Tui-Aktie verlässt Londoner Börse
Fortan nur noch in Frankfurt handelbar

In einer bemerkenswerten Entwicklung im Finanzsektor hat der Reisekonzern Tui beschlossen, seine Aktiennotierung von der Londoner Börse zu beenden und sich fortan ausschließlich auf den Handelsplatz Frankfurt zu konzentrieren. Diese Entscheidung, die im Rahmen der virtuellen Hauptversammlung als Tagesordnungspunkt elf vorgestellt wurde, markiert einen signifikanten Schritt für das Unternehmen und seine Aktionäre. Laut dem Management von Tui finden bereits 77 Prozent der Aktienkäufe in Deutschland statt, was diesen Schritt als logische Konsequenz der bisherigen Handelsaktivitäten erscheinen lässt.
Die bisherige Praxis, die Aktien sowohl in London als auch in Frankfurt zu listen, wird durch diesen Schritt beendet. Diese Änderung wird von vielen Anteilseignern begrüßt, wie eine Umfrage des Handelsblatts zeigt. Experten und Fondsmanager, wie Michael Gierse von Union Investment, unterstützen die Entscheidung und betonen die Bedeutung der Börsennotierung am Hauptsitz des Unternehmens. Auch Marc Tüngler, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), sieht darin ein positives Signal für den Finanzplatz Deutschland und einen Schritt zurück zur Normalität für die Aktionäre.
Die Konzentration auf Frankfurt bringt jedoch nicht nur Vorteile mit sich, sondern könnte zumindest kurzfristig auch Nachteile haben. Die Umstellung könnte temporäre Kursverwerfungen nach sich ziehen, insbesondere wenn Fondsmanager in Großbritannien aufgrund von Indexanpassungen gezwungen sind, die Aktie zu verkaufen. Trotzdem überwiegen die Vorteile: Eine einheitliche Notierung in Frankfurt könnte Tui als Kandidaten für den Aufstieg in den MDax positionieren, was das Papier für eine breitere Investorenbasis attraktiv macht. Zudem verspricht die Vereinheitlichung der Börsennotierung eine Vereinfachung und Kosteneinsparung für das Unternehmen sowie eine erhöhte Transparenz für die Anleger.
Die Entscheidung, sich von der Londoner Börse zurückzuziehen, ist auch ein Zeichen für die Erholung des Unternehmens nach den finanziellen Herausforderungen der Pandemie. Tui musste staatliche Hilfen in Höhe von vier Milliarden Euro in Anspruch nehmen, die mittlerweile vollständig zurückgezahlt wurden. Die positiven Geschäftszahlen des ersten Quartals des versetzten Geschäftsjahres, mit einem Umsatzanstieg von 15 Prozent auf 4,3 Milliarden Euro und einem bereinigten Betriebsergebnis von sechs Millionen Euro, unterstreichen die Rückkehr zu finanzieller Stabilität. Konzernchef Sebastian Ebel bestätigte zudem die Prognose für das laufende Fiskaljahr, die ein Wachstum des bereinigten Betriebsergebnisses um mindestens 25 Prozent auf 1,2 Milliarden Euro vorsieht.
