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New York: Cannabis-Verkäufe brechen Rekord, bleiben aber hinter Prognose zurück

Mehr als 1,41 Milliarden US-Dollar in drei Quartalen: New York übertrifft das Vorjahr, verfehlt aber die kühne Prognose des Marijuana-Czar.

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New Yorks legaler Cannabis-Markt steuert auf einen neuen Jahresrekord zu – doch die Dynamik lässt nach. Wie Beamte des staatlichen Office of Cannabis Management (OCM) am Donnerstag mitteilten, wurden in den ersten drei Quartalen 2026 mehr als 1,41 Milliarden US-Dollar umgesetzt. Damit dürfte das Vorjahresergebnis von 1,68 Milliarden US-Dollar leicht übertroffen werden, wie Daten zeigen, die OCM-Stellvertreter Kevin Brennan dem staatlichen Cannabis Control Board vorlegte.

Von einer deutlich ambitionierteren Prognose ist der Bundesstaat allerdings weit entfernt. OCM-Geschäftsführer John Kagia hatte im Frühjahr ein jährliches Verkaufsvolumen von 2,6 Milliarden US-Dollar als möglich bezeichnet. Dieses Ziel wird nach den aktuellen Zahlen klar verfehlt.

Zugleich mehren sich die Anzeichen, dass die Wachstumsdynamik in New York nachlässt. Hunderte lizenzierte Cannabis-Händler haben noch nicht eröffnet, und die Hälfte des Bundesstaates ist weiterhin vollständig für legale Verkäufe gesperrt. Beide Faktoren bremsen das Marktwachstum, obwohl die Zahl der Lizenzen steigt.

Die Details

Laut der OCM-Präsentation gibt es in New York derzeit 1.039 lizenzierte Händler, von denen aber nur 712 tatsächlich für den Geschäftsbetrieb geöffnet sind. Der durchschnittliche Jahresumsatz pro Laden ist um 3,4 Prozent auf etwa 2,7 Millionen US-Dollar gesunken. Medizinische Verkäufe machen weniger als 3 Prozent des Gesamtvolumens aus, wie Brennan ergänzte.

Besonders deutlich zeigt sich der Verdrängungswettbewerb auf Long Island. Dort stieg die Zahl der lizenzierten Geschäfte um 50 Prozent auf 18 – gleichzeitig fiel der durchschnittliche Jahresumsatz je Händler von 14,9 Millionen US-Dollar auf 11,4 Millionen US-Dollar. Da sich mehr als die Hälfte der Gemeinden in New York ganz von Einzelhandelsverkäufen abgewendet hat, werden neue Marktteilnehmer laut Brennan um Kunden auf derselben „Landmasse“ wie bestehende Betreiber konkurrieren.

Beim Preisniveau bleibt New York im nationalen Vergleich teuer: 27,65 US-Dollar pro Einheit. Das entspricht einem Rückgang von 8 Prozent seit Januar. Gleichzeitig verkaufen die Händler mehr Einheiten – die Zahl der verkauften Artikel stieg um 7,3 Prozent. „Die Kunden kaufen mehr“, sagte Brennan.

Mit etwa 5,4 lizenzierten Cannabis-Händlern pro 100.000 Einwohner nähert sich New York durch den Zustrom neu zugelassener Betriebe „gesättigteren Märkten“, wie Brennan hinzufügte. Im Vergleich zu den meisten anderen großen Märkten weist der Bundesstaat laut OCM dennoch eine geringere Cannabis-Einzelhandelsdichte auf.

Ein Datenpunkt widerspricht den früheren Klagen medizinischer Anbieter: Die Läden mit dem höchsten monatlichen Durchschnittsumsatz erzielen die besten Ergebnisse. Betrieben werden sie von den sogenannten „registered organizations“, die eine der vertikal integrierten MMJ-Lizenzen des Staates halten. Dual-Use-Läden für medizinische und Erwachsenen-Nutzung, die von diesen Organisationen betrieben werden, kommen auf einen durchschnittlichen Jahresumsatz von mehr als 5 Millionen US-Dollar – mehr als das Doppelte der 2,2 Millionen US-Dollar, die Social-and-Economic-Equity-Läden im Schnitt erreichen.

Hintergrund: Was bisher geschah

Bereits am 15.08.2026 berichtete aktien.news, dass der Cannabis-Markt im US-Bundesstaat Ohio auf neue Rekordumsätze zusteuert. Dort erzielte die Branche vom 3. Januar bis zum 11. Juli 2026 kombinierte Umsätze aus medizinischem Cannabis und Verkäufen an Erwachsene in Höhe von 684,6 Millionen US-Dollar; die gesamte Branche war auf einen Gesamtwert von 1,1 Milliarden US-Dollar angewachsen. Der Vergleich zeigt, dass mehrere Bundesstaaten gleichzeitig um Wachstum ringen.

