Lufthansa übernimmt ITA und expandiert nach Italien
Integration bringt Vorteile, doch US-Strecken bleiben vorerst unverändert.

Die italienische Fluggesellschaft ITA ist nun offiziell Teil der Lufthansa-Gruppe. Damit integriert sich die Nachfolgegesellschaft der ehemaligen Alitalia in den deutschen Luftfahrtkonzern. Der Vollzug der Transaktion, das sogenannte Closing, erfolgt am Nachmittag des 13. Januars. Obwohl Lufthansa den Termin nicht offiziell bestätigt, wurde dieser intern vom Konzernchef Carsten Spohr bereits vor Weihnachten kommuniziert. Der Abschluss der Übernahme wird mit den Mitarbeitenden beider Unternehmen gebührend gefeiert.
Kurzfristig ändert sich für Passagiere jedoch wenig. ITA und Lufthansa bleiben bis zur endgültigen Integration kartellrechtlich eigenständige Wettbewerber. Ab dem 15. Januar erhalten Lufthansa-Manager tieferen Einblick in die Abläufe bei ITA und treiben die Integration voran. Geplant ist unter anderem, Vielflieger von ITA in das Miles-and-More-Programm aufzunehmen. Zudem wechselt ITA von der Allianz Skyteam zur Star Alliance, was die Koordination von Flugplänen erleichtert.
Auf den Strecken in die USA dauert es allerdings länger, bis die Integration vollständig umgesetzt ist. Neben der Zustimmung der EU-Kommission ist auch die Freigabe durch US-Behörden erforderlich. Dieser Prozess kann bis zu 18 Monate dauern. Bis dahin bleiben ITA und Lufthansa Wettbewerber auf diesen Strecken, was eine Zusammenarbeit in Bereichen wie Preisgestaltung und Flugverfügbarkeit ausschließt. ITA bleibt vorerst auch außerhalb des „Atlantic Joint Venture“, einem Gemeinschaftsprojekt von Lufthansa, United Airlines und Air Canada.
Ein besonderes Merkmal von ITA ist die Ausstattung ihrer Airbus-A321-Neo-Flotte mit drei Kabinenklassen: Economy, Premium Economy und Business. Dieses Konzept könnte auch bei Lufthansa auf ausgewählten Kurz- und Mittelstrecken Einzug halten. Spohr zeigt sich offen für eine Erprobung dieser Konfiguration, verweist jedoch auf die finanziellen Herausforderungen angesichts geringer Margen in der Branche.
Lufthansa besitzt zunächst 41 Prozent der ITA-Anteile, während die restlichen Anteile vorerst bei der italienischen Regierung verbleiben. Ein schrittweiser Erwerb der übrigen Aktien ist in den kommenden Jahren vorgesehen. Auch die künftige Führung von ITA steht fest: Branchenkreise erwarten eine paritätisch besetzte Leitung, wobei Jörg Eberhart als CEO von ITA gehandelt wird.
Mit der Übernahme von ITA und der Lieferung neuer Flugzeuge wächst die Flotte des Lufthansa-Konzerns bis Ende 2025 auf 850 Maschinen. Um seine Marktposition weiter auszubauen, prüft der Konzern mögliche Zukäufe, etwa bei der portugiesischen TAP oder der lettischen Air Baltic.
