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Drohnen-Spezialist Tekever verfünffacht Bewertung auf 6,4 Milliarden Dollar

Portugiesischer Drohnenhersteller sammelt 580 Mio. Dollar ein und festigt Status als europäisches Defence-Start-up.

4 Min
Drohnen-Spezialist Tekever verfünffacht Bewertung auf 6,4 Milliarden Dollar

Der portugiesische Drohnen-Spezialist Tekever hat seine Bewertung nach einer neuen Finanzierungsrunde auf 6,4 Milliarden US-Dollar vervielfacht. Das Unternehmen gab am Mittwoch die erste Schließung seiner neuesten Finanzierungsrunde bekannt, die insgesamt 580 Millionen US-Dollar umfasst. Damit hat sich der Wert des Defence-Start-ups im Vergleich zur vorherigen Runde etwa verfünffacht.

Die Finanzierungsrunde wird gemeinsam von UC Investments, dem Endowment- und Pensionsfonds der University of California mit einem verwalteten Vermögen von 150 Milliarden US-Dollar, sowie von Baillie Gifford angeführt. Es handelt sich um die erste direkte Investition von UC Investments in Europa. Zu den weiteren neuen Unterstützern zählt Merlyn Advisors, ein in London ansässiger Fonds, zu dessen Portfolio-Managern der ehemalige britische Verteidigungsminister Ben Wallace gehört.

Tekever zählt damit zu den wertvollsten europäischen Defence-Tech-Start-ups. Private Investitionen fließen weiterhin stark in den Sektor, obwohl europäische Regierungen ihre Militärausgaben erhöhen. Gleichzeitig bestehen Bedenken hinsichtlich überhöhter Bewertungen, insbesondere im Bereich der Drohnenentwicklung.

Die Details

Tekever wurde 2001 in Portugal gegründet und begann mit der Softwareentwicklung, bevor das Unternehmen in den Bereich Überwachungs- und Aufklärungsdrohnen wechselte. Die Drohnen des Unternehmens werden für maritime Überwachung eingesetzt – Tekever hat Verträge mit dem britischen Innenministerium und der Europäischen Agentur für die Sicherheit des Seeverkehrs gewonnen. Zudem kommen die Systeme auf dem Schlachtfeld in der Ukraine zum Einsatz.

Das Unternehmen legt keine Umsatzzahlen offen, erklärte aber zuvor, dass es seit mehr als sechs Jahren profitabel sei. Die neue Runde brachte die Bewertung auf etwa das Fünffache der vorherigen Bewertung. Tekever baut derzeit eine Drohnenfabrik in Swindon, unweit von London, und wurde kürzlich ausgewählt, „Spionagedrohnen“ für die britische Armee unter einem Vertrag im Wert von bis zu 400 Millionen Pfund zu liefern. Im Rahmen dieses Vertrags mit dem Verteidigungsministerium wird Tekever seine AR5-Drohnen an Soldaten bereitstellen, um ihnen einen besseren Überblick über Bedrohungen auf dem Schlachtfeld zu verschaffen. Die Drohnen ersetzen die alternde Flotte der Watchkeeper-Flugzeuge der Armee.

Ricardo Mendes, Chief Executive von Tekever, sagte gegenüber der Financial Times: „Das Unternehmen expandiert [geografisch] in mehrere Länder sowie aus Produktsicht. M&A ist ebenfalls ein sehr wichtiger Bestandteil davon.“ Mendes bezeichnete die Unterstützung durch UC Investments als eine „starke Bestätigung“ der „Technologie, unseres Teams und unserer langfristigen Vision“. Der Fonds habe nicht nur tiefe Wurzeln in „Wissenschaft und Technologie“, sondern sei auf den „sehr langen Zeitraum“ ausgerichtet und sei „kein US-Investor“. „Wir glauben, dass es langfristig sehr wichtig ist, eine großartige Beziehung zwischen Europa und den USA zu haben, auch wenn es gelegentlich Herausforderungen gibt“, fügte er hinzu.

Jagdeep Singh Bachher, Chief Investment Officer der University of California, sagte, dass der Fonds nach Unternehmen mit „sowohl technischer Tiefe als auch der Fähigkeit zur skalierbaren Umsetzung“ suche.

