Konjunkturabschwung in der Eurozone
Inflationsdruck lässt nach, doch das Wirtschaftswachstum stagniert

In der Eurozone zeichnet sich eine unerwartete wirtschaftliche Verlangsamung ab. Trotz steigender Kosten für Energie und Lebensmittel ist die Inflationsrate auf den niedrigsten Stand seit über zwei Jahren gefallen. Dies geht einher mit einer Kontraktion der Wirtschaftsleistung im Sommerquartal.
Nach ersten Schätzungen des Statistikamts Eurostat schrumpfte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der Eurozone im Vergleich zum Vorquartal um 0,1 Prozent. Experten hatten zuvor eine Stagnation prognostiziert, nachdem im zweiten Quartal noch ein Wachstum von 0,2 Prozent verzeichnet wurde. Auf Jahressicht konnte die Wirtschaftsleistung lediglich um 0,1 Prozent zulegen, was hinter den Erwartungen von 0,2 Prozent zurückblieb.
Die Inflationsrate in der Eurozone hat sich im Oktober deutlich abgeschwächt. Sie fiel von 4,3 Prozent im Vormonat auf 2,9 Prozent. Ein solch niedriger Wert wurde zuletzt im Juli 2021 registriert.
Christine Lagarde, Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB), prognostiziert für den Rest des Jahres eine anhaltend schwache Wirtschaftsleistung im Euroraum. Sie erwartet jedoch, dass die Konjunktur in den kommenden Jahren an Fahrt gewinnen wird, getrieben von einer abnehmenden Inflation und einer steigenden Nachfrage aus dem Ausland.
Die Kerninflation, welche die volatilen Preise für Energie und Lebensmittel ausschließt, sank ebenfalls – von 4,5 auf 4,2 Prozent. Viele Ökonomen betrachten die Kernrate als zuverlässigeren Indikator für die grundlegende Teuerung und somit als besseren Maßstab für den Inflationstrend.
Obwohl Lebensmittel und Genussmittel im Jahresvergleich immer noch teurer waren, ließ der Preisanstieg nach – von 8,8 auf 7,5 Prozent. Die Energiepreise fielen im Vergleich zum Vorjahr um 11,1 Prozent. Auch die Preise für Industriegüter und Dienstleistungen stiegen weniger stark als im Vormonat. Trotz der abgeschwächten Inflation liegt die Rate weiterhin über dem mittelfristigen Ziel der EZB von zwei Prozent. Im vergangenen Jahr hatte der Konflikt in der Ukraine zeitweise zu zweistelligen Inflationsraten geführt.
