Midterm-Wahlen: Warum die sechs Monate danach für Anleger zählen
Historisch ist der Zeitraum von November bis April die beste Phase im Präsidentschaftszyklus für den S&P 500.

Die Midterm-Wahlen in den USA sind vorbei – und für den Aktienmarkt dürften die Ergebnisse vom Dienstag kaum von Bedeutung sein. Das ist die zentrale Botschaft einer Analyse des US-Finanzportals The Motley Fool. Abgesehen von einer leicht erhöhten Marktschwankung sei nicht damit zu rechnen, dass der Ausgang der Wahl die Kursentwicklung nachhaltig prägt.
Deutlich wichtiger als das Wahlergebnis ist aus Sicht des Portals der Kalender. Historisch gesehen ist der sechsmonatige Zeitraum nach den Midterm-Wahlen – also von November des Wahljahres bis April des Folgejahres – die beste Phase im vierjährigen Präsidentschaftszyklus für den S&P 500. Diese Beobachtung stützt sich auf den Stock Trader's Almanac, der die Marktrenditen seit Jahrzehnten genau verfolgt.
Für Anleger bedeutet das vor allem eines: Es ist jetzt nicht die Zeit, aus dem Markt auszusteigen. Wer sein Portfolio auf Basis der Wahlergebnisse grundlegend umstrukturiert oder in die Sicherheit von Anleihen und anderen weniger risikobehafteten Anlageklassen wechselt, könnte einige der besten Gewinne verpassen, die der Markt zu bieten hat. Die gute Nachricht im Zusammenhang mit den Midterms hat also nichts damit zu tun, welche Partei die Oberhand gewonnen hat.
Der Vier-Jahres-Zyklus erklärt die Muster am Aktienmarkt
Die Theorie des Vier-Jahres-Präsidentschaftswahlzyklus besagt, dass der Aktienmarkt im Umfeld von Präsidentschaftsperioden ein relativ vorhersehbares Muster aufweist. In den ersten zwei Jahren im Amt konzentriert sich der neue Präsident auf Prioritäten wie Gesundheitswesen und Bildung, und die Performance des Marktes liegt unter dem Durchschnitt. Im dritten Jahr – genauer gesagt beginnend spät im zweiten Jahr, etwa zur Zeit der Midterm-Wahlen – konzentrieren sich Präsidenten oft darauf, die Wirtschaft anzukurbeln. Infolgedessen übertrifft der Markt das Vorjahr. Im vierten Jahr kehrt die Wahlanxiety zurück, und die Marktgewinne sinken erneut.
Für den Zeitraum von 1950 bis 2023 nennt die Analyse konkrete Durchschnittswerte für den S&P 500:
- Im ersten Jahr des Zyklus erzielt der Index durchschnittlich 7,9 % Gewinn.
- Im zweiten Jahr sinkt dies auf 4,6 %.
- Das dritte Jahr, das beste Jahr des Zyklus, verzeichnet einen durchschnittlichen Gewinn von 17,2 %.
- Im vierten Jahr, dem Jahr der nächsten Präsidentschaftswahl, liegen die Marktrenditen bei etwa 7,3 %.
Zum Vergleich: Die durchschnittliche jährliche Rendite des S&P 500 lag seit 1957 bei etwa 10 %. Es handelt sich also um Durchschnittswerte, doch das allgemeine Muster hat sich im Laufe der Zeit gut bewährt. Besonders attraktiv sind dabei die sechs Monate nach den Midterms.
Ein erfahrener Investmentprofi riet, Politik aus Anlageentscheidungen herauszuhalten
Der Autor verweist auf einen Rat eines alten Investmentprofis, mit dem er jahrelang zusammengearbeitet hat. Eine von dessen unerschütterlichen Regeln für Investitionen laute, niemals Investitionsentscheidungen auf Politik zu gründen. Zwar könne in den kommenden Monaten eine erhöhte Volatilität auftreten, während sich der Markt an die neue politische Konstellation anpasst – egal wie diese aussieht. Ein Ausstieg aus dem Markt jetzt könnte jedoch bedeuten, dass Anleger einige der besten Gewinne verpassen, die er zu bieten hat.
