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NATO-Kommandant: USA leisten begrenzte Unterstützung, Europa weitet Rolle aus

SACEUR Grynkewich betont US-Engagement für Artikel 5, während europäische Nationen mehr Verteidigungsverantwortung übernehmen

3 Min
NATO-Kommandant: USA leisten begrenzte Unterstützung, Europa weitet Rolle aus

Die Vereinigten Staaten werden der NATO weiterhin kritische, wenngleich eingeschränktere Fähigkeiten zur Verfügung stellen, während europäische Nationen eine größere Rolle bei der Verteidigung des Kontinents übernehmen. Das erklärte der höchste Befehlshaber der Allianz in einem Telefoninterview, wie Investing.com berichtet. US-Luftwaffengeneral Alexus Grynkewich, Supreme Allied Commander Europe (SACEUR), äußerte sich auf dem Weg zu einer Kommandowechselzeremonie im NATO-Hauptquartier in Norfolk, Virginia.

Bei dieser Zeremonie wird ein britischer Heeresgeneral einen US-amerikanischen Vizeadmiral ablösen. Der Personalwechsel an der Spitze eines wichtigen NATO-Kommandos unterstreicht den Trend einer stärkeren europäischen Beteiligung an der Bündnisstruktur. Grynkewich betonte zugleich, dass die US-Regierung ihr unerschütterliches Engagement für den Artikel 5 der NATO beibehalten habe — jene Bestimmung des Bündnisvertrags, die die kollektive Verteidigung festschreibt.

Kein festgelegtes Ergebnis bei Truppenüberprüfung

Der Oberbefehlshaber erklärte, es gebe kein vorab festgelegtes Ergebnis für die laufende Überprüfung der US-Truppenstationierungen in Europa. Diese Aussage ist für Beobachter in Deutschland und anderen europäischen Staaten von besonderer Bedeutung, da die Präsenz amerikanischer Soldaten seit Jahrzehnten ein zentraler Pfeiler der Sicherheitsarchitektur des Kontinents ist. Grynkewich ließ damit offen, wie die Überprüfung ausgehen wird, und vermied jede Festlegung auf ein bestimmtes Resultat.

Als Reaktion auf hybride Angriffe intensiviere die NATO den Austausch von Informationen und Geheimdienstinformationen. Hybride Bedrohungen umfassen dabei ein Spektrum von Maßnahmen, die unterhalb der Schwelle eines klassischen militärischen Konflikts liegen und die Stabilität der Bündnisstaaten untergraben können. Die verstärkte Zusammenarbeit bei Aufklärung und Informationsweitergabe soll demnach die Widerstandsfähigkeit der Allianz erhöhen.

Eine dänische Einschätzung der Bedrohungen durch Russland bezeichnete Grynkewich als „ziemlich ausgewogen“. Dänemark ist als NATO-Mitglied und Anrainer der Ostsee besonders sensibel für Entwicklungen im russischen Einflussbereich. Die Bewertung aus Kopenhagen wird damit von höchster NATO-Seite als realistische Lagebeurteilung eingestuft.

„Wir alle sind heute Ostflankenländer"

Grynkewich wies darauf hin, dass angesichts der Bandbreite an Bedrohungen, mit denen das Bündnis konfrontiert ist, „wir alle heute Ostflankenländer" seien. Diese Äußerung verschiebt die Perspektive: Während traditionell vor allem die Staaten an der direkten Grenze zu Russland als besonders gefährdet galten, deutet der Oberbefehlshaber an, dass die Herausforderungen heute das gesamte Bündnisgebiet betreffen. Für deutsche Leser bedeutet das, dass die Sicherheitslage nicht mehr nur ein Thema der östlichen Mitgliedstaaten ist.

Der Befehlshaber zeigte sich überzeugt von seinen aktuellen Kompetenzen und gab an, über das Notwendige zu verfügen, um Maßnahmen zur Abschreckung jeglicher Aggression gegen das Bündnis zu ergreifen. Abschreckung gilt in der NATO-Strategie als zentrales Element, um potenzielle Angreifer von einem militärischen Vorgehen abzuhalten. Grynkewich signalisiert damit, dass er die ihm zur Verfügung stehenden Mittel trotz der angekündigten Einschränkungen der US-Unterstützung als ausreichend erachtet.

Die Aussagen des SACEUR fallen in eine Phase, in der die Lastenteilung innerhalb der NATO seit Jahren intensiv diskutiert wird. Europäische Staaten stehen vor der Aufgabe, ihre Verteidigungsausgaben und Fähigkeiten auszubauen, während die USA ihre Prioritäten neu ausrichten. Der Kommandowechsel in Norfolk — von einem US-Vizeadmiral zu einem britischen Heeresgeneral — fügt sich in dieses Bild einer schrittweisen Verschiebung von Verantwortung innerhalb der Allianz.

Für Anleger und Beobachter der europäischen Verteidigungsindustrie sind solche Signale relevant, weil sie die Richtung künftiger Beschaffungs- und Modernisierungsvorhaben mitbestimmen. Grynkewich hat mit seinen Äußerungen klargestellt, dass die USA zwar weiterhin kritische Fähigkeiten bereitstellen, Europa aber zugleich mehr Eigenverantwortung übernehmen soll. Wie sich dieses Zusammenspiel konkret entwickelt, hängt auch vom Ausgang der noch laufenden Überprüfung der US-Truppenstationierungen ab, für die der Oberbefehlshaber ausdrücklich kein festgelegtes Ergebnis nannte.

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