Moderna und Merck: Neues Spitzen-Duo im Kampf gegen Krebs
Kombination aus Keytruda und Hautkrebs-Impfstoff übertrifft erstmals die alleinige Standardtherapie.

Über dreißig Milliarden Dollar hat der US-Konzern Merck & Co. im vergangenen Jahr mit dem Krebspräparat Keytruda eingenommen. Es ist das mit Abstand umsatzstärkste Medikament der Welt. Der Wirkstoff Pembrolizumab verstärkt die Immunabwehr des Körpers und wirkt gegen Melanome sowie bestimmte Formen von Lungen- und Brustkrebs.
Seit 2014 ist Keytruda auf dem Markt, in Deutschland seit 2015. Das bedeutet, dass die Patente gegen Ende des Jahrzehnts auslaufen. Merck & Co. war daher schon länger auf der Suche nach einem Nachfolge-Präparat. Nun bringt die Kooperation mit dem US-Konzern Moderna neuen Schwung.
Beide Unternehmen gaben am Mittwoch bekannt, dass die Kombination von Mercks Keytruda mit dem Hautkrebs-Impfstoff von Moderna in vielen Fällen das Wiederauftreten von schwarzem Hautkrebs verhindert. Zudem kann die Ausbreitung des Tumors an anderen Stellen im Körper unterbunden werden. Die Aktien von Moderna und Merck schossen daraufhin nach oben.
Milliarden-Umsätze in Sicht
Längst sind Kooperationen und Kombinationstherapien in der Pharmaindustrie üblich. Viele Medikamenten-Hersteller entwickeln etwa die Hälfte ihrer neuen Medikamente mit Kooperationspartnern wie Biotech-Unternehmen oder anderen Pharma-Firmen. Zusammen nutzen sie Kapazitäten und Spezialwissen. Ein bekanntes Beispiel: Der US-Konzern Pfizer und Biontech aus Deutschland brachten gemeinsam den Corona-Impfstoff zum Erfolg.
Die Kooperation zwischen Moderna und Merck könnte nun eines der bedeutendsten Projekte in der Branche werden. Es ist das erste Mal, dass eine Kombinationstherapie die alleinige Behandlung mit Keytruda übertrifft. Ein weiterer Vorteil betrifft die Sicherheit: Bei der alleinigen Gabe von Keytruda können schwere Nebenwirkungen auftreten, inklusive Entzündungen von Organen. Bei der Kombination mit dem Hautkrebs-Impfstoff kamen jedoch keine neuen schweren Begleiterscheinungen hinzu.
Analysten bescheinigen der Zusammenarbeit gute Perspektiven. Die Barclays Bank prognostiziert für das Hautkrebs-Präparat bis 2035 einen Jahresumsatz von rund drei Milliarden Dollar. Wenn die Zulassung gelingt, könnte das Medikament im Jahr 2027 auf den Markt kommen. Zudem arbeiten Moderna und Merck auch bei weiteren Krebsimpfstoffen zusammen.
„Mit dieser positiven Studie gibt es die Hoffnung, dass diese Ansätze die Art und Weise, wie wir Krebs behandeln, umfassender verändern könnten“, erklärte der Mediziner Ryan Sullivan vom Mass General Brigham Cancer Institute in Boston.
Am Patentablauf von Keytruda ändert der Erfolg der Kombinationstherapie erst einmal nichts. Bereits jetzt arbeitet rund ein Dutzend Unternehmen, darunter Formycon aus Deutschland, an günstigeren Nachahmerpräparaten für Keytruda. Der Coup von Moderna und Merck dürfte ihre Anstrengungen nun noch beflügeln.
