Nomura-Stratege warnt: Top-Trades der Wall Street geraten ins Wanken
Charlie McElligott von Nomura erwartet eine holprige Fahrt bis zum Jahresende, weil eine heftige Rotation die erfolgreichsten Börsengeschäfte 2026 auflöst.

Die erfolgreichsten Börsengeschäfte des Jahres 2026 an der Wall Street geraten ins Wanken. Eine heftige Rotation erschüttert den US-Aktienmarkt, und das könnte für Anleger zum Problem werden, die in die Endphase des Jahres starten. Davor warnt Charlie McElligott, Stratege bei Nomura, in einer Analyse, die er am Donnerstag mit MarketWatch geteilt hat. Die Veröffentlichung datiert vom 5. November 2026.
McElligott erwartet eine holprige Fahrt bis zum Jahresende. Sein Argument setzt bei jenen Marktteilnehmern an, die in diesem Jahr zu den großen Gewinnern zählten: Hedgefonds und andere erfahrene Investoren. Diese Gruppe hat durch die abrupte Trendwende Verluste erlitten.
Genau darin liegt aus Sicht des Strategen das Risiko für die kommenden Wochen. Wer gerade Geld verloren hat, könnte vorsichtiger sein, sich erneut zu exponieren, bemerkt McElligott. Als zusätzlicher Bremsfaktor kommt der Zeitpunkt hinzu: Die Bonusperiode naht.
Die abrupte Trendwende trifft die Gewinner des Jahres 2026
Eine Rotation bezeichnet die Umschichtung von Kapital zwischen Marktsegmenten, Strategien oder Sektoren. Genau diese Bewegung beschreibt der Nomura-Stratege als Auslöser der aktuellen Probleme. Betroffen sind nach seiner Einschätzung vor allem Hedgefonds und andere erfahrene Investoren, die sich in diesem Jahr auf Handelsansätze verlassen hatten, die lange außergewöhnlich gut funktionierten.
Mit der abrupten Trendwende drehte sich das Bild. Die erlittenen Verluste verändern nun die Risikobereitschaft dieser Gruppe. McElligott rechnet damit, dass professionelle Marktteilnehmer nach Rückschlägen zögern, sich erneut zu engagieren.
Ein zweiter Faktor verstärkt den Effekt: die nahende Bonusperiode. Der Stratege nennt sie ausdrücklich als Grund für die erwartete Zurückhaltung. Wer in der Endphase des Jahres noch einmal Risiko aufnimmt, tut das in einer Phase, in der die Zuteilung von Boni unmittelbar bevorsteht. Beide Aspekte zusammen begründen die Einschätzung einer unruhigen Schlussphase.
Bereits am 31. August 2026 berichtete aktien.news vom Ende des Momentum-Booms
Der einst lukrativste Handelsansatz an der Wall Street hatte seine Anziehungskraft verloren. Der sogenannte Momentum-Handel, bei dem Anleger auf steigende Aktien setzen und gleichzeitig gegen schwächelnde Titel wetten, erlebte im laufenden Jahr zunächst eine beispiellose Rallye. Besonders im KI-Sektor florierte die Strategie: Investoren setzten massiv auf Favoriten wie Nvidia, Micron Technology und Advanced Micro Devices und bauten gleichzeitig Positionen gegen Unternehmen auf, die unter dem KI-Boom leiden könnten. Seit Juli hatte sich das Blatt jedoch dramatisch gewendet.
Am 8. Oktober 2026 berichtete aktien.news, dass stark steigende Renditen US-amerikanischer Staatsanleihen Teile des Aktienmarktes unter Druck setzen, die leicht übersehen werden können. Besonders betroffen waren kleine Werte, die in diesem Jahr lange zu den großen Gewinnern an der Wall Street zählten. Der wiederbelebte Enthusiasmus für Tech-Aktien half dem S&P 500 in dieser Woche, die Führung gegenüber dem Russell 2000 für das Jahr 2026 zurückzugewinnen. Gleichzeitig sanken die kleinen Werte angesichts höherer Renditen bei Staatsanleihen in Richtung Korrekturgebiet ab.
