Monzo: Nubank-Übernahme für 10 Milliarden Pfund könnte UK stärken
Nubank hat Monzo mit einer Bewertung von 8 bis 10 Milliarden Pfund kontaktiert – parallel prüft die britische Digitalbank Kapitalbeschaffung.

Monzo ist im Vereinigten Königreich ein Begriff – außerhalb des Landes aber meist nur als Sponsor des Fußballvereins Coventry City bekannt. Nun könnte die britische Digitalbank selbst in die große Liga wechseln: Der brasilianische Online-Kreditgeber Nubank (Nu Holdings), an der New Yorker Börse notiert, hat Monzo laut mit der Angelegenheit vertrauten Personen bezüglich einer Übernahme angesprochen. Die Bewertung des britischen Unternehmens läge dabei zwischen 8 und 10 Milliarden Pfund.
Parallel hat Monzo nach Angaben aus dem Umfeld mit Private-Equity-Firmen über die Kapitalbeschaffung gesprochen, um eigenständig weitermachen zu können. Die Nachricht berührt damit zwei Themenfelder gleichzeitig: die Konsolidierung im europäischen Digitalbanking und die Frage, wie attraktiv der Londoner Finanzplatz für Technologieunternehmen noch ist.
Die Einschätzung stammt aus dem wöchentlichen Newsletter von Roula Khalaf, Herausgeberin der Financial Times, in der sie ihre favorisierten Geschichten vorstellt. Sie vergleicht Monzos Position mit der von Coventry City: ein kleines Team, das sich in der großen Liga behauptet hat. Eine Übernahmeofferte aus Brasilien könnte, so die Argumentation, einen faireren Wettbewerb ermöglichen.
Die Details
Im Zentrum stehen zwei Zahlen: Monzo wird in den Gesprächen mit 8 bis 10 Milliarden Pfund bewertet. Der an der New Yorker Börse notierte brasilianische Kreditgeber Nu hat die britische Bank nach Informationen der mit der Angelegenheit vertrauten Personen auf diesen Wert taxiert.
Auf der operativen Seite hat Monzo bis März 16 Millionen Kunden im Vereinigten Königreich gewonnen und rund 26 Milliarden Pfund an Einlagen gesammelt. Der Gewinn vor Steuern wächst deutlich. Allerdings betrachtet nur eine Minderheit der Kunden Monzo als ihre Hauptbank. Das Kreditportfolio belief sich im März auf lediglich 2,3 Milliarden Pfund – und dessen Ausbau wird viel Zeit und Geduld erfordern.
Strukturell klafft im britischen Bankensektor eine enorme Lücke zwischen den vier traditionellen Großbanken – Lloyds, NatWest, Barclays und HSBC – und dem Rest des Sektors. Die einzige Bank, die diese Lücke geschlossen hat, ist Santander, eine globale Gruppe, die eine Reihe von Akquisitionen durchgeführt hat.
Auf der Bewertungsseite notiert Nu an der US-Börse basierend auf Daten von S&P Capital IQ etwa zum Fünffachen des Buchwerts. Ein Preis von 8 Milliarden Pfund für Monzo würde denselben Multiplikator implizieren, zuzüglich eines Übernahmeaufschlags von 30 Prozent. Die britische Bank könnte dennoch argumentieren, einen höheren Preis fordern zu können, da sie über eine EU-Banklizenz verfügt, die ihr Optionen für künftiges Wachstum eröffnet.
Auch Nu hat einen Anreiz, einen attraktiven Preis zu zahlen – selbst wenn der Kursverlust seiner Aktien am Montagmorgen um 8 Prozent andeutet, dass Investoren noch überzeugt werden müssen. Zwar ist Nu dank eines Kreditportfolios von 39 Milliarden US-Dollar weitaus profitabler als Monzo, aber auch risikoreicher. Der Erwerb eines stabilen, einlagengesteuerten Geschäfts im Vereinigten Königreich könnte die Volatilität der lateinamerikanischen Märkte ausgleichen und damit die impliziten Kapitalkosten senken. Dies ähnelt dem Modell, das Spaniens Santander und BBVA verfolgt haben.
Eine Zusammenarbeit mit Nu könnte zudem Ressourcen bereitstellen und Monzos bestehenden Venture-Capital-Gebern eine unkomplizierte Exit-Möglichkeit bieten.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 26.09.2026 berichtete aktien.news, dass der brasilianische Digitalbanking-Riese Nubank sich bei Monzo nach einem möglichen Verkauf erkundigt habe. Zwei mit den Umständen vertraute Personen berichteten damals, dass sich das in London ansässige Unternehmen in frühen Gesprächen über eine Zusammenarbeit mit Nu Holdings befindet – der an der New Yorker Börse notierten Muttergesellschaft von Nubank. Über die Gespräche hatte am Samstagmorgen zunächst Sky News berichtet. Monzo lehnte eine Stellungnahme ab. Eine der Personen erklärte, eine Übernahme könnte durch eine Mischung aus Bargeld und Aktien erfolgen; Monzo würde in diesem Fall auf einen Wert zwischen 8 und 10 Milliarden Pfund geschätzt.
