Larry Ellison finanziert Warner-Deal mit Schulden statt Aktienverkauf
Der Oracle-Gründer verpfändet Aktien von Oracle, Tesla, SpaceX und Paramount und stockt Kredite bei fünf Banken auf.

Larry Ellison, Gründer des Softwarekonzerns Oracle, hat im Vorfeld der milliardenschweren Übernahme von Warner Bros. Discovery durch seinen Sohn David seine Kreditaufnahme deutlich ausgeweitet, statt sich von einem großen Teil seiner Oracle-Aktien zu trennen. Wie aus Regulierungsmeldungen in Kalifornien hervorgeht, deren Details zuvor nicht berichtet wurden, hinterlegte Ellison Aktien von Oracle, Tesla, SpaceX und Paramount als Sicherheit und steigerte seine Kredite bei fünf Banken: Citigroup, HSBC, JPMorgan, UBS und BNP Paribas.
Ursprünglich wollte Ellison in diesem Sommer einen großen Teil seiner Oracle-Aktien verkaufen – des Unternehmens, das er vor fünf Jahrzehnten gegründet hatte. Er benötigte Liquidität, um den Übernahmeversuch seines Sohnes David für Warner Bros. Discovery zu finanzieren. Im September teilte Oracle dann mit, dass Ellison einen Plan zur Veräußerung von Aktien im Wert von rund 7,5 Milliarden Dollar verworfen habe.
Stattdessen griff er auf Kredite zurück. Dadurch konnte Ellison seine Aktienbestände halten und steuerpflichtige Gewinne vermeiden. Das verdeutlicht zugleich, wie Milliardäre häufig die Strategie „Buy, Borrow and Die“ („Kaufen, Leihen, Sterben“) anwenden, um ihren Reichtum zu bewahren, ohne Vermögenswerte zu verkaufen.
Die Details
Die kalifornischen Meldungen, die von Banken im Zusammenhang mit Pfandrechten an Aktienkollateral erstellt wurden, geben Einblick in einen Teil der gestiegenen Kreditaufnahme. Laut diesen Meldungen gaben die Banken, die den Umfang der von ihnen gesicherten Oracle-Aktien offenlegten, 87 Millionen Aktien an – im Vergleich zu rund 30 Millionen vor einem Jahr. Die erste in den Meldungen dokumentierte Sicherungsbestellung einer Bank an Oracle-Aktien stammt aus dem Jahr 2013.
Oracle hatte im September separat bekannt gegeben, dass Ellison Aktien im Umfang von 413 Millionen im Wert von rund 58 Milliarden Dollar zur Sicherung seiner persönlichen Schuldenlast verpfändet hat, ohne Einzelheiten preiszugeben. Der Anteil der Aktien, den Ellison zur Kreditsicherung verpfändet hat, stieg gegenüber dem letzten Zeitpunkt, an dem Oracle dies vor einem Jahr offenlegte, von 346 Millionen Aktien an. Ellison gilt damit als einer der größten einzelnen Kreditnehmer weltweit.
Es war nicht genau klar, wie viel Bargeld Ellison tatsächlich geliehen hat. Marktforscher und Private-Banker-Spezialisten sagten jedoch, dass Kredite, die durch eine sehr liquide Aktie wie Oracle gesichert sind, typischerweise etwa der Hälfte des Marktwerts zum Zeitpunkt der Kreditaufnahme entsprechen würden. Das bedeutet, dass 87 Millionen Aktien zu ihrem aktuellen Kurs einem verfügbaren Betrag von 5,7 Milliarden Dollar entsprechen könnten. Die grobe Faustregel von 50 Prozent unterliegt wahrscheinlich zusätzlichen Abschlägen aufgrund von Größe und Konzentration, die das Kredit-in-Wert-Verhältnis auf 30 Prozent oder weniger senken könnten. Viele Kreditnehmer nutzen ihre Kreditlinien zudem nicht vollständig aus.
Tage vor Schließung der 81 Milliarden Dollar teuren Warner-Transaktion erweiterte Ellison laut den Meldungen seine Kredite bei Citigroup und JPMorgan und hinterlegte erstmals Anteile an SpaceX sowie an Paramount Skydance – dem Unternehmen, das Warner Bros. kaufte, um Skydance zu formen. Forbes schätzt Ellisons Gesamtvermögen auf rund 169 Milliarden Dollar, größtenteils basierend auf seinem gesamten Anteilsanteil von 40 Prozent an Oracle, dessen Großteil nicht mit seinen Krediten verknüpft ist.
Hintergrund: Was bisher geschah
Bereits am 27.02.2026 berichtete aktien.news, dass die Familie Ellison ihren Blick auf Hollywood richtet und sich eine Übernahme von Warner Bros. abzeichnet. Larry Ellison baute als Mitgründer des Datenbankgiganten Oracle eines der mächtigsten Softwareimperien der Welt auf und ist für seine kompromisslose Akquisitionsstrategie bekannt – feindliche Übernahmen wie die von PeopleSoft oder BEA Systems gelten als Lehrbuchbeispiele dafür, wie der Milliardär Gegner systematisch zermürbt.
