Morgan Stanley sieht Lockheed Martin nach Pentagon-Deal fast 40 Prozent höher
Die Investmentbank stuft den Rüstungskonzern auf „Overweight" hoch und erhöht das Kursziel von 690 auf 835 US-Dollar.

Lockheed Martin könnte nach Einschätzung von Morgan Stanley deutlich an Wert gewinnen. Die Investmentbank hob die Aktie des US-Rüstungskonzerns von „Equal Weight" (Neutral) auf „Overweight" (Kauf) an und erhöhte zugleich ihr Kursziel von 690 auf 835 US-Dollar. Das neue Ziel deutet eine Aufwärtsentwicklung von 38 Prozent gegenüber dem Schlusskurs am Freitag an.
Auslöser der Hochstufung ist ein zehnjähriges Rahmenwerk, das Lockheed Martin in der vergangenen Woche mit der US-Regierung zur Produktion des Stealth-Kampfflugzeugs F-35 Lightning II vereinbart hat. Morgan-Stanley-Analystin Kristine Liwag schrieb in einer Notiz an Kunden, dieser Schritt „nimmt der Aktie erhebliche Risiken". Die Vereinbarung stellt aus Sicht der Analystin ein „signifikantes Derisking-Ereignis" für die Aktie dar.
Zuvor hatte die Aktie unter Bedenken gelitten, der F-35 könnte im US-Verteidigungshaushalt als „Zahler" fungieren müssen, um die Expansion der Raketenbestände zu finanzieren. Diese Sorge ist mit dem langfristigen Produktionsrahmen offenbar vom Tisch. Für Anleger ist das insofern relevant, als der F-35 das größte Umsatzprogramm des Konzerns ist und Planungssicherheit über zehn Jahre einen wesentlichen Bewertungsfaktor darstellt.
Die Details
Neben dem Kursziel und der Hochstufung liefert Liwag konkrete Hinweise zur operativen Entwicklung. „Die Hochlaufphase bei Raketen verläuft im Plan, was ein Wachstum im mittleren zweistelligen Bereich [bei Raketen und Feuerleitsystemen] antreibt und Upside-Potenzial bietet", so die Analystin. Das Segment Raketen und Feuerleitsysteme gewinnt damit neben dem Kampfflugzeuggeschäft an Bedeutung für die Ertragsentwicklung.
Rückenwind kam zuletzt auch von den Quartalszahlen. Lockheed Martin berichtete am Donnerstag über Drittquartalszahlen, die die Erwartungen der Analysten übertroffen hatten. Die Aktien kletterten an diesem Tag um nahezu 7 Prozent und schlossen die vorige Woche mit einem Plus von mehr als 9 Prozent ab. Liwag verwies darauf, dass „die Ergebnisse für das dritte Quartal 2026 zudem positive Signale zum Produktionshochlauf bei LMTs Munitionsgeschäft" lieferten.
Ein weiterer Punkt in der Analyse betrifft die Lieferkette. Liwag wies darauf hin, dass die Partnerschaften von Lockheed Martin mit neuen Akteuren der Verteidigungstechnologie, darunter Hadrian, eine schnellere Produktion ermöglichen und das Unternehmen vor Störungen durch neuere Rüstungshersteller schützen könnten. Der Konzern sichert sich damit Kapazitäten und Know-how außerhalb der klassischen Zulieferstrukturen.
Mit der Hochstufung liegt Morgan Stanley im Einklang mit dem Konsens an der Wall Street. Von den 26 Analysten, die Lockheed Martin abdecken, empfehlen 13 den Kauf oder einen starken Kauf der Aktie, während 12 ein Halten empfehlen, wie Daten von LSEG zeigen. Die Aktien sind im Jahr 2026 bereits um 25 Prozent gestiegen.
Hintergrund: Was bisher geschah
Die aktuelle Entwicklung ist Teil einer längeren Serie positiver Nachrichten. Bereits am 29. Januar 2026 berichtete aktien.news, dass Lockheed Martin seine Prognose für 2026 deutlich angehoben hat und damit die Erwartungen der Analysten übertrifft. Das Unternehmen rechnete seinerzeit mit einem Umsatz zwischen 77,5 und 80 Milliarden US-Dollar, was über den Schätzungen von 77,83 Milliarden Dollar lag. Der Gewinn pro Aktie sollte zwischen 29,35 und 30,25 Dollar erreichen, verglichen mit den Erwartungen von 29,28 Dollar. Die Aktie legte im vorbörslichen Handel um 5,5 Prozent zu.
