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EUDEX in Essen: Neue Drohnenabwehr trifft auf zivile Sicherheitstechnik

Erstmals findet die EUDEX in Essen statt und zeigt, wie Militär und zivile Gefahrenabwehr beim Drohnenschutz zusammenwachsen.

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EUDEX in Essen: Neue Drohnenabwehr trifft auf zivile Sicherheitstechnik

Auf dem Essener Messegelände startet mit der EUDEX (Euro Defence Expo) eine neue Verteidigungsmesse. Sie läuft parallel zur Security Essen und führt erstmals militärische Verteidigung, zivile Gefahrenabwehr und den Schutz kritischer Infrastruktur auf einer gemeinsamen Plattform zusammen. Inhaltliche Schwerpunkte bilden die Ausrüstung von Landstreitkräften, Cyber-Security und die Drohnentechnik. Damit rückt ein Thema in den Mittelpunkt, das sowohl Streitkräfte als auch Betreiber ziviler Einrichtungen beschäftigt.

Der Hintergrund ist konkret: Flughäfen, Kraftwerke und Großveranstaltungen sollen besser vor Drohnen geschützt werden. Dabei stellt sich die Frage, wie sich kleine Angriffsdrohnen abfangen lassen, ohne teure Abwehrraketen zu verschließen. Die Bekämpfung günstiger Angriffsdrohnen mit klassischer Flugabwehr gilt wirtschaftlich als problematisch – ein teures Geschoss gegen einen billigen Flugkörper rechnet sich kaum. Genau an dieser Stelle setzen mehrere Neuentwicklungen an, die auf der Messe zu sehen sind.

Drohnen mit der Kralle einfangen

Ein Beispiel ist das Start-up Hybrid Aerospace, das seine Jägerdrohne Greif präsentiert. Das nur 2,7 Kilogramm schwere System verfügt über eine mechanische Kralle und fängt fremde Drohnen ein, statt sie abzuschießen oder zu sprengen. Geschäftsführer Ralf Schmidt erklärt den Ansatz: "Ein wesentlicher Vorteil unseres Systems ist, dass beim Einfangen der Drohne keine Trümmer entstehen. Dadurch können unbeteiligte Personen und fremdes Eigentum geschützt werden. Gleichzeitig bleibt die eingefangene Drohne weitgehend unbeschädigt, sodass sie anschließend forensisch untersucht und beispielsweise zur Ermittlung der Verantwortlichen ausgewertet werden kann".

Für Betreiber kritischer Infrastruktur ist dieser forensische Aspekt nicht nebensächlich. Wer einen Drohnenzwischenfall aufklären will, benötigt verwertbares Material – ein zerstörtes Fluggerät liefert deutlich weniger Hinweise als ein intaktes. Zudem sinkt das Risiko, dass herabfallende Trümmer über dicht besiedelten oder sensiblen Bereichen Schaden anrichten.

perdix und der Abfangflugkörper PX75

Ein zweites System stellt sein Debüt auf der EUDEX: perdix, entwickelt von irisnet gemeinsam mit tms (Bonner technisch-mathematische studiengesellschaft). perdix besteht aus einer Basisstation mit KI-Sensoren und dem Abfangflugkörper PX75. Der PX75 bringt eine eigene Sensorik mit und soll anfliegende Drohnen gezielt zerstören. tms-Geschäftsführer Ingo Beckmann ordnet das Produkt ein: "Unsere Lenkrakete ist die wirtschaftliche Antwort auf kostengünstige Angriffsdrohnen. Mit der PX75 tragen wir zu einer mehrschichtigen Verteidigung gegen Bedrohungen aus der Luft auf der untersten Ebene bei, indem wir tief fliegende Drohnen präzise abfangen – und das mit vergleichsweise geringen negativen Auswirkungen am Boden."

Damit beschreiben die beiden Ansätze zwei unterschiedliche Strategien: das Einfangen bei voller Unversehrtheit und das gezielte Zerstören anfliegender Flugkörper. Beide zielen darauf, die unterste Verteidigungsebene abzudecken, die klassische Flugabwehr nur unwirtschaftlich bedienen kann.

Luftraumüberwachung mit hensec

Ergänzt wird das Feld durch hensec, ein System zur Luftraumüberwachung. Es erkennt Drohnen, Flugzeuge, Hubschrauber und Vögel. Darüber hinaus identifiziert hensec Störungen von Satellitennavigationssystemen. Technisch kombiniert die Lösung Funkdetektion, passives Radar, Radiotelemetrie und die Überwachung von GNSS-Signalen. Laut Hersteller arbeitet hensec vollständig passiv – ein Merkmal, das für den Betrieb im sensiblen Umfeld von Flughäfen und Kraftwerken relevant ist, weil passive Sensoren selbst keine Signale aussenden.

Neben diesen spektakulären Drohnenprojekten zeigt die Messe weitere Sicherheitstechnik. Auf einem geförderten Gemeinschaftsstand sind 13 junge deutsche Unternehmen vertreten. Auch das Bundeswirtschaftsministerium zählt zu den beteiligten Akteuren. Vertreten ist zudem Kamera-Technik, die per KI Marke, Modell, Fahrzeugtyp und Farbe erkennt – eine Fähigkeit, die bei der automatisierten Überwachung von Zufahrten und Sicherheitsbereichen ansetzt.

Warum die Messe für Anleger interessant ist

Für die beteiligten Firmen ist die EUDEX vor allem eine Kontaktbörse. Sie bietet Gelegenheit für Gespräche mit Behörden, Streitkräften und Investoren – jenen Gruppen also, die über Beschaffung und Finanzierung entscheiden. Wer als Privatanleger den Sektor beobachtet, findet hier ein Schaufenster junger, teils geförderter Unternehmen, die sich im Umfeld von Verteidigung und ziviler Sicherheit positionieren.

Die Bündelung von militärischer Verteidigung und ziviler Gefahrenabwehr auf einer Messe spiegelt einen Trend: Der Schutz vor Drohnen ist längst keine reine Militäraufgabe mehr. Betreiber von Flughäfen, Energieanlagen und Veranstaltungsstätten suchen nach bezahlbaren Lösungen, während Start-ups und etablierte Anbieter um diese Nachfrage konkurrieren. Ob sich die vorgestellten Systeme durchsetzen, entscheidet sich nicht auf dem Messestand, sondern bei Ausschreibungen, Zulassungen und im praktischen Betrieb.

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