Hintergrund: Was bisher geschah

Der europäische Defence-Tech-Sektor erlebt seit Monaten einen regelrechten Boom. Bereits am 2. Juli 2026 berichtete aktien.news, dass das deutsche Unternehmen Quantum Systems eine Finanzierungsrunde in Höhe von 1,2 Milliarden US-Dollar bei einer Bewertung von rund 8 Milliarden US-Dollar abgeschlossen hatte. Quantum Systems ist in München ansässig und zählt ebenfalls zu den führenden europäischen Drohnenherstellern.

Am 13. Februar 2026 berichtete aktien.news über das deutsche Verteidigungs-Start-up Stark Defence, das sich eine Bewertung von über einer Milliarde Euro gesichert hatte. Das auf Drohnentechnologie spezialisierte Unternehmen erreichte diesen Meilenstein durch eine Finanzierungsrunde und stieg damit in den exklusiven Kreis der deutschen Unicorns auf. Die genaue Bewertung lag bei 1,2 Milliarden US-Dollar.

Ebenfalls am 13. Februar 2026 berichtete aktien.news, dass Quantum Systems eine Finanzierung von 150 Millionen Euro erhalten hatte. Die Europäische Investitionsbank (EIB) steuerte als Hauptgeldgeber 70 Millionen Euro bei, flankiert von der KfW, der Commerzbank und der Deutschen Bank. Die Firmenbewertung von Quantum Systems überschritt 2025 die Drei-Milliarden-Euro-Marke.

Am 17. März 2026 berichtete aktien.news über Cambridge Aerospace, ein britisches Drohnen-Start-up, das sich in fortgeschrittenen Finanzierungsgesprächen befand und eine Bewertung von mehr als einer Milliarde US-Dollar anstrebte. Das erst 2024 gegründete Unternehmen plant, rund 200 Millionen US-Dollar in einer neuen Finanzierungsrunde einzusammeln und hat sich auf Abfangsysteme gegen Drohnen spezialisiert.

Was das für Anleger bedeutet

Die Entwicklung von Tekever zeigt, dass private Investoren weiterhin massiv Kapital in europäische Defence-Tech-Unternehmen pumpen. Die Bewertungssprünge sind enorm: Tekever hat seinen Wert innerhalb einer Finanzierungsrunde verfünffacht. Quantum Systems verachtfachte seinen Wert im Vergleich zum Vorjahr. Solche Multiplikatoren sind im klassischen Aktienmarkt kaum zu finden.

Für Privatanleger ist jedoch Vorsicht geboten. Die Unternehmen sind nicht börsennotiert, sodass ein direkter Einstieg nicht möglich ist. Zudem weisen Experten auf überhöhte Bewertungen hin, insbesondere im Drohnenbereich. Tekever selbst legt keine Umsatzzahlen offen, was eine fundamentale Bewertung erschwert. Das Unternehmen gibt lediglich an, seit mehr als sechs Jahren profitabel zu sein.

Die strategische Bedeutung der Branche ist unbestritten. Die Aufträge von Regierungen – wie der 400-Millionen-Pfund-Vertrag von Tekever mit dem britischen Verteidigungsministerium – zeigen, dass die Nachfrage nach Drohnensystemen anhält. Die geografische Expansion und M&A-Aktivitäten, die CEO Mendes ankündigte, könnten das Wachstum weiter beschleunigen.

Ausblick

Tekever baut derzeit eine Drohnenfabrik in Swindon, Großbritannien, und wird im Rahmen des Vertrags mit dem britischen Verteidigungsministerium seine AR5-Drohnen an die Armee liefern. CEO Ricardo Mendes kündigte an, dass das Unternehmen geografisch in mehrere Länder expandieren und auch M&A-Aktivitäten vorantreiben werde. Die neue Finanzierungsrunde mit 580 Millionen US-Dollar verschafft Tekever dafür erhebliche finanzielle Mittel.

Kurz erklärt

  • Defence-Tech: Technologieunternehmen, die Produkte und Dienstleistungen für den Verteidigungs- und Militärsektor entwickeln.
  • Unicorn: Bezeichnung für ein nicht börsennotiertes Start-up-Unternehmen mit einer Bewertung von über einer Milliarde US-Dollar.
  • Endowment-Fonds: Ein Fonds, der aus Stiftungs- und Spendenmitteln besteht und langfristig angelegt wird, meist von Universitäten oder gemeinnützigen Organisationen.
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