Am selben Tag meldete aktien.news weitere Details zu den Treibern dieses Ausblicks: Die anhaltenden Konflikte im Nahen Osten und der Russland-Ukraine-Krieg trieben die globale Nachfrage nach Waffensystemen in die Höhe. Lockheed profitierte dabei besonders von seinen Kampfjets F-35 und F-22, Tarnkappendrohnen sowie Sikorsky Black Hawk Hubschraubern.
Auch die Bewertung des Sektors durch Morgan Stanley war früh erkennbar. Bereits am 28. Januar 2026 berichtete aktien.news, dass die Bank Rolls-Royce und Rheinmetall als Top-Picks im Rüstungssektor führt. Analyst Ross Law erwartete damals, dass die meisten Unternehmen der Branche die Gewinnschätzungen erfüllen oder übertreffen werden, wobei er die Ausblicke der Unternehmensführungen für 2026 als wichtiger einstufte als die reinen Zahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr.
Im Sommer verdichteten sich die operativen Belege. Am 23. Juli 2026 berichtete aktien.news, dass Lockheed Martin im zweiten Quartal einen kräftigen Gewinnanstieg verzeichnete und die Erwartungen der Analysten übertraf. Gleichzeitig hob das Unternehmen seinen Ausblick für das Gesamtjahr an. Besonders bemerkenswert war damals der Auftragsbestand, der mit 230 Milliarden Dollar einen neuen Rekordwert erreichte.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger ist die Meldung in mehrfacher Hinsicht relevant. Erstens reduziert das zehnjährige Rahmenwerk mit der US-Regierung die politische Unsicherheit, die zuvor auf der Aktie lastete. Zweitens zeigt die Analyse, dass das Wachstum nicht mehr allein vom F-35 abhängt, sondern zunehmend auch vom Raketen- und Munitionsgeschäft getragen wird.
Drittens ist die Bewertungslücke ein Thema: Das neue Kursziel von 835 US-Dollar liegt 38 Prozent über dem Schlusskurs vom Freitag, während die Aktie im laufenden Jahr 2026 bereits um 25 Prozent zugelegt hat. Anleger sollten dabei berücksichtigen, dass ein Kursziel eine Einschätzung eines einzelnen Instituts darstellt und keine Garantie für die künftige Entwicklung ist.
Viertens lohnt ein Blick auf den Analystenkonsens: 13 von 26 Analysten empfehlen den Kauf oder einen starken Kauf, 12 ein Halten. Die Aktie ist damit mehrheitlich positiv, aber nicht unumstritten bewertet. Wer in den Sektor investieren möchte, sollte zudem beachten, dass Rüstungsaktien stark von Haushaltsentscheidungen und geopolitischen Lagen abhängen.
Ausblick
Konkrete Termine nennt die Quelle nicht. Im Fokus steht zunächst die Umsetzung des zehnjährigen Rahmenwerks zur F-35-Produktion sowie der weitere Hochlauf im Raketen- und Munitionsgeschäft, den Liwag als „im Plan" bezeichnet. Morgan Stanley erwartet in diesem Bereich ein Wachstum im mittleren zweistelligen Bereich.
Beobachtungspunkte bleiben die Quartalsberichte des Konzerns sowie die Frage, wie sich die Partnerschaften mit neuen Akteuren der Verteidigungstechnologie wie Hadrian in der Produktion niederschlagen. Für die Bewertung der Aktie dürfte entscheidend sein, ob die angekündigten Kapazitätserweiterungen tatsächlich in entsprechende Umsätze und Margen übersetzt werden.
Kurz erklärt
- Overweight: Eine Einstufung von Analysten, die eine überdurchschnittliche Kursentwicklung einer Aktie gegenüber dem Gesamtmarkt erwartet.
- Kursziel: Der von einem Analystenhaus erwartete Aktienkurs zu einem bestimmten künftigen Zeitpunkt.
- Derisking: Der Abbau von Risiken, etwa durch langfristige Verträge, die Unsicherheiten für ein Unternehmen verringern.
- Auftragsbestand: Die Summe der bereits verbindlich vereinbarten, aber noch nicht abgerechneten Aufträge eines Unternehmens.