Am 15.09.2026 meldete aktien.news, dass New York eine Verschärfung der Maßnahmen gegen Hanf-THC-Getränke erwägt, während der illegale Verkauf dieser Produkte in Supermärkten und Convenience-Stores weiter boomt. Beamte im Kabinett von Gouverneurin Kathy Hochul erklärten, die Verkäufe würden „unsere Cannabisindustrie aushöhlen“.

Am 18.09.2026 berichtete aktien.news über eine Zahlungskrise der New Yorker Cannabis-Industrie: 87 Händler – rund 12 Prozent aller lizenzierten Marihuana-Verkaufsstellen – standen auf einer offiziellen Liste säumiger Zahler und schuldeten Lieferanten zusammen rund 3,89 Millionen US-Dollar. Nach dem Staatsgesetz müssen Kreditkäufer innerhalb von 30 Tagen vollständig zahlen.

Am 23.09.2026 folgte der Bericht, dass die New Yorker Cannabisbranche mit einem Volumen von 1,7 Milliarden US-Dollar ihren Beschäftigten deutlich höhere Löhne zahlt als vergleichbare Wirtschaftszweige – und damit viele Unternehmen in die Verlustzone treibt. Laut einer Umfrage der Unternehmensberatung FTI Consulting im Auftrag einer Betreiberkoalition verdient ein Cannabismitarbeiter in New York durchschnittlich 25,87 US-Dollar pro Stunde, rund 19 Prozent mehr als der landesweite Durchschnitt von 21,67 US-Dollar. Die Betreiber wehren sich damit gegen einen Gesetzentwurf, der die Löhne weiter erhöhen könnte.

Was das für Anleger bedeutet

Der Quelltext nennt keine börsennotierten Unternehmen und keine Ticker-Symbole. Eine direkte Aktienwette auf einzelne Betreiber lässt sich aus diesen Zahlen daher nicht ableiten. Relevant sind vielmehr die strukturellen Signale des Marktes.

Drei Punkte stechen hervor: Erstens wächst das Gesamtvolumen, aber der Umsatz pro Laden sinkt – ein klassisches Zeichen zunehmender Marktsättigung. Zweitens verschiebt sich die Wettbewerbslage zugunsten der vertikal integrierten „registered organizations“, die mehr als doppelt so viel Umsatz pro Standort erzielen wie Social-and-Economic-Equity-Läden. Drittens belasten regulatorische und finanzielle Risiken die Branche: offene Lieferantenschulden, hohe Lohnkosten und der illegale Handel mit Hanf-THC-Getränken.

Für deutsche Privatanleger, die über internationale Cannabis-Werte am US-Markt partizipieren, bedeutet das: New York bleibt ein großer, aber zunehmend umkämpfter Markt. Wachstum im Gesamtvolumen ist nicht gleichbedeutend mit Profitabilität der einzelnen Betreiber. Dies ist keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung.

Ausblick

Der OCM-Präsentation zufolge könnten bald viele weitere Händler online gehen. Da bereits 1.039 Lizenzen vergeben, aber nur 712 Geschäfte geöffnet sind, ist mit zusätzlichem Wettbewerb auf derselben Kundschaft zu rechnen. Brennan zufolge nähert sich New York damit „gesättigteren Märkten“.

Offen bleibt, ob das von Kagia im Frühjahr genannte Ziel von 2,6 Milliarden US-Dollar jährlichem Verkaufsvolumen zu einem späteren Zeitpunkt erreichbar ist. Klar ist bislang nur: Das Vorjahresniveau von 1,68 Milliarden US-Dollar dürfte 2026 übertroffen werden – die kühne Prognose jedoch nicht.

Kurz erklärt

  • Registered Organizations: In New York vertikal integrierte Lizenznehmer, die medizinisches Cannabis anbauen, verarbeiten und verkaufen dürfen und teils auch Erwachsenenverkauf betreiben.
  • Social-and-Economic-Equity-Läden: Staatlich lizenzierte Verkaufsstellen, die von Bewerbern aus besonders von der früheren Cannabis-Verfolgung betroffenen Gemeinschaften betrieben werden.
  • Office of Cannabis Management: Die New Yorker Staatsbehörde, die den legalen Cannabis-Markt reguliert, Lizenzen vergibt und Daten zum Markt veröffentlicht.
  • Dual-Use-Lizenz: Eine Genehmigung, die einem Betreiber sowohl medizinische als auch Erwachsenenverkäufe erlaubt.
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