Mexikos Inflation sinkt erstmals seit Dezember – Zinssenkung erwartet
Die mexikanische Gesamtinflation fiel im April auf 4,45 Prozent und eröffnet der Zentralbank Banxico Spielraum für eine weitere Zinssenkung.

Mexikos jährliche Inflationsrate hat sich im April erstmals seit Dezember verlangsamt. Die Verbraucherpreise der zweitgrößten Volkswirtschaft Lateinamerikas stiegen im Jahresvergleich um 4,45 Prozent – nach 4,59 Prozent im März. Damit fiel die Teuerung auch unter die von Reuters befragten Ökonomen prognostizierte Rate von 4,50 Prozent.
Auch der viel beachtete Kernindex, der die volatilen Preise für Lebensmittel und Energie ausschließt, gab nach. Er verlangsamte sich von 4,45 Prozent im März auf 4,26 Prozent im April und lag damit leicht unter den Markterwartungen von 4,27 Prozent. Im Monatsvergleich stiegen die Verbraucherpreise laut nicht saisonbereinigten Zahlen um 0,20 Prozent – ebenfalls unter den Ökonomenprognosen von 0,25 Prozent.
Banxico vor letzter Zinssenkung des Zyklus
Die mexikanische Zentralbank, bekannt als Banxico, sollte ihre geldpolitische Entscheidung noch am selben Donnerstag bekanntgeben. Der Markt erwartete eine weitere Senkung des Leitzinses um 25 Basispunkte. Bereits im März hatte die Banxico überraschend den Leitzins um 25 Basispunkte auf 6,75 Prozent gesenkt.
William Jackson, Chefökonom für Schwellenländer bei Capital Economics, kommentierte die Datenlage klar: „Der Rückgang der Inflation gibt den Entscheidungsträgern der Zentralbank Spielraum für eine letzte Zinssenkung um 25 Basispunkte in diesem Zyklus." Jackson wies zudem darauf hin, dass die Banxico bei ihrer Entscheidung wahrscheinlich auch die schleppende Konjunktur des Landes berücksichtigen werde.
Tatsächlich schrumpfte die mexikanische Wirtschaft im ersten Quartal um 0,8 Prozent. Für das Gesamtjahr erwarten Analysten von CopKapital lediglich ein Wachstum von 1,4 Prozent. „Die potenzielle Zinssenkung der Banxico zielt darauf ab, einer Wirtschaft Impulse zu geben, die in diesem Jahr um lediglich 1,4 Prozent wächst", so die Analysten in einer Mitteilung.
Inflation bleibt deutlich über Zielwert
Trotz der jüngsten Entspannung beim Preisauftrieb bleibt die Inflation in Mexiko deutlich über dem Zielwert der Zentralbank von 3 Prozent. Die Banxico steht damit vor einem klassischen geldpolitischen Dilemma: Einerseits drückt eine schwache Konjunktur auf die Notwendigkeit niedrigerer Zinsen, andererseits liegt die Teuerung noch immer spürbar über dem angestrebten Niveau.
Der nun erwartete Zinsschritt würde den vor über zwei Jahren begonnenen Lockerungszyklus der Banxico abschließen. Für internationale Anleger und Beobachter des lateinamerikanischen Wirtschaftsraums ist Mexiko als wichtiger Handelspartner der USA und als bedeutende Schwellenländervolkswirtschaft ein zentraler Indikator für die Entwicklung der Region.
