Meyer Burger verlässt Deutschland
US-Investitionen als Antwort auf Europas politische und wirtschaftliche Herausforderungen

Der Schweizer Solarkonzern Meyer Burger hat angekündigt, seine Modulproduktion in Deutschland einzustellen und die Fabrik im sächsischen Freiberg bis Ende April zu schließen. Diese Entscheidung folgt auf eine anhaltend angespannte Marktlage und das Ausbleiben politischer Unterstützung, die das Unternehmen in eine schwierige Lage gebracht hat. Meyer Burger plant nun, seine Produktionsaktivitäten in den USA zu verstärken, um sich von den politischen Unwägbarkeiten in Europa unabhängiger zu machen. Als Teil dieser strategischen Neuausrichtung ist eine Kapitalerhöhung im Umfang von 200 bis 250 Millionen Schweizer Franken vorgesehen, um die notwendigen finanziellen Mittel für den Ausbau der US-Produktionsstätten zu sichern.
Die Entscheidung, die Produktion in Deutschland einzustellen, steht im Kontext eines ruinösen Preiskampfes auf dem globalen Solarmarkt, der durch Billigimporte aus China verschärft wird. Diese Entwicklung hat die europäische Solarindustrie unter erheblichen Druck gesetzt und zu einer existenziellen Bedrohung für Produzenten in Deutschland und Europa geführt. Trotz einer hohen Nachfrage nach Solarmodulen ist es den europäischen Herstellern aufgrund der Preisunterbietung durch chinesische Anbieter schwergefallen, wettbewerbsfähig zu bleiben. Die Preise für Solarmodule sind innerhalb eines Jahres um fast 50 Prozent gefallen, was die finanzielle Lage von Unternehmen wie Meyer Burger weiter verschärft hat.
Die deutsche Bundesregierung hatte zwar Maßnahmen in Aussicht gestellt, um die heimische Solarindustrie zu unterstützen, darunter ein sogenanntes "Solarpaket I", das unter anderem einen Resilienzbonus für Anlagen mit einem Mindestanteil europäischer Komponenten vorsah. Die Umsetzung dieser Maßnahmen verzögerte sich jedoch aufgrund politischer Differenzen innerhalb der Regierungskoalition. Diese Verzögerungen und die Unsicherheit über die tatsächliche Unterstützung haben Meyer Burger dazu veranlasst, seine Produktion in Deutschland zu beenden und stattdessen in den USA zu investieren, wo das Unternehmen von Fördermitteln aus dem Inflation Reduction Act profitieren möchte.
