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Michigan: Erde als Marihuana-Blüten deklariert – 20 Lizenzen weg

Die Cannabis-Aufsichtsbehörde von Michigan widerruft 20 Lizenzen und verhängt eine Rekordstrafe von 2 Millionen Dollar gegen Millie Montana Industries.

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Michigan: Erde als Marihuana-Blüten deklariert – 20 Lizenzen weg

Die Cannabis Regulatory Agency (CRA) des US-Bundesstaates Michigan hat die Lizenzen eines führenden Anbieters für medizinisches Marihuana (MMJ) widerrufen. Betroffen ist das in Clare, Michigan, ansässige Unternehmen GP Holdings, das unter dem Namen Millie Montana Industries tätig ist. Insgesamt geht es um 20 Lizenzen. Zusätzlich verhängte die Behörde eine Geldstrafe in Höhe von 2 Millionen Dollar.

Der schwerwiegendste Vorwurf: Das Unternehmen soll Erde und Mulch unter Begleitpapieren versendet haben, die diese als Marihuana-Blüten auswiesen. Die Behörde machte die Entscheidung in einer Pressemitteilung am Dienstag öffentlich. „Das Versenden von Erde und Mulch unter Begleitpapieren, die diese als Marihuana-Blüten ausweisen, stellt ein schwerwiegendes Fehlverhalten dar, das die Integrität des regulierten Marihuana-Marktes in Michigan angreift", erklärte CRA-Geschäftsführer Brian Hannas.

Es ist die zweite Strafe in Höhe von 2 Millionen Dollar, die die CRA in den vergangenen Wochen verhängt hat – zugleich die höchste jemals im Bundesstaat verhängte Summe. Am 16. September bestraften die Aufsichtsbehörden auch Michigan Investment 10, einen Hersteller der beliebten Marke Muha Meds, und entzogen ihm die Verarbeitungslizenz, nachdem Beweise für eine mögliche Umleitung der Ware gefunden worden waren.

Die Details

Millie Montana Industries gab zeitweise an, der größte von Frauen geführte Lizenzinhaber für Cannabis in Michigan zu sein. Das Unternehmen sei seit 2025 geschlossen, „aufgrund der mit dem Markt verbundenen Risiken", teilte die Eigentümerin Amelia Yousif der CRA mit.

Die CRA begann ihre Ermittlungen gegen Millie Montana im Jahr 2022, nachdem das Unternehmen während mehrerer Produktübertragungen Videoaufzeichnungen angefordert hatte und man ihm mitteilte, dass solche Aufnahmen nicht existierten. Proben aus drei Paketen, die an einen Verarbeiter gesendet wurden, enthielten kein THC und ähnelten in Aussehen und „Konsistenz Erde und Mulch", hieß es in der Pressemitteilung. Proben aus weiteren Paketen schienen trotz der Kennzeichnung auf den Begleitpapieren als Marihuana-Blüten eher Schüttgut, Kief oder Pflanzenabfälle nach der Ernte zu sein. Spätere Untersuchungen ergaben Unregelmäßigkeiten im Metrc-System, so die CRA.

Die Ermittlungen deckten weitere Verstöße auf:

  • Falsche Produktbeschreibungen und Gewichte auf Übertragungsbegleitpapieren
  • Unmarkierte Marihuana-Blüten, Mulch, gemahlene Pflanzen und Biomasse
  • Untestete Marihuana-Pakete, die ohne Genehmigung der CRA an einen Verarbeiter übergeben wurden
  • Lagerbereiche ohne Alarmanlagen, unzureichende Überwachung oder Schlösser in kommerzieller Qualität
  • Ungenaue und verspätete Einträge im landesweiten Überwachungssystem
  • Versäumnis, erforderliche Standardarbeitsanweisungen, Mitarbeiterunterlagen und einen Abfallentsorgungsplan bereitzustellen
  • Hinzufügen von Lagereinheiten sowie eines industriellen Hanftrockners und einer industriellen Mühle ohne Genehmigung der CRA

Hannas betonte die Ernsthaftigkeit der Lage: „Wenn ein Lizenzinhaber sein Produkt falsch darstellt, Tracking-Anforderungen missachtet und grundlegende Sicherheitsvorkehrungen nicht einhält, müssen die Konsequenzen die Schwere dieses Verhaltens widerspiegeln", sagte er.