Am 29.04.2026 berichtete aktien.news, dass Ellison über ein geschätztes Nettovermögen von 212,9 Milliarden US-Dollar verfügt, wovon den Großteil Oracle-Aktien ausmachen – einschließlich jener Anteile, die er als Sicherheit für Kredite verpfändet hat. Das Kapital nutzt er unter anderem zur Finanzierung eines aufwendigen Lebensstils, zu dem Superyachten, der Besitz von 98 Prozent einer hawaiianischen Insel sowie die Unterstützung des Hollywood-Engagements seines Sohnes zählen.
Am 26.09.2026 meldete aktien.news, dass Ellison 67 Millionen weitere Anteile an der Oracle Corp. als Sicherheit für persönliche Kredite verpfändet hat als noch zur gleichen Zeit im Vorjahr. Das ging aus einer Oracle-Einreichung hervor, die am Freitag über das Bloomberg Terminal bekannt wurde. Zum Schlusskurs von 137,10 US-Dollar am Freitag waren die zusätzlich verpfändeten Aktien rund 9,2 Milliarden US-Dollar wert. Die offengelegten Pfandbestellungen entsprachen einem Anstieg um 19 Prozent bei der Anzahl der von Ellison verpfändeten Aktien seit 2025.
Am 03.10.2026 berichtete aktien.news, dass die Paramount Skydance Corp. und die Oracle Corp. in die Riege der größten Kreditnehmer des amerikanischen Unternehmenssektors aufsteigen. Damit rücken ihre Verbindungen zu ein und derselben Person in den Fokus: Larry Ellison. An der Wall Street sorgt diese Konstellation zunehmend für Unruhe, wie Bloomberg Europe berichtet. Auslöser war die Aufnahme von 52 Milliarden Dollar zusätzlicher Verschuldung in dieser Woche, mit der Paramount seine Übernahme der Warner Bros. Discovery Inc. finanzieren will.
Was das für Anleger bedeutet
Für deutsche Privatanleger ist die Personalie vor allem deshalb relevant, weil sie zwei börsennotierte Unternehmen verbindet: Oracle und Paramount Skydance. Ellison ist mit einem Anteil von 40 Prozent der größte Einzelaktionär von Oracle, und ein erheblicher Teil seiner persönlichen Kredite ist durch Oracle-Aktien besichert. Steigt die Zahl der verpfändeten Aktien, wächst auch die theoretische Abhängigkeit zwischen dem Privatvermögen des Gründers und dem Kurs des Unternehmens.
Zugleich zeigt der Fall, wie schwer sich die tatsächliche Verschuldung von außen beziffern lässt. Oracle nannte im September 413 Millionen verpfändete Aktien im Wert von rund 58 Milliarden Dollar, ohne Einzelheiten zu nennen; die kalifornischen Meldungen wiederum wiesen 87 Millionen gesicherte Oracle-Aktien aus. Die Differenz erklärt sich unter anderem daraus, dass nicht alle Banken den Umfang offenlegen und Kreditlinien nicht vollständig ausgeschöpft werden müssen. Anleger sollten daher bei der Bewertung von Oracle und Paramount Skydance die Verbindung zur Person Ellison und die daraus entstehenden Erwartungen im Blick behalten – eine Kauf- oder Verkaufsempfehlung lässt sich daraus nicht ableiten.
Ausblick
Konkrete Termine für weitere Offenlegungen nennt der Quelltext nicht. Klar ist, dass die 81 Milliarden Dollar teure Warner-Transaktion kurz vor dem Abschluss stand, als Ellison seine Kredite bei Citigroup und JPMorgan erweiterte und erstmals SpaceX- sowie Paramount-Skydance-Anteile hinterlegte. Wie sich die verpfändeten Bestände künftig entwickeln, hängt auch davon ab, ob Ellison weitere Aktienverkäufe plant oder erneut auf Kredite setzt. Der im September verworfene Plan zum Verkauf von Aktien im Wert von rund 7,5 Milliarden Dollar zeigt, dass er die Kreditroute bislang bevorzugt.
Kurz erklärt
- Buy, Borrow and Die: Strategie vermögender Anleger, Vermögenswerte zu beleihen statt sie zu verkaufen, um Steuern auf Gewinne zu vermeiden.
- Aktienkollateral: Hinterlegung von Aktien als Sicherheit, damit eine Bank darauf einen Kredit gewährt.
- Kredit-in-Wert-Verhältnis: Verhältnis zwischen Kreditsumme und Wert der hinterlegten Sicherheit, das die maximale Kredithöhe begrenzt.