Frühere Berichte von aktien.news ordneten die Midterms bereits ein
Bereits am 03.10.2026 berichtete aktien.news, dass die bevorstehenden Midterm-Wahlen am 3. November ihre Schatten auf die Finanzmärkte vorauswerfen. Während Prognosemärkte vor einem möglichen „Worst-Case-Szenario" für die Wall Street warnten, deutete ein Blick in die Historie darauf hin, dass die Monate Oktober und November für Investoren besonders attraktiv sein könnten. Historische Daten der Carson Group zeigten, dass der Oktober seit 1950 in Jahren von Zwischenwahlen durchschnittlich um 3 % und der November um 2,7 % zulegte. Keine anderen Monate erreichten in diesen Zyklen vergleichbare Renditen.
Bereits am 26.09.2026 berichtete aktien.news über eine Studie von Fidelity, wonach der S&P 500 in den Jahren nach den Midterm-Wahlen seit 1938 in 95 Prozent aller Fälle eine positive Entwicklung verzeichnete. Entscheidend dabei: Es spielte keine Rolle, welche Partei gewinnt oder ob die Amtsinhaber oder Herausforderer mehr Sitze hinzugewinnen.
Bereits am 15.10.2026 berichtete aktien.news, dass der S&P 500 in den ersten 20 Monaten der zweiten Amtszeit von US-Präsident Donald Trump um 30,6 Prozent zugelegt hat (Stand: 30. September). Damit lag der US-Leitindex sogar vor dem Niveau, das er im gleichen Zeitraum seiner ersten Amtszeit erreichte – damals waren es 28,5 Prozent. Der durchschnittliche Gewinn des S&P 500 in einem Midterm-Jahr beträgt lediglich 4,9 Prozent.
Bereits am 25.10.2026 berichtete aktien.news über einen scharfen Rückgang bei Halbleiteraktien und anderen stark gehandelten Aktien aus dem Bereich der Künstlichen Intelligenz, der viele Anleger verunsicherte. Der S&P 500 lag damals nur noch wenige Prozentpunkte von seinen Rekordniveaus entfernt. Ein etabliertes historisches Muster deutete darauf hin, dass die Aktienmärkte wahrscheinlich weiter steigen werden – entscheidend sei dabei nicht, wer im November die Midterm-Wahlen gewinnt.
Die saisonalen Muster liefern deutschen Anlegern eine Orientierung
Für deutsche Anleger, die über ETFs oder Einzelaktien am US-Markt engagiert sind, ist die saisonale Einordnung relevant. Die genannten Werte sind historische Durchschnittswerte über viele Jahrzehnte und keine Zusage für die Zukunft. Sie zeigen lediglich, dass der Zeitraum nach den Midterm-Wahlen im Rückblick häufig überdurchschnittlich ausfiel. Wer sein Portfolio anpassen möchte, sollte dies nicht allein an einem Wahlergebnis festmachen.
Hinzu kommt: Die Analyse betont ausdrücklich, dass die Ergebnisse der Wahl für den Markt kaum von Bedeutung sein dürften. Die erhöhte Schwankungsanfälligkeit, die kurzfristig auftreten kann, ist demnach kein Grund für eine grundlegende Neuausrichtung des Depots. Der Verweis auf die Regel, Investitionsentscheidungen nicht auf Politik zu gründen, unterstreicht diese Haltung.
Der Blick richtet sich auf die kommenden Monate bis April
Konkrete Termine nennt die Analyse nur wenige. Im Mittelpunkt steht der sechsmonatige Zeitraum von November des Wahljahres bis April des Folgejahres, der historisch die beste Phase im vierjährigen Präsidentschaftszyklus für den S&P 500 war. Für die kommenden Monate rechnet der Autor mit möglicherweise erhöhter Volatilität, während sich der Markt an die neue politische Konstellation anpasst. Eine Prognose, wie stark diese Schwankungen ausfallen, enthält der Beitrag nicht.
Drei Begriffe helfen beim Verständnis der Analyse
- S&P 500: Ein US-Aktienindex, der die Kursentwicklung von 500 großen börsennotierten US-Unternehmen abbildet.
- Midterm-Wahlen: Zwischenwahlen in den USA, die in der Mitte der vierjährigen Amtszeit des Präsidenten stattfinden.
- Volatilität: Das Maß für die Schwankungsintensität von Kursen an den Finanzmärkten.
