„NACHO"-Trade: Wall Street wettet auf Ölpreise und Inflation
Ein neues Akronym macht an der Wall Street die Runde – und es hat mit der Straße von Hormus zu tun.

Die Wall Street liebt Akronyme – und das neueste trägt einen kulinarischen Namen: „NACHO". Die Abkürzung steht für „Not a chance Hormuz opens" – zu Deutsch: „Keine Chance, dass die Straße von Hormus sich öffnet". Händler und Strategen setzen damit auf dauerhaft höhere Ölpreise und eine anhaltende Inflation, während der Ölpreis nahe der Marke von 100 US-Dollar pro Barrel verharrt.
Das Akronym kursiert derzeit unter Marktteilnehmern an der Wall Street und spiegelt eine wachsende Überzeugung wider: Die geopolitischen Spannungen rund um die strategisch bedeutsame Meerenge von Hormus werden nicht so schnell nachlassen. Durch diese Wasserstraße zwischen dem Iran und Oman fließt ein erheblicher Teil des weltweiten Ölhandels – eine Blockade oder Einschränkung hätte massive Auswirkungen auf die globalen Energiemärkte.
Auch der Nobelpreisträger und Ökonom Paul Krugman hat das Akronym aufgegriffen. In einem aktuellen Beitrag auf seiner Substack-Plattform nahm er Bezug auf den „NACHO"-Trade und dessen Bedeutung für die Markterwartungen rund um Ölpreise und Inflation.
Von „TACO" zu „NACHO": Wall Streets Vorliebe für Akronyme
Der „NACHO"-Trade ist nicht das erste Akronym dieser Art, das an den Finanzmärkten für Aufsehen sorgt. Vor rund einem Jahr machte „TACO" die Runde – die Abkürzung steht für „Trump always chickens out". Was zunächst als viraler Witz begann, entwickelte sich schnell zu einer ernsthaften Handelsstrategie und Einnahmequelle für Marktteilnehmer.
Nun folgt „NACHO" als Nachfolger – ebenfalls von der mexikanischen Küche inspiriert, ebenfalls mit einem klaren geopolitischen Hintergrund. Der Renditeabstand zwischen kurz- und langfristigen Anleihen hat sich derweil verengt, was auf veränderte Inflations- und Zinserwartungen am Markt hindeutet.
Was bedeutet das für Anleger?
Für deutsche Privatanleger ist der „NACHO"-Trade vor allem als Stimmungsindikator relevant. Er zeigt, dass ein wachsender Teil der Wall-Street-Akteure nicht mit einer schnellen Entspannung der geopolitischen Lage rund um den Persischen Golf rechnet. Die Konsequenz: anhaltend hohe Energiepreise und damit verbundener Inflationsdruck.
Die Verengung des Renditeabstands zwischen kurz- und langfristigen Anleihen – auch als Spread bezeichnet – ist dabei ein wichtiges Signal. Sie deutet darauf hin, dass Marktteilnehmer ihre Erwartungen an Zinssenkungen möglicherweise zurückschrauben, wenn die Inflation durch hohe Ölpreise unter Druck bleibt.
Ob sich „NACHO" ähnlich wie „TACO" zu einem ernsthaften Marktphänomen entwickelt, bleibt abzuwarten. Fest steht: Die Wall Street beobachtet die Lage rund um die Straße von Hormus genau – und hat dafür bereits einen eingängigen Namen gefunden.
