im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2027 meldete Nvidia einen Umsatz von 96,2 Milliarden US-Dollar, ein Plus von 106 Prozent gegenüber dem Vorjahr, bei einer Bruttomarge von 75 Prozent. Der Großteil davon – 89 Milliarden US-Dollar – stammt aus dem Rechenzentrumsgeschäft. Nvidia stellt die gefragtesten KI-Chips her, darunter die Blackwell- und die Vera-Rubin-Linien.
Trotz des jüngsten Wachstums gilt die Aktie als angemessen bewertet. Sie handelt bei etwa dem 26-Fachen der erwarteten Gewinne und weist ein Forward-PEG-Verhältnis von weniger als 0,3 auf. Ein PEG-Verhältnis unter 1 deutet darauf hin, dass ein Unternehmen möglicherweise unterbewertet ist – Nvidia liegt weit unter dieser Marke.
Einen konkreten Kapitalrückfluss gibt es obendrein. Am 28. September kündigte Nvidia an, dass sein Verwaltungsrat eine Erhöhung des Aktienrückkaufprogramms um 150 Milliarden US-Dollar genehmigt hat. Damit steigt das Gesamtvolumen des Programms auf 235 Milliarden US-Dollar. Das Unternehmen erwartet, den gesamten Restbetrag bis zu seinem Geschäftsjahr 2028 abzuarbeiten – im Wesentlichen die nächsten fünf Quartale und etwas mehr. Aktienrückkäufe sind für Anleger im Allgemeinen vorteilhafter als Aktiensplits, weil sie die Zahl der ausgegebenen Aktien reduzieren. Jede verbleibende Aktie repräsentiert einen größeren Eigentumsanteil, und der Gewinn pro Aktie (EPS) steigt.
Der Wettbewerb bleibt ein Faktor. Nvidia sieht sich zunehmender Konkurrenz durch Advanced Micro Devices und durch Hersteller eigener Chips ausgesetzt. Dennoch verfügt das Unternehmen laut The Motley Fool weiterhin über einen geschätzten Marktanteil von 75 Prozent im Markt für KI-Beschleuniger. Auf der Nachfrageseite investieren Technologiekonzerne kräftig in KI-Infrastruktur: Die vier größten Hyperscaler – Alphabet, Amazon, Meta Platforms und Microsoft – meldeten im ersten Halbjahr 2026 laut Recherchen von The Motley Fool Kapitalausgaben von über 300 Milliarden US-Dollar.
Hintergrund: Was bisher geschah
Die Einschätzung, dass Nvidia unterbewertet sei, ist bei The Motley Fool kein neues Motiv. Bereits am 2. Oktober 2026 berichtete aktien.news, dass der US-Analysedienst Nvidia zu seiner Wahl für den Monat Oktober gemacht hatte – mit der Begründung, das Unternehmen sei trotz seiner Größe und seines Rufs als teure Aktie aktuell unterbewertet. Der Autor betonte damals, dass es sich keineswegs um eine revolutionäre Idee handle; gerade weil der Markt den Titel gut kenne, überrasche die Einschätzung zur Bewertung.
Schon am 1. Oktober 2026 hatte aktien.news über die Frage berichtet, ob der Oktober zum Wendepunkt für die Nvidia-Aktie werden könnte. Damals hieß es, Nvidia habe 2026 bislang rund 21 Prozent an Wert gewonnen und damit den breiten Markt übertroffen, bleibe für viele Aktionäre aber hinter früheren Renditen zurück. Als Grund für eine mögliche Stimmungsänderung nannte The Motley Fool die kommenden Quartalszahlen: Der Markt habe die massiven erwarteten Wachstumssprünge für 2027 bislang nicht in den Aktienkurs eingepreist.
Ebenfalls am 1. Oktober 2026 berichtete aktien.news über die Erhöhung der Aktienrückkauf-Freigabe um 150 Milliarden US-Dollar. Nach Einschätzung von The Motley Fool setzte das Management damit ein deutliches Zeichen an die Kapitalmärkte; der Schritt galt als historisch und könnte für Anleger ein Kaufsignal sein. Die Argumentation stützte sich auf zwei Säulen: das hervorragende Wachstum des Unternehmens und die zugleich günstige Bewertung.
In einem weiteren Bericht vom 1. Oktober 2026 rechnete aktien.news vor, dass aus 10.000 US-Dollar in zehn Jahren 52.000 US-Dollar werden könnten. Frühe Investoren hätten in der Vergangenheit eine Rendite von über 13.500 Prozent erzielt, eine Wiederholung dieser Performance hielt The Motley Fool für das mittlerweile weltgrößte Unternehmen allerdings für mathematisch und wirtschaftlich unmöglich. Zum damaligen Kurs von rund 230 US-Dollar hätten Anleger mit 10.000 US-Dollar etwa 43 Aktien erwerben können.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger ist vor allem eine Erkenntnis wichtig: Ein Aktiensplit ist kein Werttreiber. Er verändert weder den Eigentumsanteil noch den Wert einer bestehenden Position und macht eine Aktie lediglich optisch günstiger. Ein Investment allein wegen eines möglichen Splits aufzuschieben, ist nach Einschätzung von The Motley Fool in der Regel keine gute Idee – bei Nvidia würde die Wartezeit besonders lang ausfallen.
Der Autor der Analyse nennt zugleich seine Hauptsorge: Nvidia hängt stark von den KI-Ausgaben ab. Drosseln Unternehmen diese Ausgaben, würde sich das negativ auf die Leistung von Nvidia auswirken. Angesichts des Fortschritts der KI und ihrer Rolle als potenziell transformative Technologie erwartet er jedoch, dass der KI-Ausbau weitergeht. Für Anleger, die optimistisch auf KI setzen, bleibt Nvidia nach dieser Argumentation attraktiv – insbesondere wegen des Wachstums und der als erschwinglich bezeichneten Bewertung. Eine Kauf- oder Verkaufsempfehlung lässt sich daraus nicht ableiten.
Ausblick
Ein Nvidia-Aktiensplit ist nach Einschätzung von The Motley Fool auf absehbare Zeit nicht in Sicht; der Kurs müsste dafür deutlich höher liegen. Konkreter ist der Zeitplan beim Aktienrückkauf: Der verbleibende Betrag des auf 235 Milliarden US-Dollar erhöhten Programms soll bis zum Geschäftsjahr 2028 abgearbeitet werden, was den nächsten fünf Quartalen und etwas mehr entspricht. Ob sich die Stimmung bei der Aktie dreht, dürfte sich nach der Einschätzung aus dem Oktober-Bericht an den kommenden Quartalszahlen und der Capex-Guidance der großen Hyperscaler entscheiden – deren erwartete Wachstumssprünge für 2027 waren zuletzt noch nicht im Kurs eingepreist.
Kurz erklärt
- Aktiensplit: Aufteilung bestehender Aktien in mehrere neue Anteile, wodurch der Kurs sinkt, der Wert der Position aber gleich bleibt.
- Forward-PEG-Verhältnis: Kennzahl, die das erwartete Kurs-Gewinn-Verhältnis ins Verhältnis zum erwarteten Gewinnwachstum setzt und so die Bewertung einordnet.
- Aktienrückkauf: Erwerb eigener Aktien durch das Unternehmen, wodurch sich die Zahl der ausstehenden Anteile verringert.