Hintergrund: Was bisher geschah

Bereits am 19.09.2026 berichtete aktien.news, dass die CRA drastische Maßnahmen gegen einen Hersteller von Verdampferprodukten ergriffen hat. Der Produzent der Marke Muha Meds, Michigan Investments 10, musste seine Geschäfte zum 24. September schließen und eine Rekordstrafe von 2 Millionen US-Dollar zahlen. Grund waren wiederholte schwerwiegende Verstöße gegen die Compliance-Vorschriften, darunter Anzeichen möglicher Inversion und Diversion. Wie die CRA mitteilte, wiesen die Aufsichtsbehörden bereits ab 2023 auf mehrere „eklatante Verstöße" bei Michigan Investments 10 hin, darunter die Unterlassung der Produktprüfung.

Bereits am 18.06.2026 berichtete aktien.news über die Pläne des Senats von Michigan, die Lizenzvergabe neu auszurichten. Der Ausschuss für regulatorische Angelegenheiten hörte eine zweite Runde von Zeugenaussagen zur überarbeiteten Senate Bill 597. Der von Senator Sam Singh (D-East Lansing) unterstützte Entwurf sieht vor, die Lizenzen für Marihuana-Einzelhändler und -Großhändler ab dem 1. Januar 2026 auf eine Lizenz pro 10.000 Einwohner in einer Gemeinde zu begrenzen.

Bereits am 06.06.2026 berichtete aktien.news, dass Michigans neue Großhandelssteuer auf Cannabis in Höhe von 24 Prozent im ersten Quartal seit ihrer Einführung deutlich weniger einbrachte als erwartet. Bis zum 30. April generierten die Behörden knapp 34 Millionen Dollar – weniger als ein Drittel des Quartalsziels von rund 105 Millionen Dollar. Die Steuer war am 1. Januar 2026 in Kraft getreten und sollte einen langwierigen Haushaltsstreit beenden.

Was das für Anleger bedeutet

Mit einem Umsatz von rund 3,17 Milliarden Dollar im Jahr 2025 ist Michigan einer der größten Cannabis-Märkte in den USA nach Verkaufszahlen. Zudem beschäftigt sich der Staat seit Jahren mit einem Überangebot und fallenden Großhandelspreisen. Für deutsche Privatanleger, die über Cannabis-Aktien oder entsprechende Fonds am US-Markt engagiert sind, zeigt der Fall, wie stark regulatorische Risiken in dieser Branche wirken können. Die CRA greift mit Lizenzentzug und Rekordstrafen durch – ein Signal, dass Compliance-Anforderungen im regulierten Markt ernst genommen werden.

Bemerkenswert ist die Häufung: Innerhalb weniger Wochen verhängte die Behörde zwei Strafen von jeweils 2 Millionen Dollar. Das unterstreicht, dass Aufsichtsbehörden in Michigan ihre Durchsetzungsbefugnisse zunehmend nutzen. Wer in Cannabis-Werte investiert, sollte regulatorische Meldungen daher eng verfolgen, denn ein Lizenzentzug kann den Geschäftsbetrieb eines Anbieters vollständig zum Erliegen bringen. Die geplante Deckelung der Lizenzen und die schwachen Steuereinnahmen deuten zugleich auf einen Markt hin, der mit Überkapazitäten und Preisdruck kämpft.

Ausblick

Konkrete künftige Schritte der CRA nennt der Quelltext nicht. Bekannt sind die bereits gesetzten Termine: Die Schließung von Michigan Investments 10 war zum 24. September vorgesehen, die Lizenzbegrenzung nach Senate Bill 597 soll ab dem 1. Januar 2026 greifen, und die Großhandelssteuer von 24 Prozent gilt seit dem 1. Januar 2026. Weitere Angaben zu Verfahren oder Fristen im Fall Millie Montana enthält die Pressemitteilung nicht.

Kurz erklärt

  • MMJ: Medizinisches Marihuana, also Cannabis, das in einigen US-Bundesstaaten zu Therapiezwecken legal abgegeben wird.
  • Metrc: Ein staatliches Track-and-Trace-System, mit dem Cannabis vom Anbau bis zum Verkauf lückenlos verfolgt wird.
  • CRA: Die Cannabis Regulatory Agency, die Aufsichtsbehörde des Bundesstaates Michigan für den legalen Cannabis-Markt.
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