Benzinpreise treffen Geringverdiener härter als Wohlhabende
Eine neue Fed-Studie zeigt: Steigende Benzinpreise belasten einkommensschwache Haushalte deutlich stärker als wohlhabende Autofahrer.

Steigende Benzinpreise treffen nicht alle Autofahrer gleich hart. Das zeigt eine aktuelle Studie von Ökonomen der Federal Reserve Bank of New York, die am Mittwoch veröffentlicht wurde. Die Ergebnisse liefern ein anschauliches Bild der sogenannten K-förmigen Wirtschaft – einem Phänomen, bei dem sich wirtschaftliche Entwicklungen für verschiedene Einkommensgruppen in entgegengesetzte Richtungen bewegen.
Im März stiegen die Benzinpreise spürbar an und zwangen Autofahrer aller Einkommensklassen, tiefer in die Tasche zu greifen. Doch die Reaktionen auf diesen Preisschock fielen je nach Einkommensgruppe sehr unterschiedlich aus. Während einkommensschwache Fahrer versuchten, ihren Verbrauch zu drosseln, zeigten sich wohlhabende Autofahrer kaum beeindruckt.
Geringverdiener schränken sich am stärksten ein
Fahrer mit einem Jahreseinkommen von weniger als 40.000 US-Dollar reagierten auf die höheren Preise mit den stärksten Einschränkungen bei ihren Benzinkäufen. Trotz dieser Sparmaßnahmen verzeichneten sie den geringsten Anstieg bei den Gesamtausgaben für Kraftstoff – ein Zeichen dafür, dass der Preisanstieg ihr Budget empfindlich traf und sie schlicht weniger tanken konnten.
Autofahrer mit einem Jahreseinkommen von mehr als 125.000 US-Dollar verhielten sich hingegen gegensätzlich. Sie reduzierten ihre Benzinkäufe am wenigsten und wiesen gleichzeitig die größten Ausgabenzuwächse auf. Für diese Gruppe stellten die gestiegenen Preise offenbar keine nennenswerte finanzielle Belastung dar – sie tankten nahezu unverändert weiter.
Was die K-förmige Wirtschaft bedeutet
Der Begriff „K-förmige Wirtschaft" beschreibt eine wirtschaftliche Entwicklung, bei der sich die Lage für verschiedene Bevölkerungsgruppen auseinanderbewegt: Während es einem Teil der Gesellschaft gut geht oder sich seine Situation sogar verbessert, verschlechtert sie sich für einen anderen Teil. Das Bild des Buchstabens „K" veranschaulicht diesen gespaltenen Verlauf – ein Arm zeigt nach oben, der andere nach unten.
Die Benzinpreise sind dabei ein besonders aussagekräftiger Indikator, weil Kraftstoff für viele Haushalte eine unvermeidbare Ausgabe darstellt. Wer auf das Auto angewiesen ist – etwa für den Weg zur Arbeit – kann den Kauf nicht einfach aufschieben oder vermeiden. Einkommensschwache Haushalte geben zudem einen deutlich höheren Anteil ihres verfügbaren Einkommens für Energie und Mobilität aus als wohlhabende Haushalte.
Die Studie der Federal Reserve Bank of New York macht damit sichtbar, was viele Ökonomen seit Längerem beobachten: Inflation und Preissteigerungen sind keine gleichmäßige Last, sondern treffen Menschen mit niedrigem Einkommen überproportional hart. Für politische Entscheidungsträger und Zentralbanker liefern solche Erkenntnisse wichtige Hinweise darauf, wie Preisentwicklungen die gesellschaftliche Ungleichheit beeinflussen können.
