Ledger: Hardware-Angriff auf Krypto-Wallets – 90 Millionen Dollar gestohlen
Der Pariser Hersteller Ledger ermittelt nach manipulierten Hardware-Wallets mit versteckten Überwachungskomponenten und Verlusten von mehr als 90 Millionen Dollar.

Der Hersteller von Kryptowährungs-Hardware-Wallets Ledger ermittelt wegen eines Angriffs, bei dem modifizierte Geräte mit versteckten Überwachungskomponenten zum Einsatz kamen. Die geschätzten Verluste liegen bei mehr als 90 Millionen US-Dollar. Im Zentrum der Untersuchungen steht der malaysische Kryptohändler CryptoBilis, bei dem Kunden seit dem 9. Oktober über verschwundene Guthaben berichteten.
Blockchain-Forscher schätzen, dass digitale Vermögenswerte im Wert von mehr als 90 Millionen US-Dollar gestohlen wurden. Das in Paris ansässige Unternehmen Ledger gab an, eine organisierte kriminelle Gruppe habe in einigen seiner Wallets verborgene Hardwarekomponenten eingebaut. Der Hersteller untersucht zudem Berichte über kompromittierte Geräte, die anderswo erworben wurden – ein Hinweis darauf, dass sich der Angriff über CryptoBilis hinaus erstrecken könnte.
CryptoBilis hat seine physischen Filialen in Kuala Lumpur vorübergehend geschlossen. Ledger erklärte, es arbeite mit den lokalen Strafverfolgungsbehörden zusammen. Der Händler selbst hat bislang keine Stellungnahme abgegeben.
Die Details
Unabhängige Sicherheitsexperten deuten darauf hin, dass die modifizierten Geräte über Komponenten verfügen, die sensible Informationen abfangen können, die an die Wallet-Bildschirme gesendet werden. Diese Daten werden über Mobilfunkverbindungen an die Angreifer weitergeleitet. Solche Modifikationen könnten Kriminellen ermöglichen, auf Kryptowährungsbestände zuzugreifen, ohne dabei die primären Sicherheitschips der Geräte direkt zu kompromittieren. Der Angriff zielt damit nicht auf die Kryptografie der Geräte, sondern auf die physische Hardware und die Datenübertragung zwischen den Komponenten.
Die Ermittlungen haben zudem Hinweise auf potenziell kompromittierte Geräte außerhalb Malaysias zutage gefördert. Eine Untersuchung einer in Singapur am Changi Airport gekauften Ledger Flex identifizierte Berichten zufolge einen modifizierten Display-Anschluss, einen Mobilfunkchip und eine SIM-Karte. Die Ergebnisse werfen Fragen dazu auf, wie kompromittierte Geräte in den Einzelhandelsvertrieb gelangten und ob weitere Kunden gefährdet sind.
Ledger hat den vollen Umfang des Angriffs noch nicht festgestellt und macht keine Angaben dazu, wie viele Geräte betroffen sein könnten. Der Vorfall verdeutlicht die bestehenden Bedenken hinsichtlich der Supply-Chain-Sicherheit bei der Kryptowährungslagerung – insbesondere dann, wenn Geräte über Drittanbieter-Distributoren oder Refurbishment-Kanäle vertrieben werden. Genau diese Vertriebswege gelten als schwer kontrollierbar, weil zwischen Hersteller und Endkunde mehrere Stationen liegen.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 16.10.2026 berichtete aktien.news, dass Kriminelle in der vergangenen Woche digitale Vermögenswerte im Wert von rund 90 Millionen US-Dollar aus Kryptowährungs-Wallets gestohlen hatten. Damals hieß es, die Täter hätten passwortlesende Komponenten in kleinen, USB-ähnlichen Geräten versteckt, die eigentlich als sicherste Methode gelten, um den Zugriff auf Token zu speichern. Betroffen waren Wallets von Kunden des französischen Unternehmens Ledger. Der Hersteller verkauft kleine Geräte, die USB-Sticks ähneln und auf denen Anleger das Passwort zum Zugriff auf ihre digitalen Token ohne Internetverbindung speichern können.
