Morgan Stanley wettet vor britischem Haushalt gegen das Pfund
Die US-Investmentbank eröffnet eine Short-Position in GBP/USD und sieht zu geringe Fiskalrisiken im Kurs eingepreist.

Morgan Stanley hat eine Short-Position im britischen Pfund gegenüber dem US-Dollar eröffnet. Die Bank empfahl den Einstieg in die GBP/USD-Short-Position bei einem Kurs von 1,3220 – mit einem Kursziel von 1,2850 und einem Stop-Loss bei 1,3350. Hintergrund ist der britische Haushaltsplan, der am 28. Oktober vorgestellt werden soll.
Die Devisenstrategen der Bank begründen den Trade als Absicherung gegen einen „Anstieg der GBP-negativen Risikoprämie". „Das Pfund scheint im Vorfeld des Herbsthaushalts zu wenig britische Fiskalrisiken einzupreisen", schrieb das Team unter der Leitung von Bruna Skarica. Morgan Stanley erwartet insgesamt einen „unauffälligen" Haushalt, der die fiskalische Konsolidierung leicht verzögert.
Fiskalischer Spielraum deutlich geschrumpft
Ein zentrales Argument der Strategen ist der stark gesunkene Haushaltsspielraum der britischen Finanzministerin. Dieser ist laut Morgan Stanley von 24 Milliarden Pfund im März auf nur noch 8 Milliarden Pfund geschrumpft – hauptsächlich wegen gestiegener Renditen auf britische Staatsanleihen, sogenannte Gilts. Um den Spielraum wieder auf 15 Milliarden Pfund anzuheben, rechnet die Bank mit einnahmesteigernden Maßnahmen von ebenfalls 15 Milliarden Pfund, überwiegend durch Steuererhöhungen.
Zusätzlich geht Morgan Stanley von einem dauerhaften Anstieg der laufenden Ausgaben um 8 Milliarden Pfund aus. Als Ursachen nennt die Bank höhere Inflation sowie Maßnahmen zur Bewältigung der Lebenshaltungskostenkrise. In der Summe prognostiziert Morgan Stanley für das nächste Jahr ein Gesamtdefizit von 3,7 Prozent des BIP – das sind 0,7 Prozentpunkte mehr als noch im März, wobei rund 0,5 Punkte allein auf Schuldendienstkosten entfallen.
Die Bank erwartet zudem eine durchschnittliche Erhöhung des Barbedarfs um 15 Milliarden Pfund über die nächsten drei Geschäftsjahre. Im laufenden Jahr dürfte sich der Bedarf jedoch nur geringfügig verändern. Wichtige mittelfristige Entscheidungen werden voraussichtlich auf die Überprüfung der Staatsausgaben im nächsten Jahr verschoben.
Hohe Ausgabenlasten in der mittelfristigen Planung
Im Rahmen der kommenden Spending Review zeichnen sich erhebliche Ausgabenverpflichtungen ab. Laut Morgan Stanley werden rund 11 Milliarden Pfund benötigt, um die Verteidigungsausgaben auf 3 Prozent des BIP anzuheben. Weitere 13,5 Milliarden Pfund wären nötig, um reale Kürzungen in nicht geschützten Ministerien zu verhindern.
Die Strategen betonen, dass die Risiken für den Haushalt nach unten gerichtet sind – was eine weniger unmittelbare Konsolidierung oder einen geringeren fiskalischen Spielraum bedeuten würde. Das plausibelste Aufwärtsszenario wäre ein aggressiveres Vorgehen gegen die Kerninflation kombiniert mit Ausgabenstopps im ersten Jahr.
Als strukturelles Risiko heben die Strategen hervor, dass Großbritannien stark auf ausländische Kapitalzuflüsse angewiesen ist. Die Finanzpläne stehen nach früheren negativen Überraschungen bei der Kreditaufnahme weiterhin unter genauer Beobachtung der Märkte.
Auswirkungen auf Gilts und britische Aktien
Auch für den Anleihenmarkt sehen die Zinsstrategen von Morgan Stanley leichte Abwärtsrisiken für Gilts. Diese ergeben sich aus der verzögerten Konsolidierung und dem höheren Angebot an Staatsanleihen. Allerdings könnte sich dies eher in den Swap-Spreads als in den direkten Renditen niederschlagen. Der Bruttofinanzierungsbedarf dürfte im nächsten Jahr um rund 60 Milliarden Pfund steigen.
Für den britischen Aktienmarkt sehen die Aktienstrategen der Bank hingegen begrenzte Risiken. Die steuerlichen Risiken für Banken seien weitgehend eingepreist. Morgan Stanley betrachtet Großbritannien dabei eher als einen Bottom-up- und sektorgetriebenen Markt und weniger als eine rein inländische Makro-Wette.
