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Nasdaq auf Rekordhoch: Kann der KI-Boom weiter anhalten?

Der Technologieindex überschreitet erstmals die 24.000-Punkte-Marke – angetrieben von starken KI-Ausgaben und nachlassenden Geopolitik-Sorgen.

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Nasdaq auf Rekordhoch: Kann der KI-Boom weiter anhalten?

Der Nasdaq Composite hat am Mittwoch ein neues Allzeithoch markiert und damit eine mehr als fünfmonatige Orientierungslosigkeit beendet. Der Index stieg um mehr als 1,5 Prozent und schloss erstmals in seiner Geschichte über der Marke von 24.000 Punkten – und übertraf damit seinen bisherigen Rekord vom Ende Oktober. Anleger schöpften wieder Mut, nachdem die Unsicherheiten rund um den Krieg im Iran in den Hintergrund rückten.

Bereits in den Wochen zuvor hatte der Technologiesektor seine Stärke unter Beweis gestellt. Von Ende Februar bis zum Börsenschluss am Dienstag legten Tech-Aktien um knapp 6 Prozent zu – und damit fast viermal so stark wie der breite S&P 500 im gleichen Zeitraum. Der Sektor war damit die am besten performende Branche seit Beginn des Iran-Konflikts.

Geopolitik weicht KI-Optimismus

Der Krieg im Iran und der damit verbundene Ölschock hatten zeitweise den seit drei Jahren laufenden Bullenmarkt bedroht, der maßgeblich durch Investitionen in künstliche Intelligenz befeuert wird. Mit wachsender Zuversicht, dass der Konflikt abklingt, kehrte der Risikoappetit der Anleger zurück. „Der Markt suchte nach einem Grund für einen Anstieg und fand ihn, sobald es Anzeichen dafür gab, dass ein Deal noch möglich sein könnte", erklärte Shay Boloor, Chef-Marktstratege bei Futurum Equities.

Boloor ergänzte: „Die Tatsache, dass die Nasdaq wieder auf Allzeithochs steht, zeigt, dass die Anleger weiterhin bereit sind, über geopolitischen Lärm hinwegzusehen, wenn der Gewinnmotor hinter dem KI-Zyklus so stark bleibt." Diese Einschätzung spiegelt die breite Marktmeinung wider: Solange die KI-Investitionen fließen, bleibt der Technologiesektor das Herzstück der Rally.

Die Fundamentaldaten geben den Bullen Rückendeckung. Laut Jeff Buchbinder, Chef-Aktienstratege bei LPL Financial, sind die Gewinnschätzungen für den Tech-Sektor seit Beginn des Krieges um 6 Prozent gestiegen. Analysten prognostizieren zudem, dass der Sektor seine Gewinne im letzten Quartal um satte 44 Prozent gesteigert hat. „Es wurde erwartet, dass die Gewinne kräftig wachsen würden, aber die Analysten haben die Ertragskraft des Sektors erneut unterschätzt", schrieb Buchbinder.

Attraktive Bewertungen nach dem Kursrückgang

Interessant für Anleger: Während die Gewinnschätzungen im vergangenen Monat stiegen, fielen die Aktienkurse aufgrund der Iran-Sorgen. Das schuf attraktive Einstiegsgelegenheiten. Selbst nach zwei Wochen mit Kursgewinnen wird der Technologiesektor derzeit mit einem Aufschlag von lediglich 8 Prozent gegenüber dem S&P 500 gehandelt – „etwa im Einklang mit dem langfristigen Durchschnitt und angesichts der starken Aussichten für das Gewinnwachstum immer noch attraktiv", so Buchbinder.

Savita Subramanian von der Bank of America sieht den Sektor nach dem Einbruch im letzten Monat als „reich an idiosynkratischen Chancen". Anleger hätten Tech-Aktien pauschal verkauft, nur weil es sich um Tech handelte – und dabei wahrscheinlich das Kind mit dem Bade ausgeschüttet. Selektive Investoren konnten so Aktien zu günstigen Preisen erwerben.

Berichtssaison als nächster Katalysator

Die Quartalssaison für das erste Quartal, die Ende des Monats richtig Fahrt aufnehmen wird, könnte weitere Klarheit bringen. Besonders im Fokus stehen dabei:

Softwareunternehmen

: Ihre Aktien litten unter Sorgen, dass KI-Agenten die Branchenökonomie verändern könnten. Morgan Stanley sieht jedoch nach Gesprächen mit Branchenkontakten ein „gesundes Nachfrageumfeld im ersten Quartal und vorsichtigen Optimismus für 2026" – insbesondere für Infrastruktur-Softwareanbieter wie Datadog (DDOG) und Palantir (PLTR). -

Speicherchiphersteller

: Deren Aktien sind inmitten eines durch die boomende Rechenzentrum-Nachfrage verschärften Versorgungsengpasses stark gestiegen. -

Big-Tech-Investitionsausgaben (Capex)

: Anleger wollen sicherstellen, dass der Ausbau der Rechenzentren trotz des Krieges nicht ins Stocken geraten ist.

Warnsignale am Horizont: Droht eine KI-Blase?

Nicht alle Marktteilnehmer sind uneingeschränkt optimistisch. Die Berichtssaison könnte die Debatte um eine mögliche KI-Blase neu entfachen. Ein besonders auffälliges Warnsignal lieferte diese Woche der insolvente Schuhhersteller Allbirds (BIRD): Dessen Aktie schoss am Mittwoch um fast 600 Prozent in die Höhe, nachdem das Unternehmen angekündigt hatte, ein KI-Infrastrukturunternehmen werden zu wollen.

Mark Malek, Chief Investment Officer bei Siebert Financial, kommentierte das scharf: „Wenn ein Unternehmen, das seine Schuhmarke für 39 Millionen Dollar verkauft hat, in einer einzigen Handelssitzung 127 Millionen Dollar an Marktkapitalisierung hinzugewinnen kann, nur indem es einen Schwenk zum GPU-Leasing ankündigt, dann bewertet der Markt nicht das Risiko. Er bewertet das Narrativ." Malek zog dabei einen direkten Vergleich zur Dotcom-Blase der 1990er Jahre: „Er bewertet das Wort ‚KI' genauso, wie er einst das Wort ‚Blockchain' und davor das Suffix ‚.com' bewertet hat."

Für deutsche Privatanleger bleibt die Lage damit zweigeteilt: Die fundamentalen Treiber des KI-Booms – steigende Unternehmensgewinne, robuste Investitionsausgaben und wachsende Nachfrage nach Rechenkapazität – erscheinen solide. Gleichzeitig mahnen spekulative Ausreißer wie der Allbirds-Kurssprung zur Vorsicht und erinnern daran, dass in Euphoriephasen auch Risiken entstehen, die sich nicht immer sofort in den Kursen widerspiegeln.

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