Der Deal fügt sich in eine Reihe von Entwicklungen ein, über die aktien.news zuletzt berichtet hat. Am 23.09.2026 beschrieb aktien.news ein Rennen der beiden wertvollsten digitalen Banken der Welt um den US-Markt: Revolut (Bewertung: 115 Milliarden US-Dollar) und Nubank (67 Milliarden US-Dollar) haben in diesem Jahr beide eine bedingte Genehmigung für US-Banklizenzen erhalten. Nubank startete sein Angebot bereits im September.
Am 24.09.2026 berichtete aktien.news über die Entscheidung des afrikanischen Mobilzahlungsunternehmens Airtel Money, sich im Vereinigten Königreich zu notieren – ein Schritt, der laut der Einschätzung von FT-Chefredakteurin Roula Khalaf verdeutlicht, wie der angeschlagene Londoner Aktienmarkt wieder an Relevanz gewinnen könnte. Und am 21.06.2026 beleuchtete aktien.news zehn Jahre nach dem Brexit-Votum den Zustand der City of London: Die Beschäftigung im Finanzdistrikt liegt nahe einem Allzeithoch, die Banken verzeichnen Rekordgewinne.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger ist die Transaktion vor allem ein Signal für die Bewertungslogik im Digitalbanking. Nu notiert an der US-Börse etwa zum Fünffachen des Buchwerts – dieser Multiplikator ist der Maßstab, an dem ein Monzo-Preis von 8 Milliarden Pfund gemessen wird. Der Aufschlag von 30 Prozent zeigt, wie stark der Markt Wachstum bei digitalen Banken honoriert.
Interessant ist der Risikomix: Nu ist deutlich profitabler, aber auch stärker den Schwankungen der lateinamerikanischen Märkte ausgesetzt. Ein einlagengestütztes Geschäft im Vereinigten Königreich würde diese Volatilität ausgleichen und die impliziten Kapitalkosten senken. Das ist ein klassisches Diversifikationsargument, wie es Santander und BBVA vorgemacht haben.
Gleichzeitig bleibt Monzo selbst angreifbar: Nur eine Minderheit der 16 Millionen Kunden nutzt die Bank als Hauptkonto, das Kreditportfolio ist mit 2,3 Milliarden Pfund im Verhältnis zur Einlagenbasis von 26 Milliarden Pfund klein. Genau hier liegt die Herausforderung für jeden Käufer.
Der Kursverlust von 8 Prozent bei Nu am Montagmorgen deutet darauf hin, dass die Investoren von der geplanten Transaktion noch nicht überzeugt sind. Ob eine Übernahme zustande kommt oder Monzo mit Private-Equity-Geld eigenständig bleibt, ist offen.
Ausblick
Jede potenzielle Übernahme eines britischen Unternehmens führt tendenziell zu Besorgnis über die Zukunft der Finanzmärkte des Landes. Monzo, das lange als potenzieller Kandidat für eine Notierung an der Londoner Börse galt, würde zweifellos neue Ängste bezüglich des Status der City of London schüren. Solche Befürchtungen könnten jedoch unbegründet sein: David Vélez, Chief Executive von Nu, hat zuvor erwogen, den rechtlichen Sitz der Gruppe ins Vereinigte Königreich zu verlegen; der Kauf einer britischen Bank würde ihm dafür weitere Gründe liefern.
Der Vergleich mit dem Fußball ist dabei nicht zufällig: Monzos Partnerschaft mit einem Premier-League-Verein gilt als treffend, da die Liga trotz des Zustroms ausländischer Gelder über die Jahre hinweg als ein englischer Erfolg gilt. Die Argumentation der FT-Herausgeberin läuft darauf hinaus, dass die City of London dasselbe sein könnte. Klein und kämpferisch zu sein, hat seine Reize – aber manchmal ist es schön, ab und zu tatsächlich zu gewinnen.
Kurz erklärt
- Übernahmeaufschlag: Zuschlag auf den Wert eines Unternehmens, den ein Käufer zahlt, um die Kontrolle zu erhalten.
- Buchwert: Der rechnerische Wert eines Unternehmens aus dem bilanziellen Eigenkapital.
- Einlagengeschäft: Bankmodell, das sich über Kundeneinlagen finanziert und dadurch weniger von den Kapitalmärkten abhängig ist.
- EU-Banklizenz: Zulassung, die es einem Institut erlaubt, im europäischen Binnenmarkt Bankdienstleistungen anzubieten.
- Venture-Capital-Geber: Investoren, die junge, wachstumsstarke Unternehmen mit Eigenkapital finanzieren.