Am 27. Oktober 2026 meldete aktien.news, dass die Strategen an der Wall Street ihre Ziele kaum senken. Eine Umfrage des Bloomberg-Portfolios unter 19 Aktienprognostikern ergab, dass die durchschnittliche Zielkurs-Prognose für den S&P 500 zum Jahresende um nur neun Punkte gesunken ist – von 7.976 im September auf 7.967. Die Rahmenbedingungen hatten sich zuletzt deutlich eingetrübt: Die Rendite der zehnjährigen US-Treasuries stieg kurzzeitig deutlich über 5%, der Iran-Krieg erschütterte die Energiemärkte, und Zweifel an der Nachhaltigkeit der KI-Ausgaben lösten eine scharfe Tech-Verkaufswelle aus. Der Konsens-Zielkurs lag damit 4,5% über dem Schlusskurs des Index am Freitag, den 23. Oktober.
Bereits am 11. Februar 2026 hatte aktien.news über eine dramatische Umschichtung amerikanischer Investoren berichtet. Innerhalb von nur fünf Wochen flossen 62 Milliarden US-Dollar in Aktienfonds außerhalb des Technologiesektors – mehr als im gesamten vergangenen Jahr, wie Daten der Deutschen Bank zeigen. Zu den Gewinnern zählten Sektoren, die lange im Schatten der Tech-Giganten standen: Der Landmaschinenhersteller Deere sowie die Baukonzerne TopBuild und Comfort Systems USA legten seit Jahresbeginn jeweils über 20 Prozent zu und markierten Rekordhochs. Auch Walmart profitierte und knackte die Billionen-Dollar-Marke.
Die Rotation verschiebt die Kräfteverhältnisse an der Wall Street
Für deutsche Privatanleger ist die Meldung vor allem ein Hinweis auf die Mechanik hinter den Kursbewegungen. Die erfolgreichsten Börsengeschäfte des Jahres 2026 waren laut den früheren Berichten von aktien.news eng mit dem Momentum-Handel und dem KI-Sektor verbunden. Die Auflösung dieser Trades betrifft damit jene Titel und Strategien, die zuvor zu den größten Gewinnern zählten.
Hinzu kommt die Verschiebung innerhalb des Marktes. Schon im Februar 2026 floss Kapital in Aktienfonds außerhalb des Technologiesektors, im Oktober gerieten kleine Werte unter Druck, während der S&P 500 seine Führung gegenüber dem Russell 2000 zurückgewann. Wer über US-Aktien, Technologiefonds oder ETFs am amerikanischen Markt engagiert ist, bewegt sich damit in einem Umfeld, in dem sich die Führungsrollen mehrfach verschoben haben.
Eine Kauf- oder Verkaufsempfehlung lässt sich daraus nicht ableiten. Der Hinweis des Nomura-Strategen richtet sich an die Risikobereitschaft professioneller Marktteilnehmer, nicht an die Depotstruktur einzelner Anleger. Wer die Entwicklung verfolgen will, sollte auf die Rotation selbst achten – also darauf, welche Segmente Kapital abgeben und welche es aufnehmen.
Bis zum Jahresende bleibt der Ausblick laut Nomura unruhig
McElligott erwartet eine holprige Fahrt, weil Hedgefonds und erfahrene Investoren nach Verlusten vorsichtiger agieren könnten. Verstärkt wird dieser Effekt durch die nahende Bonusperiode. Einen konkreten Termin für eine Entspannung nennt die Analyse nicht.
Klar ist der zeitliche Rahmen: Die Einschätzung wurde am Donnerstag mit MarketWatch geteilt und datiert vom 5. November 2026. Damit bezieht sie sich auf die verbleibenden Wochen des Jahres. Ob sich die erfolgreichen Trades des Jahres 2026 noch einmal erholen oder dauerhaft auflösen, lässt der Stratege offen – er beschreibt die Risikobereitschaft der großen Marktteilnehmer als den entscheidenden Faktor für die kommenden Wochen.
Drei Begriffe helfen beim Verständnis der aktuellen Marktbewegung
- Rotation: eine Umschichtung von Kapital zwischen Marktsegmenten, Strategien oder Sektoren.
- Momentum-Handel: ein Handelsansatz, bei dem Anleger auf steigende Aktien setzen und gleichzeitig gegen schwächelnde Titel wetten.
- Hedgefonds: professionell verwaltete Fonds, die mit unterschiedlichen Strategien für institutionelle und vermögende Anleger arbeiten.
