Bank of Japan: Zinserhöhungen bei anhaltendem Energieschock durch Nahostkonflikt
Viele BOJ-Ratsmitglieder befürworten Zinserhöhungen, falls der Iran-Krieg die Energiepreise weiter treibt und Zweitrundeneffekte auslöst.

Die Bank of Japan (BoJ) steht bereit, die Zinssätze anzuheben, sollte der durch den Nahostkonflikt ausgelöste Energieschock anhalten. Dies geht aus dem am Donnerstag veröffentlichten Protokoll der März-Sitzung des Gouverneursrats hervor. Viele Mitglieder des Gremiums sehen demnach Handlungsbedarf, falls die steigenden Energiepreise Zweitrundeneffekte auf die allgemeine Inflation auslösen.
Die Protokolle zeigen eine bemerkenswert klare Haltung mehrerer Ratsmitglieder. Ein Mitglied sprach sich dafür aus, die Zinsen „ohne lange Intervalle" anzuheben. Ein weiteres Mitglied betonte, die Zentralbank müsse „ohne Zögern" handeln, falls die japanische Wirtschaft keine Anzeichen einer Verschlechterung infolge des Nahostkonflikts zeige.
Zweitrundeneffekte im Fokus der BoJ
Im Mittelpunkt der Diskussion steht die Sorge vor sogenannten Zweitrundeneffekten. Gemeint ist damit die Gefahr, dass steigende Energiepreise zunächst direkt die Inflation antreiben und in einem zweiten Schritt auch Löhne und andere Preise nach oben ziehen – ein Szenario, das Zentralbanken weltweit besonders aufmerksam beobachten.
Japan ist als rohstoffarmes Land besonders stark von Energieimporten abhängig. Störungen auf den globalen Energiemärkten, wie sie durch geopolitische Konflikte im Nahen Osten entstehen können, treffen die japanische Wirtschaft daher unmittelbar. Die BoJ muss in diesem Umfeld abwägen, ob steigende Preise ein vorübergehendes Phänomen bleiben oder sich strukturell festigen.
Geldpolitische Wende in Japan
Die Bank of Japan hat in den vergangenen Jahren eine historische geldpolitische Wende vollzogen. Nach Jahrzehnten der Nullzins- und Negativzinspolitik begann die Zentralbank, ihren Leitzins schrittweise anzuheben. Die nun veröffentlichten Protokolle deuten darauf hin, dass dieser Kurs unter bestimmten Bedingungen fortgesetzt werden könnte.
Für deutsche und europäische Anleger ist die Geldpolitik der BoJ von erheblicher Bedeutung. Zinserhöhungen in Japan können den Yen stärken und haben Auswirkungen auf globale Kapitalflüsse, da japanische Investoren traditionell große Mengen ausländischer Anleihen halten. Eine Straffung der japanischen Geldpolitik könnte daher auch europäische Anleihemärkte beeinflussen.
Das Protokoll der März-Sitzung wurde am 7. Mai 2026 veröffentlicht und gibt Einblick in die internen Debatten des Gouverneursrats. Die endgültige Entscheidung über künftige Zinsschritte hängt laut den Protokollen maßgeblich davon ab, wie sich die wirtschaftliche Lage Japans im Kontext des anhaltenden Nahostkonflikts entwickelt.
