LNG Canada: Shell-Konsortium beschließt Milliarden-Expansion der Exportkapazität
Die Aktionäre von LNG Canada haben die finale Investitionsentscheidung für die zweite Phase getroffen – die Kapazität soll sich auf 28 Millionen Tonnen verdoppeln.

Die Aktionäre des von Shell Plc angeführten LNG-Canada-Unternehmens haben die finale Investitionsentscheidung für die zweite Phase des Projekts getroffen. Damit wird der multibillionenschwere Ausbau der Exporte von verflüssigtem Erdgas am Standort Kitimat in der kanadischen Provinz British Columbia fortgesetzt. Nach Angaben von Shell, die am Dienstag in einer Erklärung veröffentlicht wurden, verdoppelt sich die Kapazität der Anlage dadurch auf rund 28 Millionen metrische Tonnen pro Jahr.
Der Zeitpunkt der Entscheidung ist bemerkenswert: Sie fällt in eine Phase, in der wichtige Kunden in Asien mit der größten Versorgungsstörung der jüngeren Zeit konfrontiert sind. Der kommerzielle Betrieb der Erweiterung ist für den frühen 2030er-Jahre geplant. Die Anlage an der Westküste Kanadas hatte im Juni 2025 ihr erstes LNG geliefert.
LNG Canada gilt als eines der größten Flüssigerdgasvorhaben des Landes und liegt in Kitimat an der Westküste der Provinz British Columbia. Von dort aus werden die asiatischen Märkte bedient, die für das Projekt die zentrale Absatzregion darstellen. Shell tritt bei dem Vorhaben als führender Anteilseigner und Betreiber des Konsortiums auf.
Die Details
Die nun getroffene finale Investitionsentscheidung betrifft die zweite Phase des Projekts in Kitimat, British Columbia. Sie war lange erwartet worden und wird in einer am Dienstag veröffentlichten Erklärung von Shell bestätigt. Kern der Entscheidung ist die Ausweitung der Exporte von verflüssigtem Erdgas.
Die Kapazität der Anlage soll sich nach Angaben von Shell auf etwa 28 Millionen metrische Tonnen pro Jahr verdoppeln. Damit würde sich die Ausfuhrmenge des Standorts gegenüber dem bisherigen Umfang ungefähr verdoppeln. Der kommerzielle Betrieb der Erweiterung ist für den frühen 2030er-Jahre vorgesehen.
Die erste LNG-Lieferung der Anlage an der Westküste erfolgte im Juni 2025. Das Projekt befindet sich damit bereits im Betrieb, während der Ausbau nun verbindlich beschlossen ist. Die Entscheidung der Aktionäre ist die Voraussetzung dafür, dass die zweite Phase tatsächlich umgesetzt wird.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 17.01.2026 berichtete aktien.news, dass Shell und der japanische Mischkonzern Mitsubishi Corporation einen Verkauf ihrer Anteile am LNG-Canada-Projekt erwogen. Das Flüssigerdgas-Projekt in British Columbia hatte demnach einen Gesamtwert von umgerechnet 28,8 Milliarden US-Dollar. Shell war als größter Anteilseigner mit 40 Prozent beteiligt und hatte laut Reuters die Investmentbank Rothschild & Co beauftragt, potenzielle Käufer zu sondieren. Der Konzern hätte bis zu drei Viertel seiner Beteiligung verkaufen können, was 30 Prozent des Gesamtprojekts entsprochen hätte.
Am 30.04.2026 meldete aktien.news, dass Apollo Global Management, Blackstone und KKR die verbliebenen Bieter im Auktionsverfahren um eine bedeutende Beteiligung am Projekt LNG Canada waren. Shell hielt damals 40 Prozent und führte den Verkaufsprozess an. Der Transaktionswert sollte laut den Insidern deutlich über 10 Milliarden US-Dollar liegen und könnte nach Einschätzung einiger Quellen sogar bis zu 15 Milliarden US-Dollar erreichen. Alle Personen, die mit Reuters sprachen, baten um Anonymität, da das Bieterverfahren vertraulich ist; Apollo, Blackstone, KKR und Shell lehnten jeweils eine offizielle Stellungnahme ab.