Der aktuelle Fall reiht sich in eine Serie von Sicherheitsvorfällen bei Anbietern von Hardware-Wallets ein. Am 14.08.2026 berichtete aktien.news über eine Datenpanne beim Hardware-Wallet-Anbieter Trezor, bei der die persönlichen Daten von fast 14.000 Kryptowährungsbesitzern offengelegt wurden. Betroffen waren ausgerechnet Nutzer von Cold Wallets. Ursache war ein Datenleck bei einem Versanddienstleister des in Prag ansässigen Unternehmens; konkret wurden Namen, Adressen, Telefonnummern und E-Mail-Adressen von 11.742 Käufern der Sicherheitsgeräte sowie Namen, Wohnorte und E-Mail-Adressen von weiteren 1.947 Kunden offengelegt.
Auch die Krypto-Börse Bitget war betroffen: Am 25.09.2026 berichtete aktien.news, dass Bitget nordkoreanische Hacker hinter einem Sicherheitsvorfall vermutet, bei dem digitale Vermögenswerte im Wert von rund 351,6 Millionen US-Dollar betroffen waren. CEO Gracy Chen erklärte in einem Livestream auf X, Ermittler hätten Internetprotokoll-Adressen identifiziert, die mit VPN-Diensten verknüpft sind, die zuvor von einer nordkoreanischen Hackergruppe genutzt wurden. Auch das Muster des Angriffs ähnele früheren Operationen, die dem Land zugeschrieben werden.
Ein weiterer Vergleichsfall betrifft Bitcoin Depot: Am 09.04.2026 berichtete aktien.news, dass unbefugte Dritte am 23. März 2026 Zugriff auf die IT-Systeme des Unternehmens erlangten und etwa 50.903 Bitcoin im Wert von rund 3,665 Millionen US-Dollar aus unternehmenseigenen Wallets transferierten. Das Unternehmen stufte den Vorfall am 6. April 2026 offiziell als wesentlich ein. Die Angreifer hatten die Kontrolle über Zugangsdaten für die Abrechnungskonten digitaler Vermögenswerte übernommen.
Was das für Anleger bedeutet
Für Besitzer von Hardware-Wallets zeigt der Fall, dass die Sicherheit der Geräte nicht nur von der Technik selbst abhängt, sondern auch vom Vertriebsweg. Wer ein Gerät über Drittanbieter, Distributoren oder Refurbishment-Kanäle bezieht, kann nicht ohne Weiteres davon ausgehen, dass es dem Originalzustand entspricht. Die im aktuellen Fall beschriebenen Modifikationen zielen darauf ab, Informationen abzugreifen, ohne die primären Sicherheitschips direkt zu kompromittieren – ein Angriff auf die Lieferkette statt auf die Kryptografie.
Bemerkenswert ist die Bandbreite der Vorfälle: Von gestohlenen Guthaben über offengelegte Kundendaten bis hin zu Angriffen auf Börsen-Infrastruktur reichen die Meldungen der vergangenen Monate. Für deutsche Privatanleger bedeutet das vor allem, beim Kauf auf die Bezugsquelle zu achten und die Herstellerhinweise zu verfolgen. Eine Kauf- oder Verkaufsempfehlung für bestimmte Produkte oder Kryptowerte lässt sich daraus nicht ableiten.
Ausblick
Ledger hat den vollen Umfang des Angriffs noch nicht festgestellt und macht keine Angaben zur Zahl der möglicherweise betroffenen Geräte. Das Unternehmen arbeitet nach eigenen Angaben mit den lokalen Strafverfolgungsbehörden zusammen. CryptoBilis hat seine physischen Filialen in Kuala Lumpur vorübergehend geschlossen und bislang keine Stellungnahme abgegeben. Ob und wann die Ermittlungen weitere kompromittierte Geräte außerhalb Malaysias bestätigen, ist offen.
Kurz erklärt
- Hardware-Wallet: Ein physisches Gerät, das den privaten Schlüssel für Kryptowährungen offline speichert.
- Cold Wallet: Eine nicht mit dem Internet verbundene Aufbewahrungsform für digitale Vermögenswerte.
- Supply-Chain-Sicherheit: Der Schutz eines Produkts über alle Stationen der Lieferkette hinweg.
