Neue Zentrumspartei Democracy21 tritt bei Spaniens Novemberwahlen an
Juristin Miriam Gonzalez Durantez gründet Democracy21 – eine neue Kraft gegen Spaniens politische Blockbildung und Wohnungskrise.

Die spanische Rechtsanwältin Miriam Gonzalez Durantez hat am Samstag, dem 10. Oktober, eine neue politische Partei gegründet. Unter dem Namen „Democracy21" will sie bei den vorgezogenen Parlamentswahlen am 29. November antreten. Gonzalez Durantez, die auf internationales sowie EU-Handelsrecht spezialisiert ist und mit dem ehemaligen britischen Vize-Premierminister Nick Clegg verheiratet ist, positioniert ihre Partei ausdrücklich in der politischen Mitte.
Ihr zentrales Versprechen: die wachsende ideologische Spaltung in Spanien zu überwinden, demokratische Werte wiederherzustellen und staatliche Institutionen zu entpolitisieren. Sie rief die Spanier dazu auf, „unsere ideologischen Differenzen beiseite zu legen, geschlossen aufzutreten und zusammenzuarbeiten, um die Demokratie zu schützen und das Land zu modernisieren."
Die Details
Democracy21 wird bei den Wahlen zunächst in Madrid und Barcelona antreten. Die Parteigründung fällt in ein politisch hochvolatiles Umfeld: Sozialistischer Ministerpräsident Pedro Sanchez hatte erst am Montag Neuwahlen ausgerufen, nachdem das Parlament Maßnahmen zur Bewältigung der eskalierenden Wohnungskrise abgelehnt hatte. Aktuelle Meinungsumfragen deuten darauf hin, dass die konservative Volkspartei (PP) und die rechtsextreme Vox gemeinsam eine parlamentarische Mehrheit erringen könnten.
Gonzalez Durantez kritisierte scharf, was sie als „zwei starre Blöcke" bezeichnet, die nichts zur Konsensbildung beitrügen. Damit meint sie die tiefe Rivalität zwischen den Sozialisten und der PP, die das politische Leben Spaniens seit Jahren prägt. Beide Lager machte sie gleichermaßen für die Wohnungskrise verantwortlich – unabhängig davon, ob sie auf nationaler oder regionaler Ebene regieren.
Besonders deutlich wurde sie in ihrer Kritik an der Wohnungspolitik: „Sie haben die Genehmigungen nicht für den Wohnungsbau genutzt, sondern stattdessen dazu, die Kassen ihrer Stadtverwaltungen zu füllen. Sie haben so viele, teils absurde Vorschriften erlassen, dass sich der Quadratmeterpreis für Bauvorhaben verdoppelt hat und es für uns fast unmöglich geworden ist, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen", sagte sie vor Anhängern. Die etablierten Politiker bezeichnete sie als „Kostenfaktor und Belastung für das Land".
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 03.10.2026 berichtete aktien.news über die Wurzeln der aktuellen Krise: Wohnungskrisen schwelen demnach in weiten Teilen der hochentwickelten Welt seit mehr als einem Jahrzehnt, standen politisch aber meist nur am unteren Ende der Prioritätenliste. In Spanien hatte die Ablehnung des zentralen Wohnbaugesetzes von Ministerpräsident Sanchez durch das Parlament den unmittelbaren Auslöser für die Neuwahlen gesetzt. Massive Proteste hatte zuvor der Fall der 87-jährigen Maricarmen Abascal ausgelöst, die eine Räumungsklage erhalten hatte, nachdem ihre zuvor mietpreisgebundene Wohnung den Eigentümer gewechselt hatte.
Auch im aktuellen Bericht spielt dieser Fall eine zentrale Rolle: Die Zwangsräumung der 87-jährigen Frau hatte anhaltende Massenproteste wegen Wohnungsmangels und steigender Mieten ausgelöst. Ihr Tod am Dienstag erzürnte die Demonstranten zusätzlich und verstärkte den öffentlichen Druck auf die Politik erheblich.
Am 21.06.2026 hatte aktien.news zudem berichtet, dass ein Madrider Gericht die Eröffnung eines Hauptverfahrens gegen Begoña Gómez, die Ehefrau von Ministerpräsident Sanchez, angeordnet hatte. Die Vorwürfe umfassten Einflussnahme, Korruption im Geschäftsverkehr sowie Veruntreuung öffentlicher Gelder – ein weiterer Belastungsfaktor für die Regierung Sanchez im Vorfeld der Neuwahlen.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger, die in spanische Aktien oder den iberischen Markt investiert sind, ist die politische Lage in Spanien ein relevanter Risikofaktor. Ein möglicher Regierungswechsel hin zu einer PP-Vox-Koalition würde eine deutliche Verschiebung der Wirtschafts- und Wohnungsbaupolitik bedeuten. Gleichzeitig zeigt die Gründung von Democracy21, dass das politische Spektrum in Bewegung geraten ist und neue Kräfte versuchen, die Mitte zu besetzen.
Die Wohnungskrise selbst hat strukturelle Ursachen, die Gonzalez Durantez klar benennt: Die Zuständigkeiten für Wohnungsgesetzgebung sind in Spanien zwischen Zentralregierung, Regionalregierungen und Kommunen aufgeteilt. Die Zentralregierung kann zwar Rahmenbedingungen, Anreize und Subventionen festlegen, doch die konkrete Umsetzung sowie die allgemeine Stadtplanung liegen weitgehend bei den Regionen und Gemeinden. Diese Fragmentierung erschwert eine kohärente Wohnungsbaupolitik erheblich – und macht das Thema zu einem Dauerbrenner im spanischen Wahlkampf.
Ausblick
Die Parlamentswahlen in Spanien sind für den 29. November angesetzt. Democracy21 wird zunächst in Madrid und Barcelona kandidieren. Meinungsumfragen sehen derzeit PP und Vox auf dem Weg zu einer gemeinsamen parlamentarischen Mehrheit. Ob eine neue Zentrumspartei in diesem polarisierten Umfeld genügend Wählerinnen und Wähler mobilisieren kann, wird sich im Wahlkampf der kommenden Wochen zeigen. Gonzalez Durantez hat angekündigt, Probleme zu identifizieren und zu lösen, anstatt sie politisch zu instrumentalisieren: „Ich werde ein Problem nicht nutzen, um eine Gruppe gegen eine andere auszuspielen; nein, ich werde es einfach lösen."
Kurz erklärt
- Vorgezogene Parlamentswahlen: Neuwahlen, die vor dem regulären Ende einer Legislaturperiode vom Regierungschef ausgerufen werden.
- Entpolitisierung von Institutionen: Das Ziel, staatliche Behörden und Einrichtungen von parteipolitischem Einfluss zu befreien und nach sachlichen Kriterien zu führen.
- Zentrismus: Eine politische Haltung, die weder dem linken noch dem rechten Lager zuzuordnen ist und auf Ausgleich und Konsens zwischen verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen setzt.