Am 27.05.2026 berichtete aktien.news, dass Kanada unmittelbar vor der Bekanntgabe eines bedeutenden Flüssigerdgas-Abkommens mit Deutschland stand. Laut einem Bericht von Bloomberg vom Dienstag sollte das Gas aus dem Projekt Ksi Lisims geliefert werden, einer geplanten schwimmenden Exportanlage an der Küste der kanadischen Provinz British Columbia. Käufer war die deutsche SEFE, die ehemalige Gazprom-Tochter, die nach der russischen Invasion der Ukraine von der Bundesregierung verstaatlicht wurde. Die offizielle Bekanntgabe des Deals wurde für Mittwoch erwartet, Tim Hodgson, Kanadas Minister für Energie und natürliche Ressourcen, sollte das Abkommen ankündigen.
Am 30.06.2026 berichtete aktien.news über den „LNG Outlook 2026" von Shell. Der Konzern erwartete darin einen massiven Anstieg der weltweiten Nachfrage nach Flüssigerdgas: Bis 2050 sollte sie um rund 65 Prozent zulegen und fast 700 Millionen Tonnen pro Jahr erreichen. Als weltgrößter Händler des tiefgekühlten Brennstoffs verfügt Shell über eine besondere Marktperspektive. Haupttreiber der Nachfrage ist laut Shell Asien, wo Länder in Süd- und Südostasien nach emissionsärmeren Alternativen zur Kohle suchen, um ihren schnell wachsenden Energiebedarf zu decken. Prognosen zufolge werden diese Regionen bis 2050 rund 40 Prozent der weltweiten LNG-Importe auf sich vereinen.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger ist die Entscheidung vor allem deshalb relevant, weil Shell als führender Anteilseigner des Projekts an der Börse handelbar ist. Die Kapazitätsverdopplung auf 28 Millionen metrische Tonnen pro Jahr erweitert das künftige Exportvolumen des Konzerns in einer Region, die laut Shells eigener Marktprognose den größten Nachfragezuwachs verzeichnen soll. Zugleich zeigt der Blick in die jüngere Berichterstattung, dass die Beteiligungsstruktur des Projekts in Bewegung war: Shell hielt zuletzt 40 Prozent und prüfte einen Teilverkauf, für den Apollo, Blackstone und KKR als Bieter im Gespräch waren.
Anleger sollten beachten, dass zwischen der Investitionsentscheidung und dem kommerziellen Betrieb der Erweiterung mehrere Jahre liegen. Der Erlösbeitrag aus der zweiten Phase setzt erst im frühen 2030er-Jahre ein. Kurzfristige Effekte auf Umsatz oder Gewinn sind aus der Entscheidung selbst daher nicht abzuleiten. Die Nachfrageprognose von Shell reicht bis 2050 und ist eine Erwartung des Unternehmens, keine gesicherte Entwicklung.
Ausblick
Der kommerzielle Betrieb der zweiten Phase in Kitimat ist für den frühen 2030er-Jahre geplant. Bis dahin muss die Erweiterung gebaut und in Betrieb genommen werden. Shell erwartet in seinem „LNG Outlook 2026", dass die weltweite LNG-Nachfrage bis 2050 um rund 65 Prozent auf fast 700 Millionen Tonnen pro Jahr steigt, getrieben vor allem von Asien. Ob und in welchem Umfang Shell seine Beteiligung am Projekt reduziert, ist offen – zu dem Bieterverfahren hatten sich Apollo, Blackstone, KKR und Shell nicht offiziell geäußert.
Kurz erklärt
- Final Investment Decision (FID): Der endgültige Investitionsbeschluss eines Projekts, mit dem die Bauphase verbindlich freigegeben wird.
- LNG: Verflüssigtes Erdgas, das durch starke Kühlung transportfähig gemacht und per Schiff verschifft wird.
- Kommerzieller Betrieb: Der reguläre Dauerbetrieb einer Anlage nach Abschluss von Bau und Inbetriebnahme.
