Banken unter Druck durch US-Immobilienkrise
Rückstellungen steigen, internationale Auswirkungen befürchtet

Die Krise auf dem Markt für US-Büroimmobilien hat weitreichende Folgen für die Bankenwelt. Besonders US-Regionalbanken, aber auch internationale Institute, spüren die Auswirkungen der sinkenden Nachfrage nach Büroflächen. Die Regionalbank New York Community Bancorp (NYCB) verzeichnete beispielsweise einen Quartalsverlust, der vor allem auf hohe Rückstellungen für ausfallgefährdete Büroimmobilienkredite zurückzuführen ist. Dies führte zu einem drastischen Kursverlust ihrer Aktie und setzte auch andere US-Regionalbanken unter Druck. Die japanische Bank Aozora und die Deutsche Bank mussten ebenfalls ihre Rückstellungen für ausfallgefährdete US-Immobilienkredite deutlich erhöhen.
Die Problematik wird durch den anhaltenden Trend zum Arbeiten von zu Hause verschärft. Trotz eines starken US-Arbeitsmarktes bleiben viele Büros leer. Die Leerstandsquote in den USA erreichte im vierten Quartal einen Rekordwert von 19,6 Prozent, mit Metropolen wie San Francisco, Los Angeles und New York, die besonders betroffen sind. Expertinnen und Experten sehen zwar keinen unmittelbaren großen Crash auf die Banken zukommen, doch die Folgen der Leerstände belasten die Institute nachhaltig.
US-Regionalbanken, die rund 70 Prozent der Gewerbeimmobilienkredite in ihren Büchern halten, gelten als besonders gefährdet. Die strukturelle Veränderung durch mehr Homeoffice und die damit verbundene geringere Nachfrage nach Büroflächen stellt eine langfristige Herausforderung dar. Investoren befürchten, dass eine weitere Runde von Kreditausfällen neue Verwerfungen bei den Banken auslösen könnte. Bis Ende 2025 werden Büroimmobilienkredite im Wert von 560 Milliarden Dollar fällig, deren Refinanzierung durch die gestiegenen Zinsen erschwert wird.
Die Deutsche Bank, die am stärksten am US-Gewerbeimmobilienmarkt aktiv ist, hat ihr Portfolio auf 17 Milliarden Euro beziffert, wovon 41 Prozent auf Büroimmobilien entfallen. Auch andere deutsche Institute sind in großem Stil auf dem amerikanischen Gewerbeimmobilienmarkt vertreten. Die Auswirkungen der Krise auf die Banken sind vielfältig und betreffen nicht nur die unmittelbaren Verluste durch ausfallgefährdete Kredite, sondern auch die langfristigen Folgen der strukturellen Veränderungen im Arbeitsmarkt und bei der Nutzung von Büroflächen.
Die US-Notenbank (Fed) hat die Leitzinsen erhöht, um die Inflation zu bekämpfen, was zusätzlichen Druck auf die Gewerbeimmobilien ausübt. Immobilieninvestor Barry Sternlicht schätzt, dass es bei amerikanischen Büroimmobilien zu Verlusten im Wert von über einer Billion Dollar kommen könnte. Die Krise der US-Regionalbanken im vergangenen Jahr, ausgelöst durch falsch gemanagte Zinsrisiken, zeigt die Verwundbarkeit des Finanzsystems und die Bedeutung der Immobilienrisiken.
In Europa sind Büroimmobilien ebenfalls unter Druck, wenn auch in geringerem Maße als in den USA. Die Pleite der österreichischen Immobiliengruppe Signa hatte beispielsweise erhebliche Auswirkungen auf die Schweizer Privatbank Julius Bär. Die deutsche Finanzaufsicht Bafin und die Europäische Zentralbank (EZB) beobachten die Entwicklungen auf den Gewerbeimmobilienmärkten mit Sorge, da diese das Potenzial haben, wie ein Verstärker in Stresssituationen zu wirken. Die Krise auf dem Markt für US-Büroimmobilien verdeutlicht die komplexen Verflechtungen zwischen Immobilienmarkt und Finanzsystem und die Notwendigkeit einer vorausschauenden Risikobewertung und -steuerung durch die betroffenen Institute.
