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Microsoft bietet 60.000 Mitarbeitern Abfindung – IT-Arbeitsmarkt unter Druck

Der Softwarekonzern setzt auf Freiwilligkeit, doch die Jobchancen in der IT-Branche trüben sich einer Studie zufolge deutlich ein.

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Microsoft bietet 60.000 Mitarbeitern Abfindung – IT-Arbeitsmarkt unter Druck

Microsoft bietet 60.000 Mitarbeitern eine freiwillige Abfindung an. Das Angebot gilt allerdings nur in Kanada, Indien, dem Vereinigten Königreich und den USA. In Deutschland ist der Schritt bislang nicht Teil des Programms – Aufsehen dürfte er hierzulande dennoch erregen, gilt der Konzern doch als Taktgeber für die gesamte Branche.

Der Vorgang fällt in eine Phase, in der der IT-Arbeitsmarkt spürbar unter Druck steht. Sparprogramme, ein verändertes Investitionsverhalten und die Automatisierung durch Künstliche Intelligenz (KI) verändern die Nachfrage nach Fachkräften. Eine Studie von Jobware und Get in, die IT-Fachkräfte im Abstand von fünf Jahren befragt, zeichnet diesen Wandel nach. Die erste Erhebung stammt aus dem Jahr 2021, diesmal wurde KI erstmals einbezogen. Themen waren Jobsicherheit, Arbeitsmarktchancen, Gehaltswünsche und Arbeitsmodelle.

Jobchancen-Bewertung bricht ein

Das Ergebnis fällt deutlich aus: Nur noch 37 Prozent der Befragten bewerten ihre Jobchancen als gut. 2021 lag dieser Wert noch bei 78 Prozent. Der Wandel vollziehe sich dabei nicht schleichend, sondern in kurzer Zeit, heißt es in der Auswertung. Am pessimistischsten äußern sich die 31- bis 35-Jährigen – also jene Gruppe, die mitten in der Karriereplanung steht.

Gegenüber der KI herrscht dagegen eine überwiegend positive Grundhaltung. 72 Prozent der IT-Fachkräfte sehen KI als Gewinn, nur 20 Prozent betrachten sie als Bedrohung für die eigene Karriere. Jobware-Chef Wolfgang Achilles bringt die Ambivalenz auf den Punkt: "KI verändert den IT-Arbeitsmarkt vielleicht schneller als jede Technologie zuvor." Und weiter: "Wer hingegen die KI beherrscht, erblickt in ihr ein Sprungbrett für die eigene Karriere. Es scheint wie immer zu gelten: wer innoviert, gewinnt."

Ein zweiter großer Hebel ist das Arbeitszeitmodell. Für 92 Prozent der Befragten beeinflusst es die Jobentscheidung, für 45 Prozent ist es sogar entscheidend. Nur 4 Prozent wollen ausschließlich vor Ort arbeiten. Der Anteil der vollständig remote arbeitenden Fachkräfte hat sich seit 2021 verdoppelt. Die Mehrheit der Talente bevorzugt ein Hybrid-Modell. Für Arbeitgeber bedeutet das: Wer seine Teams vollständig ins Büro zurückholt, schließt viele Fachkräfte von vornherein aus.

Nachfrage bleibt hoch, aber auf niedrigerem Niveau

Wie angespannt die Lage tatsächlich ist, zeigt eine Auswertung von Index Research, die der WirtschaftsWoche exklusiv vorliegt. Grundlage sind Stellenanzeigen aus 197 Printmedien, 306 Onlinebörsen und rund einer Million Firmenwebsites. 2023 schrieben etwa 75.000 Firmen IT-Stellen aus. Die Zahl der offenen IT-Stellen lag 2023 bei 860.000, sank 2024 auf 773.000 – ein Minus von rund 10 Prozent – und stieg 2025 wieder auf 794.000. Von Januar bis September 2026 wurden 622.000 offene Stellen registriert, ein Plus von 0,4 Prozent.

Index-CEO Jürgen Grenz ordnet die Entwicklung so ein: "Die Nachfrage nach Informatikern ist trotz des Einsatzes von KI-Tools bei der Programmierung weiterhin hoch und zuletzt sogar leicht gestiegen." Die Zahlen stützen diese Einschätzung: Nach dem Einbruch im Jahr 2024 hat sich der Markt zuletzt stabilisiert, wenn auch auf deutlich niedrigerem Niveau als 2023.

Bei den gesuchten Profilen führt der IT-Administrator mit deutlichem Abstand die Rangliste an, gefolgt von Fachinformatikern und Cloud-Architekten. Der Grund für die starke Nachfrage nach Administratoren liegt laut Quelle in gestiegenen Cyber-Security-Anforderungen. Unternehmen, die ihre Systeme härten müssen, suchen verstärkt Personal für genau diese Aufgabe.

Was das für Anleger und Beschäftigte bedeutet

Für Privatanleger sind zwei Signale relevant. Erstens: Der Kostendruck in der Tech-Branche bleibt hoch, wie der Microsoft-Schritt zeigt. Zweitens: Die Nachfrage nach IT-Fachkräften verschwindet nicht, verschiebt sich aber. Wer sich auf Sicherheitsthemen, Cloud-Infrastruktur oder den produktiven Umgang mit KI-Tools spezialisiert, bleibt gefragt.

Beschäftigte sollten zudem das Arbeitszeitmodell als Verhandlungsfaktor ernst nehmen – die Studiendaten zeigen, wie stark es die Jobwahl bestimmt. Arbeitgeber wiederum, die auf Präsenzpflicht setzen, riskieren, im Wettbewerb um Talente ins Hintertreffen zu geraten. Der IT-Arbeitsmarkt bleibt also in Bewegung – nur eben nicht mehr in die Richtung, die noch vor wenigen Jahren galt.

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