ANZEIGE

KI treibt deutschen Start-up-Boom auf neue Rekordhöhen

Exoskelette, KI-Kredite und Rekordgründungen: Die deutsche Gründerszene erlebt einen historischen Aufschwung.

3 Min
KI treibt deutschen Start-up-Boom auf neue Rekordhöhen

Es fiept und blinkt an diesem Morgen im Lager des Möbelhauses Spitzhüttl in Unterfranken nahe Würzburg. Lagerarbeiter Peter Kiesel testet das neu entwickelte Exoskelett des Start-ups Ease. Der Hightech-Rucksack auf seinem Rücken reduziert das Gewicht beim Heben um bis zu 20 Kilogramm.

Für Peter Kiesel kommt das Gerät auf Anhieb gut an. In der Vergangenheit hatte er sich beim Anheben eines Tischs eine Bizeps-Sehne gerissen. "Mit der neuen Hilfe wäre mir das nicht passiert", sagt der Lagerist.

Besser hätte die Pilotphase für das junge Unternehmen um Gründerin Christina Harbauer nicht starten können. Bleibt die Resonanz so positiv, könnte das Möbelhaus nach dem vierwöchigen Praxis-Test zu einem der ersten zahlenden Kunden werden.

"Wir bieten die ersten Exoskelette, die nicht nur den Rücken, sondern auch die Arme entlasten", nennt Harbauer den zentralen Vorteil gegenüber Konkurrenzprodukten.

Gegründet 2025 im Umfeld der Technischen Universität München, beschäftigt das Unternehmen aktuell fünf Mitarbeiter. Harbauer zeigt sich dankbar für die Unterstützung mit Know-how und Fördergeld. "Wir hatten eine Idee, aber am Anfang keine Ahnung, wie beispielsweise ein Business-Plan aussehen muss", erinnert sie sich an die Anfänge.

Start-up-Ökosystem wächst rasant

In den vergangenen Jahren ist die Förderung von Start-ups deutlich besser geworden, beobachtet Oliver Falck vom Münchner ifo-Institut. "Da sind echte Ökosysteme entstanden, die die Gründung erleichtern."

Das bestätigt auch Miriam Wohlfarth, die bereits ihr drittes Start-up in der Finanzbranche gegründet hat. 2009 legte sie mit dem Fintech Ratepay einen erfolgreichen Start hin. Das Unternehmen wurde zum Unicorn, also mit mehr als einer Milliarde Euro bewertet. "Wenn man jetzt starten will, hat man bessere Voraussetzungen als früher", so die erfahrene Gründerin.

Ihr neuestes Unternehmen heißt Banxware und vermittelt mit KI-Unterstützung Kredite an kleinere und mittlere Unternehmen. Seit der Gründung 2020 ist die Zahl der Beschäftigten auf 60 gestiegen. "KI ist bei uns wie zusätzliche Mitarbeiter, die im Team mitentscheiden", beschreibt sie die neuen Möglichkeiten.

Rekordzahlen bei Gründungen

KI ist zum Gamechanger geworden und inzwischen der wichtigste Antreiber in der Start-up-Szene. Insgesamt erlebt die Branche gerade einen bislang einmaligen Boom. Im ersten Halbjahr 2026 wurden laut Start-up-Verband 3.053 neue Firmen gegründet – ein Plus von 52 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum und mehr als im gesamten Jahr 2024.

Ein Grund dafür sei auch die schwierige wirtschaftliche Lage in Deutschland, sagt ifo-Experte Falck. "Wenn in etablierten Unternehmen auch für Hochqualifizierte die Beschäftigungschancen sinken, sehen viele die Selbständigkeit als eine Chance."

Ein Haupthindernis bei der Unternehmensgründung bleibt fehlendes Kapital. Doch auch hier haben sich die Voraussetzungen deutlich gebessert, sagt Mathias Ockenfels, Partner bei b2venture, der Risikokapital bereitstellt.

Als Ockenfels vor knapp zwei Jahrzehnten in die Finanzierungsszene einstieg, habe es in Laufweite des Berliner Büros keinen weiteren Fonds gegeben. "Heute sind es mehrere Dutzend, die Hunderte Millionen Euro und mehr in neue Geschäftsideen investieren", sagt er.

Deutschland im internationalen Vergleich nur Mittelmaß

Dennoch liegt Deutschland hier nur im Mittelfeld. Mit investierten 86 Euro pro Kopf belegt die Bundesrepublik Rang 13 unter den 30 größten Volkswirtschaften, so das Ergebnis einer Studie des Start-up-Verbands. Die USA spielen mit 724 Euro pro Einwohner in einer eigenen Liga.

Die USA als leuchtendes Vorbild – was bei der Finanzierung noch immer gilt, ist bei anderen Themen längst nicht mehr so eindeutig, sagt Annika von Mutius. Sie hat im Silicon Valley für ein dortiges Start-up gearbeitet, ehe sie 2022 in Deutschland selbst gründete. Der KI-gestützte Personaldienstleister Empion hat aktuell 50 Mitarbeiter.

"In Deutschland ist alles hoch kompliziert; in den USA alles super easy – das stimmt so einfach nicht", räumt die Gründerin mit einem verbreiteten Klischee auf.

Dennoch kämpft auch sie mit einer hochkomplexen Regulierung – sei es beim Einsatz von KI oder der fehlenden Flexibilität auf dem Arbeitsmarkt.

KI als zentraler Treiber

Für jedes dritte Start-up ist inzwischen KI der zentrale Faktor, hat der Start-up-Verband in diesem Jahr in einer Studie ermittelt. Der tiefgreifende technologische Wandel macht etablierten Unternehmen nach Einschätzung von Oliver Falck besonders zu schaffen, weil sie oft eine Kannibalisierung ihres bisherigen Geschäftsmodells befürchten. "Hier sehe ich sehr, sehr große Chancen gerade auch für Start-ups."

Der KI-Boom hat gerade erst begonnen. Vieles spricht dafür, dass der Start-up-Boom noch lange anhält. Für die Gründerszene in Deutschland sind das prima Aussichten und ein echter Lichtblick in einer schwierigen Wirtschaftslage.

Start-Up-BoomKIDeutschlandNeugründungenRisikokapitalExoskelettFintechGründerszene

Meistgelesene News

  1. Frankfurter Erbpacht-Schock: 1.900 Prozent mehr für Hausbesitzer
  2. Amazon Prime Air Crash in Miami: Fünf Tote bei Frachtflugzeug-Unglück
  3. Marktdissonanz: Die historische Umschichtung von Anleihen in Aktien
  4. Bitcoin-Rallye vor Fed-Entscheid und Krypto-Abstimmung im US-Senat
  5. Wall Street: Analystenempfehlungen zu Nvidia, Apple, Netflix und mehr

Disclaimer